HonorarverhandlungenHausärzte fordern: Hausbesuche und VERAH aufwerten

Die Kassenärzte gehen in die Offensive: In der Honorarrunde für 2019 fordert die KBV zehn Euro mehr für jeden Hausbesuch. Sie schließt sich damit dem Deutschen Hausärzteverband an. Verbandschef Weigeldt hatte jüngst eine "180-Grad-Wende" bei der Honorierung verlangt.

Die Kassenärzte gehen in die Offensive: In der Honorarrunde für 2019 fordert die KBV zehn Euro mehr für jeden Hausbesuch. Sie schließt sich damit dem Deutschen Hausärzteverband an. Verbandschef Weigeldt hatte jüngst eine "180-Grad-Wende" bei der Honorierung verlangt.
Immer unterwegs, auch für 20 Euro: Arzttasche für den Hausbesuch© tunedin / fotolia.com

Berlin. Spürbare Investitionen in die hausärztliche Versorgung, hat der Deutsche Hausärzteverband zum Start der Honorarverhandlungen für 2019 gefordert. Insbesondere Hausbesuche seien jahrzehntelang massiv unterbewertet worden. „Daher braucht es jetzt ebenso massive Investitio­nen“, sagte Bundesvorsitzender Ulrich Weigeldt. Hausärztliche Leistungen, gerade sprechende Medizin, dürfe nicht mehr schlechter ge­stellt werden als techni­sche Leistungen. Zudem müssten die Leistungen von Versorgungs­assistentinnen in der Hausarztpraxis (VERAH®) stärker gefördert werden, sie entlasteten Hausärzte bei delegierbaren Aufgaben, so Hausärztechef Weigeldt.

Mit einer teilweise ähnlichen Forderung ist die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) in die Honorarverhandlungen ins Rennen gegangen. Um die Versorgung für Patienten abzusichern, forderte sie am Mittwoch (15.8.), die Vergütung für Hausbesuche solle von derzeit rund 20 Euro pro Besuch auf 30 Euro steigen. Angesichts des Aufwands sei die bisherige Vergütung für Hausbesuche zu gering, argumentiert auch die KBV – und verweist darauf, dass beispielsweise bei Handwerkern teils allein schon Anfahrtspauschalen höher seien. Sie greift damit die Argumentation des Hausärzteverbands auf, der zuvor bereits mehrfach eine bessere Honorierung der Hausbesuche gefordert hatte.

Laut Verbandschef Ulrich Weigeldt müssten Hausbesuche vor allem entbudgetiert und betriebswirtschaftlich kalkuliert werden. Das heutige Honorar von 22 Euro (nach der EBM GOP 01410) reiche „vorne und hinten nicht“. „Kein Klempner würde für dieses Geld kommen“, so Weigeldt. Nötig sei eine 180-Grad-Wende, forderte er auch in seinem jüngsten Editorial in „Der Hausarzt“.

KBV-Chef Dr. Andreas Gassen sagte am Mittwoch nach der ersten Verhandlungsrunde der Deutschen Presse-Agentur, es sei „leider erwartbar, aber sehr enttäuschend“, dass die Kassenseite diesen Weg zur Verbesserung der Grundversorgung nicht mitgehen wolle.  „Wenn nicht nachgebessert wird, besteht die Gefahr, dass die Zahl der Hausbesuche weiter abnimmt. Das können auch die Krankenkassen nicht wollen“, kommentierte Hausärztechef Weigeldt.

Er warnte zudem davor, das Geld mit der Gießkanne zu verteilen. Vielmehr müsse es in Bereiche mit hohem gesellschaftlichen Bedarf fließen, sonst werde es mittelfristig schwierig, die hausärztliche Versorgung sicherzustellen. Die Verhandlungen sollen in der kommenden Woche fortgesetzt werden.

Wir halten Sie in den kommenden Tagen und Wochen über die Honorarverhandlungen auf dem Laufenden.

Quelle: dpa

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