Forum PolitikTelematik: Aus der Messehalle in die Praxis

In den Markt der Konnektoren, Lesegeräte und Co. kommt Bewegung. Der Deutsche Hausärzteverband und "Der Hausarzt" haben sich auf der Gesundheitsmesse conhIT umgeschaut – und Tipps für den Schritt in die Telematik-Infrastruktur mitgebracht.

Am Stand der Deutschen Telekom herrscht geschäftiges Treiben. Im Mittelpunkt: eine kleine weiße Box. Es ist der Konnektor zur Anbindung von Praxen an die Telematikinfrastruktur (TI), mit dem die Telekom eigenen Angaben zufolge kurz vor der Marktzulassung steht. Ein Arzt testet die damit einhergehende Bedienoberfläche am Computer, während ein anderer die Übersicht der Einstiegspreise einsteckt.

Der Einstieg in die TI ist in diesem Jahr Schlüsselthema der conhIT. Mit der in den Arztpraxen einziehenden Digitalisierung gewinnt auch die Fachmesse für IT im Gesundheitswesen an Bedeutung. "Seit elf Jahren konnten wir die Aussteller- und Fachbesucherzahlen kontinuierlich steigern", bilanziert Dr. Christian Göke, Geschäftsführer der Messe Berlin. Mit 577 Ausstellern habe man nun einen neuen Rekord verzeichnet.

Für Arztpraxen und ihre Anbindung an die TI sind fünf von ihnen von besonderer Bedeutung: Neben der Telekom ist das Arvato, wo der neue Secunet-Konnektor vorgestellt wird, und der "Platzhirsch" Compugroup (CGM) mit dem bei Redaktionsschluss einzigen zertifizierten Konnektor auf dem Markt. Bei den Kartenlesegeräten haben Ärzte seit Kurzem die Wahl zwischen zwei Geräten: das klassische Kartenlesegerät von Ingenico – hier wird auf dem Stand bereits ein weiteres, mobiles Gerät im Zulassungsprozess präsentiert – sowie die neu vorgestellte Tastatur mit integriertem Lesegerät von Cherry.

Die conhIT hat damit gezeigt, dass Bewegung in den Markt kommt: Arvato nennt den 15. Juni als Marktstart, die Telekom befand sich laut Unternehmenssprecher Rainer Knirsch zuletzt gar "auf der Zielgeraden". Der österreichische Hersteller RISE war auf der Messe zwar nicht vertreten, Geschäftsführer Prof. Thomas Grechenig bestätigte gegenüber "Der Hausarzt" aber den geplanten Start spätestens zu Beginn des dritten Quartals.

Tipp 1: In Paketen bleiben

Während sich Ärzte, MVZ- und Klinikvertreter an den Ständen tummeln, kommt immer wieder eine Frage auf: Wie kompatibel sind die Geräte? Für Ärzte, die eine Praxissoftware der Compugroup nutzen, ist die Situation vergleichsweise einfach: Ihnen riet die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) bereits im ersten Quartal, ihre Praxis an die TI anzubinden. Doch was ist mit jenen, deren Praxissoftware aus einem anderen Haus stammt?

Sie müssen darauf achten, dass Praxissoftware und Komponenten miteinander kompatibel sind – im schlimmsten Fall durch ein zu erwerbendes, zum Teil hochpreisiges Modul. Laut Jens Naumann, Geschäftsführer von Medatixx, tun Ärzte gut daran, sich von ihrem Software-Dienstleister beraten zu lassen und auf fertig geschnürte Paketen zu setzen. Diese bündeln Konnektor und Kartenlesegerät aus den verschiedenen Hersteller-Häusern sowie den nötigen VPN-Zugangsdienst. Medatixx etwa bietet ein Paket, das Ärzte bereits vorbestellen können. Das Lieferdatum ist noch unbekannt, aber: "Wir gehen mit dem nächsten Konnektor, der die Zulassung erhält, raus." Die hohe Zahl an Vorbestellungen zeigt, dass die notwendige Kompatibilität als Kriterium die technischen Spezifikationen der einzelnen Geräte schlägt (s. Übersicht).

