HausärztetagCDU und SPD uneins über Termin-Gesetz

Während die einen die Terminvermittlung für Hausärzte attraktiv machen wollen, halten die anderen das für eine Zumutung. Ob die Maßnahmen des Terminservice-Gesetzes wirklich den Patienten nutzen, darüber diskutierten Politiker, Hausärzte und Krankenkassenvertreter beim Internationalen Hausärztetag.

Während die einen die Terminvermittlung für Hausärzte attraktiv machen wollen, halten die anderen das für eine Zumutung. Ob die Maßnahmen des Terminservice-Gesetzes wirklich den Patienten nutzen, darüber diskutierten Politiker, Hausärzte und Krankenkassenvertreter beim Internationalen Hausärztetag.
Was nutzt das TSVG Patienten? Darüber diskutierten Prof Karl Lauterbach (2.v.l.) und Erwin Rüddel (3.v.l.) beim Internationalen Hausärztetag.© G. Lopata / axentis.de

Bonn. CDU und SPD sind sich nicht ganz einig, ob das Terminservice-Gesetz (TSVG) die Versorgung der Patienten verbessert. Das wurde bei der Podiumsdiskussion „Hausarzt – geht uns alle an!“ der Stiftung Perspektive Hausarzt beim Internationalen Hausärztetag am Freitag (21.9.) in Bonn deutlich. Auseinander gehen die Meinungen besonders über die Erhöhung der Sprechstundenzeiten sowie die Vermittlung von Patienten an Fachärzte. „Wer mehr arbeiten will, soll dafür besser bezahlt werden“, sagte Erwin Rüddel (CDU), Vorsitzender des Gesundheitsausschusses im Bundestag. Hausärzte seien wichtige Lotsen und daher müsse es „für Hausärzte reizvoll sein, Termine zu vermitteln“.

Dem hielt SPD-Gesundheitsexperte und Fraktionsvize Prof. Karl Lauterbach entgegen, die Hauptaufgabe von Hausärzten sei eben nicht die Steuerung, sie behandelten vielmehr die meisten Patienten abschließend selbst. „Hausärzte brauchen eine bessere Bezahlung für ihre Arbeit, die sie bereits leisten, nicht für Mehrarbeit“, konterte er, „eine Prämie für Facharzt-Überweisungen ist Hausärzten nicht würdig“. Zudem betonte er, das TSVG dürfe nicht Budgets von Hausärzten zu Fachärzten verschieben.

Plädoyer für mehr Struktur

Strittig war auch, wie der steigende Bedarf an Hausärzten gedeckt werden kann. Während Rüddel dazu auf Telemedizin und Delegation setzt, plädierte Lauterbach für eine bessere Strukturierung der Versorgung mittels eines freiwilligen Primärarztsystems wie der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV). „Patienten brauchen einen wirtschaftlichen Anreiz, dass sie zuerst zum Hausarzt gehen.“ E-Health könne persönliche Gespräche mit dem Arzt nicht ersetzen, sondern Ärzte brauchten mehr Zeit für Patienten. Das könne Lauterbach zufolge nur gelingen, wenn sprechende Medizin besser honoriert werde.

Digitalisierung sei eine gute Entwicklung, wenn sie in einem strukturierten Gesundheitssystem vor sich gehe, betonte Dr. Christopher Hermann von der AOK Baden-Württemberg. Er mahnte: „Das TSVG wird die Versorgung nicht verbessern.“ Denn die Versorgung werde durch die darin geplanten Maßnahmen nicht rationaler, sondern wahrscheinlich chaotischer. „Das TSVG wird Patienten keinen Hausarzt auf Dauer sichern.“ Er kritisierte, die Politik sei einer strukturierten Versorgung bereits einmal sehr viel näher gewesen als heute. „Es könnte heute schon ein paar Baden-Württemberg in Deutschland geben und nicht nur uns als Leuchtturm“, so Hermann, aber die Politik habe hier „leider keinen langen Atem gehabt“. Lauterbach konterte, die SPD habe die HZV gegen die CDU durchgesetzt und seitdem dafür gekämpft, dass diese nicht eingestellt werde. Gegen die HZV arbeiteten außerdem einige Krankenkassen sowie die Kassenärztliche Bundesvereinigung. „Manche Kassen engagieren sich nicht genug“, so Lauterbach.

Lauterbach fordert mehr Medizinstudienplätze

Neben der Stärkung eines freiwilligen Primärarztsystems fehlen laut Lauterbach rund 5.000 Medizinstudienplätze pro Jahr, um den Bedarf an Hausärzten zu decken. Zudem müssten die Lehrstühle für Allgemeinmedizin finanziell aufgerüstet und deren Prestige aufpoliert werden, damit das Fach für junge Ärzte attraktiver wird. Nur mehr Studienplätze reichten aber nicht, ergänzte Prof. Jost Steinhäuser, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin am Uniklinikum Schleswig-Holstein und Sprecher der Sektion Weiterbildung der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Steinhäuser zufolge sollte die Schaffung neuer Studienplätze auch an eine Bedarfsplanung gekoppelt werden. „Ohne diesen zweiten Schritt zu gehen, bekommen wir weiter 90 Prozent Spezialisten“, erklärte Steinhäuser und nicht mehr Interessierte an der Allgemeinmedizin.

Auch er betonte, dass die vorhandenen Professuren personell besser ausgestattet und zu richtigen Instituten weiterentwickelt werden müssten. Für das Prestige seien zudem die neuen Kompetenzzentren wesentlich. Sie vernetzten die angehenden Allgemeinmediziner untereinander und würden durch ihre Schulungsangebote etwa auch die Angst vor der Niederlassung nehmen. Es gelte nun gemeinsam mit den Lehrstühlen klare Standards für die Kompetenzen von Fachärzten für Allgemeinmedizin zu setzen, so Steinhäuser. Denn bisher weise die Hausärzteschaft sehr verschiedene Hintergründe auf, bestätigte Dr. Leonor Heinz, Sprecherin des Forums Weiterbildung im Deutschen Hausärzteverband. Das Fach Allgemeinmedizin stärke das Selbstbewusstsein und die Identität der Hausärzte. „Hausärzte sind heute nicht mehr die Resterampe“, so Heinz.

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