kurz + knappNeuauflage der Leitlinie „Depression“

Um Defizite in der Versorgung von Patienten mit Depressionen abzubauen und das Wissen über Ursachen, Diagnostik und Therapie der Erkrankung zu verbessern, hat die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) die S3-Leitlinie „Unipolare Depression“ überarbeitet. An dem Prozess beteiligten sich 30 Fachgesellschaften, Verbände und Organisationen, die Leitlinie wurde Ende November vorgestellt.

Bundesweit leiden geschätzt 6,2 Millionen Menschen an Depressionen. Deutschlandweite Untersuchungen zeigen, dass drei Viertel der Erkrankten keine Behandlung erhalten, die den Leitlinien entspricht, sagte DGPPN-Präsidentin Dr. Iris Hauth in Berlin. Fast ein Fünftel der Betroffenen erhalte überhaupt keine Behandlung. Hinzu kämen erhebliche regionale Versorgungsunterschiede, die sich besonders deutlich in einem Ost-West- und Stadt-Land-Gefälle äußerten.

Dies soll die neue Nationale Versorgungsleitlinie nun ändern, die die alte Version aus 2009 ersetzt. Sie richtet sich an alle Berufsgruppen, die ambulant oder stationär Menschen mit unipolaren Depressionen behandeln. Die Leitlinie umfasst 120 Schlüsselempfehlungen, einige Schwerpunkte wurden neu aufgenommen:

  • Pharmakotherapie: Wenn Patienten auf die alleinige Behandlung mit Antidepressiva nicht reagieren, sollen Ärzte abwägen, ob eine Kombination mit niedrig dosierten Antipsychotika in Betracht kommt.

  • Sport: Sofern sich Patienten bewegen können, sollen ihnen zu sportlicher Betätigung geraten werden.

  • Um Depressionen bei Müttern in der Zeit nach der Geburt vorzubeugen, soll schon in der Schwangerschaft eine Psychotherapie empfohlen werden.

Zudem erhoffen sich die Fachgesellschaften, haus- und fachärztliche, psychotherapeutische und stationäre Maßnahmen besser aufeinander abzustimmen. Die Leitlinie enthält klare Behandlungspfade. Die Leitlinie soll über die DEGAM, aber auch Selektivverträge im Versorgungsalltag Fuß fassen, kündigte Prof. Martin Härter vom Uniklinikum Hamburg-Eppendorf an. Für Betroffene und Angehörige wird eine eigene Patientenleitlinie entwickelt.

Die Leitlinie „Unipolare Depression“ findet sich unter: http://www.versorgungsleitlinien.de

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