Sachsen-AnhaltRegierung will Studienplätze für Landärzte reservieren

In Sachsen-Anhalt gibt es jedes Jahr 450 Studienplätze für angehende Mediziner. Doch zu wenige wählen eine Zukunft als Hausarzt - und zu viele gehen aus Sicht der Landesregierung in ein anderes Bundesland. Eine neue Quote bei der Bewerberauswahl soll das ändern.

Magdeburg. Sachsen-Anhalt will die nötige Neuregelung bei der Vergabe von Medizin-Studienplätzen nutzen, um Bewerber als künftige Landärzte zu verpflichten. Das kündigte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) am Dienstag (25. April) in Magdeburg an. Fünf Prozent der 450 Medizin-Studienplätze an den Universitäten in Magdeburg und Halle sollen künftig unter diesem Aspekt vergeben werden. Das entspräche 22 Plätzen.

Die Studenten, die dieses Angebot nutzen, sollen verpflichtet werden, nach ihrem Abschluss eine gewisse Zeit im ländlichen Raum zu arbeiten. Mit dieser Landarztquote will Sachsen-Anhalt dem drohenden Hausärztemangel begegnen.

Bereits jetzt sind nach Angaben des Sozialministeriums 132 Hausarztstellen im Land nicht besetzt. Und das, obwohl bereits heute jeder achte Allgemeinmediziner das Rentenalter erreicht habe und immer noch weiter praktiziere, rechnete Regierungschef Haseloff vor. Bis 2032 scheiden nach aktuellen Prognosen mehr als 900 Hausärzte aus. Die gleiche Vorhersage bescheinigt dem Land, dass mehr als 260 Stellen bis dahin nicht besetzt werden können. Dem will die Landesregierung begegnen, indem sie unter anderem mehr im Land verwurzelte Bewerber zum Studium an den hiesigen Unis zulässt.

Viele verlassen das Land

Sachsen-Anhalt bilde derzeit im Vergleich zu anderen Bundesländern überdurchschnittlich viele Mediziner aus, doch mehr als die Hälfte verlasse das Land nach dem Abschluss, sagte Haseloff. Eine Idee, um mehr junge Ärzte zu halten, ist jetzt die Landarztquote.

Im Herbst 2019 sollen die ersten Bewerber mit der Verpflichtung zum Landarzt ihr Studium starten können. Dazu müssten eine Reihe rechtlicher Fragen geklärt werden, sagte die zuständige Sozialministerin Petra Grimm-Benne. Im Sommer will sie zusammen mit Wissenschaftsminister Armin Willingmann (beide SPD) ein Konzept vorlegen, wie die Quoten-Regelung umgesetzt werden kann. Die Auswahl geeigneter Bewerber soll die Kassenärztliche Vereinigung übernehmen. „Bei der Landarztquote gibt es viele Klippen, die man umgehen muss.”

NC-Urteil eröffnet neuen Spielraum

Sachsen-Anhalt könne jetzt auch dank einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts mit dieser kreativen Idee voranpreschen, ergänzte Willingmann. Es hatte im Dezember entschieden, dass die Vergabe in der Medizin neu geregelt werden muss, zum Beispiel weil die Abiturnote, der sogenannte Numerus Clausus, nicht das alleinige Auswahlkriterium sein darf.

Die Länder wollen daher den Staatsvertrag ändern. Das gebe Raum, um eine Landarztquote zu etablieren, so Willingmann. Wunder dürfe man jedoch nicht erwarten. Ein Studium samt Facharztausbildung dauere im Schnitt elf Jahre und damit sehr lange.

Stipendien, Partnermodelle, Anstellung

Ministerin Grimm-Benne verwies vor diesem Hintergrund auf viele weitere Aktivitäten, um aktuelle Studenten für einen Job in Sachsen-Anhalt zu gewinnen. Das reiche von Stipendien über Patenmodelle mit praktizierenden Hausärzten bis hin zu Angeboten, in regionalen Gesundheitszentren als angestellter Arzt zu arbeiten – statt den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Gerade für Ärztinnen sei dieses Modell attraktiv, weil es sich besser mit Familie vereinbaren lasse, so Ministerpräsident Haseloff.

Quelle: dpa/sa

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