CoronavirusKassenärzte sorgen mit Kritik an Bayerns Krisenmanagement für Ärger

KBV-Vorstandschef Andreas Gassen hat Bayerns Corona-Krisenmanagement massiv kritisiert: Bayerns Sonderweg sei "brandgefährlich". Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml wies die Kritik zurück.

KBV-Vorstandschef Andreas Gassen hat Bayerns Corona-Krisenmanagement massiv kritisiert: Bayerns Sonderweg sei "brandgefährlich". Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml wies die Kritik zurück.
Eine Maskentragepflicht soll es in Deutschland wegen der Corona-Krise derzeit nicht geben.© Dan Race - stock.adobe.com

München/Berlin. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat das Corona-Krisenmanagement der bayerischen Staatsregierung massiv kritisiert. Bayerns Sonderweg sei “brandgefährlich”, sagte der KBV-Vorstandschef Andreas Gassen am Mittwoch im “Frühstart” der RTL/ntv-Redaktion.

Er kritisierte konkret, dass einige Bundesländer – darunter Bayern, Sachsen und Schleswig-Holstein – die Verteilung der Schutzmaterialien vom Bund künftig selbst übernehmen wollten, statt dies wie zuvor den Kassenärztlichen Vereinigungen zu überlassen.

Heftige Kritik übte Gassen auch an den Plänen von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der KV die Zuständigkeit für die ärztliche Versorgung im Land zu entziehen. In Bayern kümmert sich im Zuge der Krise pro Landkreis oder kreisfreie Stadt ein sogenannter “Versorgungsarzt” um eine ausreichende ärztliche Versorgung.

Huml weist Kritik zurück

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) wies die Kritik als nicht nachvollziehbar und absolut unverständlich zurück. Der Einsatz der Versorgungsärzte sei richtig, da gegebenenfalls in der Krise medizinische Maßnahmen auch per Anordnung umgesetzt werden müssten.

“Dies kann zum Beispiel dann der Fall sein, wenn vor Ort keine Einigung über die Festlegung von Schwerpunktpraxen für die Untersuchung und Behandlung von Covid-19-Patienten möglich ist oder sich auf freiwilliger Basis nicht ausreichend Personal zum Betrieb von Schwerpunktpraxen, örtlichen Testzentren oder für die Aufrechterhaltung der ärztlichen Grundversorgung gewinnen lässt”, äußerte Huml.

Auch die Umstrukturierungen bei der Materialverteilung sei angemessen und Gassens Kritik auch inhaltlich falsch. “Richtig ist: Bei der Verteilung der beschafften Materialien und Gegenständen der persönlichen Schutzausrüstung werden auch künftig ambulant tätige Ärztinnen und Ärzte neben Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen vorrangig bedacht”, sagte sie. Am Anteil an den Materiallieferungen für niedergelassene Ärzte ändere sich dadurch nichts.

Landkreistag kritisiert Gassens Aussagen

Zur Versorgung von Corona-Patienten fordert die KV mehr Schutzausrüstung. Sechs von sieben Corona-Patienten würden ambulant in den Praxen behandelt, sagte Gassen. “Wenn diese sechs Patienten auch noch in die Krankenhäuser kommen, dann haben wir bald doch noch italienische Verhältnisse.”

Auch der Landkreistag kritisierte Gassens Aussagen scharf: “Die bayerischen Landkreise mussten seit Beginn der Krise immer wieder Aufgaben der KVB übernehmen, damit überhaupt etwas funktioniert und waren teilweise unerträglichen Situationen ausgesetzt”, sagte Verbandspräsident Christian Bernreiter (CSU).

Dazu gehöre etwa eine tagelange Nicht-Erreichbarkeit der Telefonnummer 116117. “Bis heute ist seitens der Kassenärztlichen Vereinigung nicht eine Maske bei unseren niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten angekommen.”

Derzeit keine Maskentragepflicht

Eine Maskentragepflicht soll es in Deutschland wegen der Corona-Krise derzeit nicht geben. Bund und Länder seien sich in dem Punkt einig gewesen, sagte Söder am Mittwoch in München nach einer Telefonkonferenz von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Regierungschefs der Länder.

Zwar seien Masken natürlich für jeden Einzelnen geeignet, um sich gegen die Ausbreitung des Virus zu präparieren, eine Pflicht solle aber nicht ausgerufen werden.

“Wichtig ist jetzt, die Schutzmasken mit höchster Qualität zu entwickeln und den Bedarf von den Krankenhäusern, bei den Ärzten, bei den Pflegerinnen und Pflegern entsprechend zu entwickeln”, sagte Söder. Die Beschaffung müsse weiter intensiviert werden.

“Wir werden am Ende übrigens auf Dauer eher Milliarden von Masken in Deutschland brauchen”, sagte Söder. Außerdem seien sich die Länder und der Bund einig, dass die Bettenkapazitäten deutlich erhöht werden müssten.

Pflegeheime besonders schützen

Bund und Länder haben die Notwendigkeit von Schutzvorkehrungen für Pflegeheime und Behinderteneinrichtungen unterstrichen. “Hier leben Menschen, die besonders anfällig für Infektionen sind, die müssen wir besonders schützen”, sagte Merkel am Mittwoch.

Alle Länder wollten Maßnahmen treffen, durch die sichergestellt werde, dass durch neue Personen im Pflegeheim nicht die Gefahr steige, dass jemand sich mit dem Virus infiziere. Merkel versicherte, es müssten auch mit Nachdruck mehr Schutzmasken besorgt werden.

Quelle: dpa/lby, dpa

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