Corona-PandemieRKI sieht dramatische Situation in Kliniken

Einige Intensivstationen sind in der Pandemie schon am Anschlag. Das Robert Koch-Institut rät zu Verlegungen in andere Regionen - und fordert die Politik zum Handeln auf.

Die meisten Neuerkrankungen gibt es laut Wieler nun bei den 15- bis 49-Jährigen.

Berlin. Das Robert Koch-Institut hat die Politik eindringlich aufgefordert, die dritte Welle in der Corona-Pandemie zu brechen. “Wir müssen die Zahlen runterbringen. Es ist naiv zu glauben, das Virus wegtesten zu können. Das funktioniert nicht”, sagte Institutsleiter Lothar Wieler am Donnerstag (15.04.) in Berlin.

Dazu seien Verordnungen, wirksame Strategien und konsequente Umsetzungen nötig. “Die Lage in den Krankenhäusern spitzt sich teilweise dramatisch zu und wird uns auch noch härter treffen als in der zweiten Welle. Wir müssen jetzt handeln.”

Regelbetrieb einschränken

Wieler riet allen Kliniken, ihren Regelbetrieb einzuschränken, um Kapazitäten zur Behandlung von schwer kranken Patienten zu schonen. Es gebe jetzt schon in einigen Städten und Ballungsgebieten auf den Intensivstationen keine freien Betten mehr.

“Und das ist eine Situation, in der wir mit mehr Patienten rechnen müssen.” Stabile Kranke sollten deshalb aus Regionen mit akutem Bettenmangel rechtzeitig in weniger betroffene Regionen verlegt werden.

Viele jüngere Erwachsene betroffen

Wegen der Schwere der Erkrankungen würden auf den Intensivstationen immer mehr künstliche Lungen benötigt, sagte der RKI-Präsident. Acht von zehn Geräten seien mit Covid-Patienten belegt. Darunter seien inzwischen auch viele jüngere Erwachsene.

Es gebe zwar Fortschritte beim Impfen, aber viele Menschen müssten noch mehrere Monate oder länger auf ihre Impfung warten, auch Kinder. Die meisten Neuerkrankungen gebe es nun bei den 15- bis 49-Jährigen. Und: “Die Todeszahlen gehen nicht mehr zurück.”

Auch nach dem Überstehen der Krankheit sei das Leiden nicht immer vorbei, berichtete Wieler. Einer von zehn Genesenen leide noch Wochen oder Monate nach der Genesung an Langzeitfolgen.

12 Prozent positive PCR-Tests

Die Fallzahlen nähmen nicht zu, weil mehr getestet werde, betonte der Wissenschaftler. Es gebe 12 Prozent positive PCR-Tests – aber nur die Hälfte der Kapazität werde überhaupt ausgeschöpft.

Wieler verglich die aktuelle Pandemielage mit einem Bild: “Stellen Sie sich vor, Sie fahren über enge Straßen in den Dolomiten. Es ist kurvenreich und an einer Seite ist ein steiler Abhang. Jeder weiß, in diese Kurve kann ich nur mit 30 fahren. Wenn ich hier mit einer Geschwindigkeit von 100 reinfahre, dann ist das lebensgefährlich. Man kommt nämlich von der Straße ab. Und ehrlich gesagt hilft dann auch keine Notbremse mehr.”

Quelle: dpa

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