Leserbriefe

Messerattacke wurde schnell ad acta gelegt

Dr. med. Rainer Bühner, Heidelberg, Betreff: „Gewalt darf nicht salonfähig werden“, HA 14, 5.9.18, S. 1

Sie berichten über eine Flut von Hetze und Hass- Mails gegenüber Mesut Özil und Claudia Roth und stellen zu Recht fest, dass sich der Ton in öffentlichen Debatten verschärfe. Und Sie schreiben, dass Angriffe auf Ärzte und ärztliches Personal in den vergangenen Jahren zugenommen habe.

Dies ist mehr als traurig, denn Aufgabe und Ziel der ärztlichen Berufe ist es ja, anderen Menschen zu helfen. Und Ihr Artikel „Ich lasse mich nicht beleidigen“ gibt Hinweise (…), wie kritische Situationen entschärft werden können.

Vermisst (…) habe ich (…) einen Hinweis auf die tödliche Messerattacke gegenüber einem Kollegen aus Offenburg. (…) Doch ich habe mit großem Bedauern festgestellt, dass sowohl in der Öffentlichkeit als auch von Politikern diese furchtbare Tat sehr schnell ad acta gelegt wurde. Es gab keine großen Demonstrationen, keine Lichterketten. In der Presse war das Verbrechen sehr schnell von den Titelseiten verschwunden. Wenn es überhaupt auf den Titelseiten Platz gefunden hat.

Ich wünschte mir nicht, dass es ähnliche Szenen wie (…) in Chemnitz auch in Offenburg gegeben hätte. Doch ein wenig mehr Anteilnahme, mehr Mitgefühl mit den Angehörigen, sowohl von Seiten der Politik als auch von den Standesvertretern und unserer Standespresse hätte nicht geschadet.

So bleibt letztendlich ein schaler Nachgeschmack, wie solch eine hochkriminelle Tat gegenüber den Menschen in ärztlichen Berufen viel zu rasch vom Tagesgeschäft verdrängt wird.

Gewalt zu verschweigen, verhöhnt Opfer

Stefan Stern, Bad Bevensen, Betreff: „Gewalt darf nicht salonfähig werden“, HA 14, 5.9.18, S. 1

Ich bin sprachlos. Sie veröffentlichen am 5. September 2018 in „Der Hausarzt“ ein Editorial zum Thema Gewalt (in Arztpraxen) ohne auch nur mit einem Wort daran zu erinnern, dass drei Wochen zuvor ein Arzt in Offenburg in seiner Praxis von einem Migranten bestialisch abgeschlachtet wurde?

Bemerkenswert auch der Umstand, daß Sie im Text zwar Kriminalitätsstatistiken (PKS?) erwähnen, dann jedoch eine Sekundärquelle (www.spiegel.de) heranziehen.

Wir verhöhnen die Opfer, wenn wir Gewalt verschweigen.

„Mit dem Ärztepack herumschlagen“

Dr. med. Hartmut Heinlein, Eschershausen, Betreff: „Gewalt darf nicht salonfähig werden“, HA 14, 5.9.18, S. 1

Poltiker können sich oft „nicht mehr daran erinnern“. Ich erinnere mich, dass Herr Seehofer als Bundesgesundheitsminister gesagt hat, „er müsse sich mit dem Ärztepack herumschlagen“. Das ist eine gute Voraussetzung für das derzeitige Verhalten bei „Gewalt gegen Ärzte“.

Das Thema ist zurzeit in vielen medizinischen Medien. Eine Erwähnung des Gesagten wurde bis dato nicht publiziert.

Es fehlen Trainingskonzepte

Dr. med. Martin P. Wedig, Herne, Betreff: „Ich lasse mich nicht beleidigen“, HA 14, 5.9.18, S. 33

Der Fließtext gibt kein Handlungsschema für die Begegnung mit aggressiven Klienten an die Hand. Das Interview mit der Praxisberaterin ist redaktionell gegliedert. Inhaltlich wird jedoch die Hilflosigkeit gegenüber verbalen Entgleisungen, Auf- bis Zudringlichkeit und körperlicher Gewalt sichtbar.