In ihren Paketen stellen die IT-Dienstleister sicher, dass das Gesamtkonstrukt funktioniert – und Ärzte einen festen Ansprechpartner bei Installation oder möglichen Fehlern haben. "Wenn der VPN-Zugangsdienst etwa nicht kompatibel ist,ist das ein großes Problem", erklärt Dr. Erich Gehlen, Vorstandsvorsitzender von Duria. Das möge sich in Zukunft ändern, aktuell sollten Ärzte seiner Meinung nach jedoch vor allem darauf achten, die Komponenten aus einer Hand zu erwerben. Bei einem individuellen Kauf sei nur schwer sicherzustellen, dass die Anbindung läuft.

Tipp 2: Vertrag genau prüfen

Entscheidend für die Erstattungshöhe ist grundsätzlich nicht der Zeitpunkt der Bestellung, sondern ab wann die Praxis an die TI angeschlossen ist. Erfolgt der Datenabgleich beim Einlesen der Gesundheitskarte also erstmals am 8. Juli, erhält die Praxis die Pauschale für das dritte Quartal – auch wenn sie schon im Juni bestellt hat. Die Zahlen bei der CGM zeigen nach einem halben Jahr Markterfahrung die Bedeutung: 15.000 Praxen sind laut CGM bereits angeschlossen, 20.000 haben bestellt. Wie viel Zeit zwischen Bestellung und Installation liegt, können die Anbieter auf Anfrage von "Der Hausarzt" aktuell nicht sagen – das sehe man erst nach dem Marktstart. Die KBV rät daher dazu, sich die Finanzierung gemäß Bestelldatum zusichern zu lassen. Die Vorsitzende der KBV-Verteterversammlung und Vorstandsmitglied im Bayerischen Hausärzteverband, Dr. Petra Reis-Berkowicz, empfiehlt den entsprechenden Schriftverkehr mit dem Software-Dienstleister (hausarzt.link/EYU74).

Tipp 3: Lage beobachten

Zwar werden bald mehr Geräte auf dem Markt erhältlich sein, die Debatte um die Finanzierung war für Ärzte bei Redaktionsschluss aber nicht geklärt. Hintergrund ist die abgestaffelte Erstausstattungspauschale, die ab dem dritten Quartal von 2.344,98 auf 1.155 Euro sinken soll. Die KBV setzt sich für eine kostendeckende Finanzierung ein – eine Forderung, die auch die Delegierten des Deutschen Hausärzteverbands unterstrichen haben. Schließlich schreibt auch das Gesetz vor, dass Ärzten die Anbindung voll erstattet wird.

"Bis nicht klar ist, dass die Kassen die Ausstattung der Praxen im dritten Quartal in voller Höhe finanzieren, können wir nicht empfehlen, die notwendigen Komponenten zu bestellen", lautete daher der jüngste Rat von KBV-Vize Dr. Stephan Hofmeister. Die Pauschalen seien in der Erwartung vereinbart worden, dass die Preise aufgrund der Marktentwicklung fallen würden. Andernfalls hätte man nachverhandeln wollen.

Der GKV-Spitzenverband sieht dafür aktuell jedoch keine Notwendigkeit. "Wie schon zuvor hat die vereinbarte schrittweise Absenkung der Pauschalen funktioniert – die Angebote wurden auch zum 2. Quartal von der Industrie entsprechend angepasst", erklärte Sprecherin Claudia Widmaier auf Anfrage. Die Kassen gingen davon aus, dass die Ausstattung in Zukunft "deutlich schneller voranschreitet, weil dann mehr Anbieter gleichzeitig aktiv sein werden". Über die Situation tausche man sich laufend mit der KBV aus.

Ärzte, die sich derzeit gegen eine Anbindung entscheiden, tun daher gut daran, die aktuellen politischen Entwicklungen zu beobachten.

Was gilt es bei der Anbindung zu beachten? Hausärzte, die den Konnektor bereits installiert haben, stellen gemeinsam mit "Der Hausarzt" eine Checkliste bereit: hausarzt.ink/Leq1D

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