Mediziner am LimitWarnung vor der Überlastung

Lange Schichten, müde Ärzte, viele Kranke - die Arbeitsbedingungen für Ärzte haben sich in den letzten Jahren stetig verschlechtert, klagen Ärztevertreter.

Lange Schichten, müde Ärzte, viele Kranke - die Arbeitsbedingungen für Ärzte haben sich in den letzten Jahren stetig verschlechtert, klagen Ärztevertreter.
Lange Schichten, viele Patienten, wenig Kollegen - Belastung für Klinikärzte.© DC Studio stock.adobe.com

Stuttgart. Die Ärzte in den Krankenhäusern im Land sind nach Angaben des Marburger Bunds immer stärker überlastet. Die Arbeitsbedingungen in den Kliniken hätten sich in den vergangenen Jahren massiv verschlechtert, sagte der Landeschef der Gewerkschaft, Dr. Frank Reuther, am Mittwoch in Stuttgart. Dahinter stünde etwa der ökonomische Druck, die Verdopplung der Patientenzahlen im stationären Bereich und überlaufende Notaufnahmen. „Die Patienten spüren das natürlich auch“, sagte Reuther. Es sei nachvollziehbar, dass nach einer 24-Stunden-Schicht Fehler und Unfälle passierten.

Verstöße an der Tagesordnung

Der Marburger Bund setzt sich daher für eine striktere Einhaltung bestehender Arbeitszeitregelungen ein. Das mittlere Arbeitsvolumen darf 48 Stunden Arbeitszeit pro Woche nicht überschreiten. Soe sieht es das Arbeitszeitgesetz für ärztlichen Dienst in Krankenhäusern vor. Allerdings gibt es in nahezu jedem Tarifvertrag Klauseln, die signifikant mehr Arbeitsstunden ermöglichen. Doch selbst diese Mehrarbeitsregelungen reichen für die Kliniken nach Angabe des Marburger Bundes oft nicht aus, um die Arbeitslast abzudecken.

Der Marburger Bund erhalte täglich Anrufe von Krankenhausärzten wegen Verstößen gegen das Arbeitszeitgesetz, berichtete Reuther. Auf acht Stunden Vollarbeit darf demnach ein Arzt maximal 16 Stunden Bereitschaftsdienst pro Tag machen, davon muss er sich aber mindestens acht Stunden ausruhen. So die Theorie. „Uns ist klar, dass kein Arzt mitten in der Operation das Skalpell fallen lassen kann, wenn die maximale Arbeitszeit erreicht ist“, sagte er. Aber Arbeitszeitgesetz und Tarifverträge müssten eingehalten werden. Der Notfall dürfe nicht zur Regel werden. „Regelmäßige Verstöße sind leider an der Tagesordnung. Dies können wir so nicht länger hinnehmen“, sagte Reuther.

Verband setzt auf staatliche Kontrollen

Der Verband fordert regelmäßige und anlassunabhängige Kontrollen – nicht erst nach Anzeigen. Dafür wird eine Online-Petition gestartet. In einem halben Jahr will der Marburger Bund die Unterschriften Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) überreichen. Der Marburger Bund fordert außerdem mehr Stellen bei den Kontrollbehörden. Die Zuständigkeit für den Arbeitsschutz müsse zudem zurückwandern vom Wirtschafts- ins Sozialministerium, da das Arbeitszeitgesetz in erster Linie ein Arbeitnehmerschutzgesetz sei und dem Gesundheitsschutz der Mitarbeiter diene.

Doch nicht in allen Bundesländern ist die Arbeitsbelastung kritisch ausgeprägt. Die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft (BWKG) sieht die Lage anders. „Die statistischen Zahlen zeigen, dass sich die Belastung der Ärzte in den vergangenen Jahren deutlich reduziert hat“, betonte der BWKG-Vorstandsvorsitzende Detlef Piepenburg am Mittwoch. Zwischen 2007 und 2017 hätten nach den Zahlen des Statistischen Landesamts die Krankenhäuser im Land 5.700 zusätzliche Ärzte eingestellt. Im Jahr 2007 kamen auf einen Arzt rechnerisch knapp 123 Patienten – 2017 knapp 110. „Uns liegen von Seiten der Aufsichtsbehörden oder auch aus den Berichten unserer Mitglieder keine Informationen über zunehmende oder besonders gravierende Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz vor“, erklärte er.

 

Quelle: dpa/lsw

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