Die Stichwortsuche „Gewalt gegen Ärzte“ ergibt auf der Internetseite der Bundesärztekammer (BÄK) 98 Dokumente (10.9.2018). Die Resolution des Vorstandes der BÄK (20.8.2018) fordert Vorbeugung mit anerkennender Wertschätzung. Der Vorstand fordert Zivilcourage in Form von Beistand durch Zeugen ein. Der abnehmende Respekt gegenüber Mitarbeitern im Gesundheitsbereich war Thema des 121. Deutschen Ärztetags (…). Auf dem Treffen der (…) mittel- und osteuropäischen Ärztekammern in (…) Ljubljana war die Resolution „Gewalt gegen Ärzte“ beschlossen worden (Ljubljana Statement of the Central and Eastern Chambers of Physicians, 19.9.2017):

  1. „Nur eine sichere Umgebung gewährleistet eine sichere, professionelle und qualitativ hochwertige Versorgung von Patienten.
  2. Wie jedermann haben auch Haus-/Familienärzte ein Recht auf einen sicheren Arbeitsplatz.
  3. Gewalt gegen Hausärzte muss von den Verwaltungen ernst genommen werden und von Polizei, Anwälten und Gerichten bearbeitet werden.
  4. Handlungsrichtlinien zur Gewaltprävention müssen sowohl auf nationaler Ebene als auch auf Ebene der Gesundheitseinrichtungen entwickelt werden.
  5. Gewaltakte müssen methodisch durch Meldesysteme erfasst werden, welche die Regierungen und die Gesundheitseinrichtungen bereitstellen.
  6. Eine verständliche und einsichtige Politik der Nulltoleranz gegen Gewalt gegenüber medizinischen Helfern muss auf allen Ebenen der Gesundheitssysteme eingeführt und öffentlich unterstützt werden.
  7. Im Training professionellen Verhaltens von Hausärzten müssen Deeskalationsstrategien für gewaltbehaftete Konfrontationen gelehrt werden.
  8. Die nationale und Europäische Gesetzgebung muss Hausärzte besser schützen und Aufmerksamkeit für die Verwundbarkeit von Hausärzten zeigen, welche teilweise in äußerst angespannten Situationen arbeiten.“

Wo auch erfahrene und mit dem Rettungsdienst verbundene Berater von weiter qualifizierenden Ausbildungsprogrammen für medizinische Fachangestellte lediglich allgemeine Ratschläge zur Kommunikation in einem freien Interview beitragen können, legt dies den nicht abgeschlossenen Arbeitsauftrag der Institutionen offen. Es fehlen Handlungsempfehlungen, auf welche Berater verweisen können und zwangsläufig fehlen Trainingskonzepte für Hausärzte. Sowjetische Erfahrungen mit Gewaltopfern können in Konzepte [1] einfließen, welche Umgebungserhebungen und die Widerstandskraft der Teams für diversifizierte Strategie verbinden. Es muss an die Opfer und deren Versorgung gedacht werden. Vor 2015 wurden Erfordernisse im Gesundheitswesen ohne Fokus der Gewaltprävention wahrgenommen (2). Eine ruhige Lage zeigt zwischen 37 und 80 Prozent wahrgenommene traditionelle Gesundheitsthemen. Eigene Untersuchungen zeigen eine längerfristige Entwicklung der Gewaltbereitschaft und der Radikalisierung bei Begegnungen im Gesundheitswesen [3,4]. Entwicklungen wurden kleingeredet, aber auch gegenwärtig plakativ dargestellt.

Antwort der Redaktion: Der Fall des verstorbenen Arztes in Offenburg kommt in Ausgabe 14 nicht vor, da diese bereits gedruckt war, als sich die Tat ereignete. Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen und Kollegen. Im Editorial handelt es sich um die Polizeiliche Kriminalstatistik 2017: hausarzt.link/5Yh69. Sie verzeichnet 5.761.984 Straftaten in 2017, davon 188.946 Gewaltverbrechen. Das entspricht einem Anteil von 3,27 Prozent.

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