BedarfsplanungHausarztmangel erreicht Berlin

Erstmals können in der Hauptstadt im kommenden Jahr wohl nicht alle Hausarztsitze besetzt werden. Es gibt zu wenig Nachwuchs.

Erstmals können in der Hauptstadt im kommenden Jahr wohl nicht alle Hausarztsitze besetzt werden. Es gibt zu wenig Nachwuchs.
In fünf Jahren werden in Berlin laut KV 840 Hausärzte fehlen.© eyetronic - stock.adobe.com

Berlin. Berlin gehen die Hausärzte aus. Das berichtete am Dienstag (4.12.) der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin (KV), Dr. Burkhard Ruppert. Die KV werde Mitte Dezember die neuen Zahlen dem Zulassungsausschuss des Landes mitteilen, es sei davon auszugehen, dass dieser dann die Entsperrung bei den allgemeinärztlichen Praxen verkünden werde. „Da kommt ein riesiges Problem auf uns zu“, sagte Ruppert.

Denn: Die KV kann die 42,5 Sitze, die voraussichtlich ausgeschrieben werden, nur schwer besetzen. „Unsere stille Reserve ist aufgebraucht“, sagte Ruppert – es gebe derzeit nur noch 2,75 Jobsharer in Berlin. Meist waren es bisher Jobsharer, die frei werdende Arztsitze übernahmen. Jetzt gilt es nicht nur, mit wenig verfügbaren Nachwuchs in Pension gehende Hausärzte abzulösen, sondern auch neue Praxen zu gründen. „Das ist keine leichte Aufgabe, da machen wir uns nichts vor“, so Ruppert.

2.336 Hausärzte gibt es derzeit in Berlin, damit ist erstmals die Versorgungsquote von 110 Prozent – ab dieser werden keine neuen Hausarztsitze mehr vergeben – unterschritten: Sie liegt nun bei 106 Prozent. Der Zuwachs beim Bedarf im mittlerweile 3,7 Millionen Menschen zählenden Berlin liegt vor allem im Bevölkerungswachstum begründet, allein seit 2016 hätte dieses für 66 zusätzlich nötige Hausärzte gesorgt. Jetzt ereilt Berlin das gleiche Schicksal wie viele andere Bundesländer: Es fehlen die Ärzte, um freie Praxissitze zu besetzen.

Der Hausärzteverband Berlin-Brandenburg weist auf ein weiteres Problem hin: Bis die leeren Praxissitze wieder besetzt sind, müssen verbleibende Hausärzte die Patienten der wegfallenden Praxen übernehmen. Doch genau das ist nach dem neuen Honorarverteilungsmaßstab nicht mehr attraktiv. Die KV hat nämlich den Fallzahlzuwachs auf zwei Prozent begrenzt, dadurch werden besonders Versorgerpraxen mit vielen Patienten mit Honorareinbußen rechnen müssen. „Das ist paradox! Wir werden uns daher dafür einsetzen, dass diese Regelung gekippt wird“, sagte Dr. Wolfgang Kreischer, Vorsitzender des Hausärzteverbandes Berlin-Brandenburg, gegenüber „Der Hausarzt“.

Das Nachwuchsproblem wird sich absehbar verschärfen. Nach Berechnungen der KV wird in den kommenden fünf Jahren jeder dritte Berliner Hausarzt 65 Jahre oder älter sein, es sei also damit zu rechnen, dass rund 840 Ärzte ihre Praxen aufgäben. Durch die Allgemeinmediziner in Weiterbildung könnte die Lücke nicht gefüllt werden: Davon gebe es derzeit nur etwa 500, die erfahrungsgemäß bei Weitem nicht alle hausärztlich tätig würden. Von den 53 Ärzten, die 2017 in Berlin einen Facharztabschluss in der Allgemeinmedizin gemacht hätten, seien nur 20 im Vertragsarztregister der Hauptstadt eingetragen.

Niemand in der KV könne abschätzen, wie viele Ärzte sich im Januar als neue Hausärzte bewerben. Sie werden jedenfalls keine Sitze in den attraktivsten Teilen Berlins bekommen, sondern in den am schlechtesten versorgten Bezirken: Treptow-Köpenick, Lichtenberg und wahrscheinlich auch Neukölln.

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