TK-GesundheitsreportHohe Dunkelziffer bei Long-Covid wahrscheinlich

Wie sehr belasten Long- und Post-Covid das Deutsche Gesundheitssystem und was kann für die Patienten getan werden? Diesen Fragen hat sich die Techniker Krankenkasse gewidmet. Fazit: Die Datenlage ist schlecht, die Dunkelziffer hoch und Hausärzte sind Ansprechpartner Nummer eins.

Atemnot, Fatigue, Nervenschmerzen: die kleinste Tätigkeit kann für Long-Covid-Patienten eine riesige Belastung sein.

Berlin. Immer noch, so Dr. Christian Gogoll, ist die Bewältigung der Sprechstunde eine Herausforderung. Der Pneumologe und Intensivmediziner, der eine Beatmungs – und Intensivstation leitete, erkrankte Anfang 2021 an Corona. Vom leitenden Arzt wurde er schnell selbst zum beatmungsbedürftigen Patienten auf der Intensivstation.

Danach, so erklärte Gogoll bei der Pressekonferenz zum TK-Gesundheitsreport „Folgen von Covid-19 und Long-Covid auf den Krankenstand der Beschäftigten“, litt er rasch unter einer „ziemlich ausgeprägten Atemnot“, er habe sich nur mit einem „Schiebewägelchen“ fortbewegen können.

Das Sprechen fiel schwer, einfachste Aufgaben – wie etwa einkaufen gehen oder ein Buch lesen – bedeuteten große Mühen. Auch die Rehabilitation half nicht viel.

Bis Ende 2021 war Gogoll nicht belastbar, es stellte sich heraus, dass eine Myokarditis als Folgeerkrankung hinzugekommen war. Bis heute ist Gogoll nicht vollständig wiederhergestellt. Er arbeitet mittlerweile als angestellter Arzt in einem MVZ und ist in die Ausarbeitung einer Leitlinie für Long- und Post-Covid-Patienten involviert.

Grippe- und Erkältungswelle 2021 ausgeblieben

Etwa ein Prozent der Covid-Patienten haben später mit Long-/Post-Covid zu kämpfen, führte Dr. Thomas G. Grobe vom aQua-Institut Göttingen am Mittwoch, 6. Juli, aus (siehe auch Grafik: Wie häufig ist Long-Covid?).

Die Dunkelziffer liegt geschätzt bei etwa vier Prozent. Für den Report wurden Daten von TK-Versicherten im Alter von 15 bis 64 Jahren ausgewertet und analysiert, bei welchen Patienten 2020 eine Covid-19-Diagnose vorlag. Weiterhin wurde herausgefiltert, wer im Folgejahr 2021 mit der Diagnose „Post-Covid-19-Zustand“ arbeitsunfähig gemeldet war.

Auffällig bei Auswertung der Daten war insbesondere, dass bei Betrachtung der Krankentage über das Jahr 2021 die Grippe und Erkältungswelle ausgeblieben ist (siehe Grafik: Krankenstand Covid-19 2020 bis erstes Quartal 2022).

Betroffene sehr lange arbeitsunfähig

Die Omikron-Variante hat 2022 neue Rekordzahlen bei den Krankentagen ausgelöst. Inwieweit hier Long- oder Post-Covid noch folgen, ist derzeit nicht abschätzbar. Auch inwieweit hier die Impfungen eine Rolle spielen werden, ist bisher unbekannt.

Ein Prozent, sagt TK-Chef Dr. Jens Baas bei der Pressekonferenz, klinge erst einmal nicht „unglaublich beeindruckend“. Betrachtet man jedoch die Anzahl der Arbeitsunfähigkeitstage, sieht die Lage anders aus. Während TK-Versicherte im Schnitt 15 Tage im Jahr krank sind, sind es bei Post-Covid-Patienten im Schnitt 105 Tage.

Bei einer sehr schweren Erkrankung liegt die Zahl der Krankentage noch deutlich höher. So waren Long-Covid-Betroffene, die wegen ihrer Sars-CoV-2-infektion mehr als sieben Tage im Krankenhaus lagen, im darauffolgenden Jahr im Schnitt 168 Tage krankgeschrieben. Bei den Betroffenen, die im Krankenhaus beatmet werden mussten, waren es durchschnittlich 190 Tage.

Datenqualität miserabel – Politik gefordert

Großes Problem bei der Auswertung der Daten, so Baas weiter, sei ein bekanntes und oft kritisiertes: die schlechte Qualität der ambulanten Diagnosedaten im deutschen Gesundheitssystem. Bis Daten vorlägen und der Patient beim Arzt gewesen war, seien bereits neun Monate vergangen. So sei eine gute Versorgungsteuerung nicht möglich.

Ein zweites Problem: bei Long- bzw. Post-Covid können eine ganze Reihe von Symptomen vorliegen. Ob diese dann immer der Erkrankung zugeordnet würden, sei fraglich. Baas Forderung: „Wir brauchen engmaschigeres Monitoring.“ Dafür müsse die Politik sorgen.

Sein Appell an die Forschung: Das Thema muss besser erforscht werden, damit Behandlungsoptionen und Leitlinien vorhanden sind. Krankenkassen könnten daran arbeiten, qualitativ gute Daten zur Verfügung zu stellen.

App für Patienten mit Fatigue

Um ihre Versicherten zu unterstützen, stelle die TK eine App für Patienten mit Fatigue zur Verfügung. Die „Fimo Health-App“ soll Long-Covid-Betroffene mit Fatigue dabei unterstützen, ihre Symptome besser zu verstehen und einer möglichen Chronifizierung entgegenzuwirken

Baas Fazit: Selbst bei alle den Daten, die vorlägen, bleibe die Dunkelziffer sehr hoch. Das sei „umso trauriger“, nachdem bereits zwei Jahre Pandemie zurück lägen.

Hausärztinnen und Hausärzte mehr unterstützen

Gogolls Rat an Patienten mit Long-Covid: Wichtig sei, den Hausarzt als ersten Ansprechpartner aufzusuchen und nicht das Internet oder Selbsthilfegruppen zu bemühen. „Nur die Hausärztin oder der Hausarzt kann beurteilen, ob Long- bzw. Post-Covid oder eine andere schwere Erkrankung vorliegt“, erklärte Gogoll.

Und nur der Hausarzt könne vernünftig koordinieren und sagen, wo es weiter lang geht. Um alle Patienten gut zu versorgen, sei es außerdem wichtig, die Hausärzte zu unterstützten und dafür zu sorgen, dass ausreichend Kapazitäten – vor allen Dingen auch für die Diagnostik – vorhanden seien.

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