Blick in die LänderFernbehandlung nimmt Tempo auf

Nach dem positiven Votum des Deutschen Ärztetags im Mai kommt in den ersten Landesärztekammern Bewegung ins Spiel: Thüringen und Rheinland-Pfalz haben jüngst gestimmt, die Berufsordnung entsprechend zu verändern – und auch andernorts tut sich etwas.

Nach dem positiven Votum des Deutschen Ärztetags im Mai kommt in den ersten Landesärztekammern Bewegung ins Spiel: Thüringen und Rheinland-Pfalz haben jüngst gestimmt, die Berufsordnung entsprechend zu verändern – und auch andernorts tut sich etwas.
Konsultation am Telefon? In vielen Ländern ist das künftig auch beim Erstkontakt möglich.© lightwavemedia - Fotolia

Thüringen

Die Thüringer Landesärztekammer hat Ende September grünes Licht für die Behandlung von Patienten aus der Ferne gegeben. Das Parlament der Thüringer Ärzteschaft habe während seiner jüngsten Versammlung beschlossen, die Berufsordnung entsprechend zu ändern, teilte die Landesärztekammer mit (20. September). Laut dem Beschluss ist eine ausschließliche Beratung oder Behandlung über Kommunikationsmedien wie Telefon und Computer im Einzelfall erlaubt, wenn dies ärztlich vertretbar ist und die erforderliche Sorgfalt gewahrt werde. „Mit der Möglichkeit zur ärztlichen Fernbehandlung tragen wir neueren Entwicklungen Rechnung, verlieren aber gleichzeitig den Patientenschutz nicht aus den Augen“, erklärte die Präsidentin der Landesärztekammer Thüringen, Ellen Lundershausen. Der unmittelbare Arzt-Patienten-Kontakt in der Beratung und Behandlung sei aber nach wie vor der „Goldstandard“, die Möglichkeit der Fernbehandlung eher eine Ergänzung, hieß es in einer Mitteilung.

Damit entspricht die Kammer dem vom Deutschen Ärztetag im Mai abgestimmten Umgang mit der Fernbehandlung.

Zugleich forderte die Kammer eine Erhöhung der Medizinstudienplätze an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, um die medizinische Versorgung in Thüringen langfristig zu sichern.

Rheinland-Pfalz

Die Landesärztekammer Rheinland-Pfalz hat den Weg Mitte September frei gemacht für eine ausschließliche Fernbehandlung. Mit großer Mehrheit hätten die 80 Mitglieder der Vertreterversammlung am 19. September dafür gestimmt, die Berufsordnung entsprechend zu ändern, teilte die Kammer mit. Laut dem Beschluss ist eine ausschließliche Beratung oder Behandlung über Kommunikationsmedien wie Telefon und Computer im Einzelfall erlaubt, wenn dies ärztlich vertretbar ist und die erforderliche Sorgfalt gewahrt werde. Die Kammer setzt damit den Beschluss des Deutschen Ärztetages um, der im Mai grünes Licht für den Fall des bislang geltenden ausschließlichen Fernbehandlungsverbots gegeben hatte. Der Deutsche Hausärzteverband plädierte in diesem Zuge dafür, dass das Arzt-Patienten-Verhältnis durch die Neuregelung nicht unter die Räder kommen dürfe.

Der Beschluss „bedeutet jedoch keinen Paradigmenwechsel“, sagte Landesärztekammer-Präsident Günther Matheis. Es handele sich um eine Angebotserweiterung in einem streng begrenzten Rahmen. Auch dürften bei der Fernbehandlung aufgrund gesetzlicher Regelungen derzeit weder Rezepte noch Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ausgestellt werden. Die beschlossene Änderung werde nun dem Gesundheitsministerium zur Genehmigung vorgelegt.

Baden-Württemberg

Die Landesärztekammer im Südwesten hatte als erste das bisher bestehende Fernbehandlungsverbot aufgehoben. Hintergrund war das im April gestartete Modellprojekt Docdirekt, das jetzt Medienberichten zufolge bis Jahresende auf ganz Baden-Württemberg ausgeweitet werden. Derzeit beteiligen sich 45 im ganzen Land verteilte Haus- und Kinderärzte an dem Projekt; dazu in den Testgebieten Stuttgart und Tuttlingen etwa 30 Facharztpraxen. Es gebe keinen Grund mehr, das Angebot weiterhin zu beschränken, sagte ein Sprecher der KV. „Die Technik funktioniert, die Kapazität ist vorhanden.“ Mit einer App können sich Patienten, vermittelt über ein Callcenter der KV, telefonisch, im Chat oder auch per Videoverbindung an die Ärzte wenden.

Sachsen

Die KV Sachsen hat unterdessen ein Modell zur Fernbehandlung initiiert. Dazu zählt insbesondere das Angebot, einen Telefonkontakt mit einem Arzt für die Beratung der Patientenanliegen zu organisieren. Perspektivisch ist auch angedacht, das telefonische Angebot durch einen telemedizinischen (Video-)Kontakt zu ergänzen. Aus Gründen der Flächendeckung kann aber zu Beginn nur die telefonische Kontaktaufnahme angeboten werden. Sollte sich während des Telefonats die Notwendigkeit eines persönlichen Arzt-Patienten-Kontakts ergeben, ist auch dessen Organisation Teil des Modellprojekts. Mit der seit November 2014 existierenden Termin-Servicestelle der KV Sachsen gebe es hierfür bereits nutzbare Ressourcen, die ermöglichten, die benötigte Infrastruktur schnell aufzubauen, hieß es bei der KV. Die KV Sachsen wird jetzt auf die Krankenkassen zugehen und sollte eine schnelle Einigung zur konkreten Ausgestaltung und Finanzierung gelingen, könnte das Modellprojekt schon zum 1. April 2019 starten. Nach einer kurzen Pilotphase in einzelnen Regionen soll das Angebot schnellstmöglich sachsenweit zur Verfügung stehen. „Sachsen würde sich mit dem Modellprojekt an die Spitze der Bundesländer setzen, die diese neuen, zeitgemäßen ärztlichen Leistungen zur Patientenversorgung flächendeckend ihren gesetzlich versicherten Bürgern anbieten“, hofft man bei der KV.

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