Kassen fordern NeuanfangStreit um Patientenberatung

Kostenlose Beratung über Nebenwirkungen und Impfungen, zu Zweifeln wegen einer empfohlenen OP oder Ärger über negativen Krankenkassen-Bescheide - das alles leistet die Patientenberatung. Doch um die Einrichtung tobt ein Streit.

Bei der UPD können die Menschen telefonisch, online oder persönlich Rat zu Behandlungen, Diagnosen oder Kassenleistungen einholen

Berlin. Nach massiver Kritik an der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD) haben die Krankenkassen Union und SPD zu einem Neuanfang aufgefordert. “Wir brauchen eine zeitnahe politische Entscheidung, wie die UPD verstetigt werden kann”, sagte der Verwaltungsratsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Volker Hansen, am Dienstag (06.04.).

Bei der UPD können die Menschen telefonisch, online oder persönlich Rat zu Behandlungen, Diagnosen oder Kassenleistungen einholen. Zwischen Union und SPD herrscht Uneinigkeit, wie es mit dem Beratungsangebot weitergehen soll.

Der Vertrag des jetzigen Trägers, der Callcenter-Firma Sanvartis, für den Betrieb der UPD endet zwar erst Ende 2022. Doch eine neue Ausschreibung müsste spätestens im November veröffentlicht werden, hieß es.

Kritik von Rechnungshof

Der Bundesrechnungshof hatte bereits im Juni 2020 in einem Bericht zur UPD unter anderem unwirtschaftliche Mehrfachstrukturen kritisiert. Die UPD wird mit jährlich mindestens neun Millionen Euro durch den GKV-Spitzenverband gefördert.

Der Rechnungshof bescheinigte der UPD weiter: “Sie erreichte nur 60 Prozent des im Bieterkonzept genannten Zielwertes von 222.500 Kontakten.” Eine hohe Personalfluktuation komme hinzu. “Die Abhängigkeit der UPD von der Sanvartis GmbH und weiteren Unternehmen der Unternehmensallianz in wirtschaftlicher, organisatorischer und teilweise personeller Hinsicht ist geeignet, den Eindruck fehlender Unabhängigkeit und Neutralität in der Beratung hervorzurufen”, so die Rechnungsprüfer. Sie empfahlen der Politik rechtzeitige Überlegungen zur Zukunft der UPD.

Kein Einvernehmen zwischen Koalitionsfraktionen

Zwischen den beiden Koalitionsfraktionen gab es zuletzt dazu aber kein Einvernehmen. Die CDU lehne ein von der SPD vorgeschlagenes Stiftungsmodell ab, berichtete das “Ärzteblatt” Ende März. Ein Vorschlag, die UPD bei der Bundespatientenbeauftragten, derzeit Claudia Schmidtke (CDU), anzusiedeln, sei von der SPD abgelehnt worden. Die UPD dürfe nicht verlängertet Arm der Regierung werden.

Hansen warnte, ohne Entscheidung zur UPD starte im Herbst automatisch eine neue Ausschreibung. Eine jeweils zeitlich befristete Vergabe der Trägerschaft, wie sie derzeit vorgeschrieben sei, habe aber “erhebliche Nachteile”. Die Beratungsstruktur müsse nach jeder Neuvergabe wieder neu aufgebaut werden.

“Egal, wer die UPD künftig als Träger verantwortet: Die Komplexität des gewünschten Beratungsangebots setzt ein hohes Maß an Professionalität voraus.” Das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) hatte bereits über entsprechende Kassenforderungen berichtet.

In einem Positionspapier warnt der GKV-Verband, dass ohne dauerhafte Institutionalisierung der Patientenberatung viel Personal gebraucht werde, um alte Beratungsstellen ab- und neue aufzubauen. Beim bisher letzten Wechsel habe der neue Träger bis auf die Internetdomain kaum etwas vom Vorgänger übernehmen können, hieß es in UPD-nahen Kreisen.

UPD kritisiert Kassen

Die UPD kritisiert regelmäßig auch die Krankenkassen. In ihrer jüngsten Mitteilung zum Beispiel moniert sie, Kassen wiesen Hilfsbedürftige an, sich selbst um eine Haushaltshilfe zu kümmern – “trotz eindeutig anderslautender Bestimmungen”.

Der Co- Verwaltungsratsvorsitzende des GKV-Verbandes, Uwe Klemens, sagte, die Kassen schätzten auch kritische Rückmeldungen, um daraus zu lernen. Sie berieten ihre 73 Millionen Versicherten zudem auch selbst tagtäglich in hoher Anzahl zu Fragen des Versicherungs-, Beitrags- und Leistungsrechts. Hansen forderte, als unabhängiges Beratungsangebot für alle müsse die UPD statt aus Beitrags- künftig aus Steuermitteln finanziert werden.

Quelle: dpa

E-Mail-Adresse vergessen? Schreiben Sie uns.
Passwort vergessen? Sie können es zurücksetzen.
Nur wenn Sie sich sicher sind.

Sie haben noch kein Passwort?

Gleich registrieren ...

Für Hausärzte, VERAH® und ÄiW (Allgemeinmedizin und Innere Medizin mit hausärztlichem Schwerpunkt) ist der Zugang immer kostenfrei.

Mitglieder der Landesverbände im Deutschen Hausärzteverband profitieren außerdem von zahlreichen Extras.


Persönliche Daten

Ihr Beruf

Legitimation

Die Registrierung steht exklusiv ausgewählten Fachkreisen zur Verfügung. Damit Ihr Zugang freigeschaltet werden kann, bitten wir Sie, sich entweder mittels Ihrer EFN zu legitimieren oder einen geeigneten Berufsnachweis hochzuladen.

Einen Berufsnachweis benötigen wir zur Prüfung, wenn Sie sich nicht mittels EFN autorisieren können oder wollen.
Mitglied im Hausärzteverband
Mitglieder erhalten Zugriff auf weitere Inhalte und Tools.
Wir verifizieren Ihre Mitgliedschaft anschließend.

Newsletter
Sie stimmen zu, dass wir Ihre E-Mail-Adresse für diesen Zweck an unseren Dienstleister Mailjet übermitteln dürfen. Den Newsletter können Sie jederzeit wieder abbestellen.

Das Kleingedruckte
Die Zustimmung ist notwendig. Sie können Sie jederzeit widerrufen, außerdem steht Ihnen das Recht zu, dass wir alle Ihre Daten löschen. Jedoch erlischt dann Ihr Zugang.

Auswahl
Alle der unten angegebenen Newsletter
Spicker, Checklisten und Medizin für die hausärztliche Praxis, berufspolitische News, Inhalt und E-Paper neuer HAUSARZT-Ausgaben, sowie Neues aus Wissenschaft und Organisation
Nachrichten aus der Industrie

Das Kleingedruckte
Die Zustimmung ist notwendig. Sie können Sie jederzeit widerrufen, außerdem steht Ihnen das Recht zu, dass wir alle Ihre Daten löschen. Jedoch erlischt dann Ihr Zugang.

Auswahl ändern/abbestellen

Wenn Sie für Ihr bestehendes Newsletter-Abo andere Themen auswählen oder den Newsletter abbestellen wollen, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an und wählen Sie die gewünschte Funktion. Wir senden Ihnen dann eine E-Mail zur Bestätigung.