Bayerischer HausärztetagHausärzte drängen auf Reform der Approbationsordnung

Auf dem digitalen bayerischen Hausärztetag drängten die Hausärztinnen und Hausärzte erneut auf die zügige Novelle der Approbationsordnung. Zustimmung kam auch von Seiten des bayerischen Gesundheitsministers Klaus Holetschek. Vorgeschobene Scheinargumente gelte es jetzt zu entkräften.

Die Novelle der Approbationsordnung zugunsten der Allgemeinmedizin stockt. Hausärztinnen und Hausärzte sind sich einig, diese nicht mehr auf die lange Bank zu schieben.

München. „Die Corona-Pandemie, gerade beim Thema Impfungen, zeigt einmal mehr, wie wichtig Hausärztinnen und Hausärzte sind. Sie sind Kern der medizinischen Versorgung“, lauteten die Grußworte des bayerischen Gesundheitsministers Klaus Holetschek (CSU) zum Auftakt des bayerischen Hausärztetags am Samstag (24. April). Dieser fand aufgrund der Pandemie rein digital statt.

Gerade vor diesem Hintergrund gewinne das Thema Nachwuchsgewinnung an neuem Gewicht. Das betonten neben Holetschek im stark besetzten “Verbandstalk” auch Dr. Markus Beier, Vorstand des Bayerischen Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbands und Prof. Martin Scherer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), unisono. Sie forderten, die Reform der Approbationsordnung endlich umzusetzen.

Die hausärztliche Versorgung gilt es laut dem Minister unbedingt zu stärken. „Jede einzelne Hausärztin und jeder einzelne Hausarzt ist eine enge Vertrauensperson ihrer Patientinnen und Patienten. Nicht nur können diese den Impfstoff schnell und sicher an die Menschen bringen. Sie leisten überdies hinaus wichtige Aufklärungsarbeit in den Praxen“, betonte Holetschek.

„Nachwuchs ist zentral für die Sicherstellung hausärztlicher Versorgung“

Weiterhin betonte der Minister, wie wichtig jetzt Maßnahmen zur Nachwuchsgewinnung seien. Eine besondere Rolle dabei spiele der „Masterplan Medizinstudium“. Auch er hofft auf die zügige Reform der Approbationsordnung zur Stärkung der Allgemeinmedizin im Studium.

„Die Ziele sind die enge und frühzeitige Verzahnung von Theorie und Praxis, moderne und praxisnahe Prüfungsformen und die Auflösung von starren Fächergrenzen zugunsten einer Kompetenz- und Patienten-bezogenen Lehre“, erinnerte Holetschek.

Der Minister wies auch darauf hin, dass dies nicht unerhebliche Kosten mit sich bringe – einer der Knackpunkte, weshalb die Reform bislang stockt. „Das muss es uns aber wert sein“, meint Holetschek. Eine Blockade der Reform aus Kostengründen, wie sie oft von Hochschulseiten kommuniziert werde, sei nicht zielführend.

Was in der täglichen Versorgung wichtig sei, müsse jetzt endlich einen entsprechenden Stellenwert in der Ausbildung haben.

„Vorgeschobenen Scheinargumenten entgegentreten“

„Die Novelle der Approbationsordnung ist bisher ausreichend geprüft worden“, sagte Beier. Dennoch tobe um die Kosten ein erbitterter Streit.

„Die Kultus- und Wissenschaftsminister haben sich von den Ordinarien der Universitäten verrückt machen lassen. Diese gehen mit obskuren Kostenrechnungen gegen die Approbationsänderung vor – ein unglaublicher Vorgang. Das Unverständliche, ja fast Skurrile daran ist, dass gerade die Kultus- und Wissenschaftsminister ja eigentlich, gerade jetzt in Pandemiezeiten, im Blick haben sollten, wie wichtig der Nachwuchs für die hausärztliche Versorgung ist. Stattdessen treten sie auf die Bremse“, ermahnte Weigeldt.

Die Universitäten argumentierten wie folgt: Wenn in einen Bereich mehr Budget investiert werde, müsse dies natürlich aus anderen Fachbereichen abgezweigt werden. Seiner Ansicht nach sei das Ganze im Grunde ein „Geschachere um Budgets der einzelnen Bereiche“. Die Allgemeinmedizin sei seiner Ansicht nach dabei nicht einer von 147 Bereichen, sondern das zentrale Fach.

„6.500 Lehrpraxen in Deutschland warten auf Nachwuchs“

Nun sei das Bundesratsverfahren entscheidend, bei dem die einzelnen Bundesländer es in der Hand haben, ob die Novelle durchgeht. Auch Scherer pflichtete dem Hausärztechef bei. Der Medizinische Fakultätentag (MFT) habe die Kosten als viel zu hoch angesetzt und auch das Argument, es gäbe nicht genügend Lehrpraxen, sei völliger Unsinn. 6.500 akkredidierte Lehrpraxen in Deutschland sprächen eine klare Sprache.

Zudem leisteten die immer zahlreicher werdenden Lehrstühle für Allgemeinmedizin in Deutschland einen wertvollen Beitrag zu mehr Anerkennung des Fachs. Zur Entkräftung der Scheinargumente habe die DEGAM bereits eine Handreichung verfasst.

Auch der Hausärztechef begrüßte die bisherige Entwicklung, der Flickenteppich der Allgemeinmedizin in den Universitäten werde langsam durch gute Zusammenarbeit aufgefüllt. Für Euphorie fehle es aber immer noch an finanzieller und personeller Ausstattung für die Lehrstühle. Erst dann sei der Fachbereich auch interessant für die Studierenden. Die Begeisterung für das Fach Allgemeinmedizin entstehe in den meisten Fällen bereits dann, wenn die Studierenden es kennenlernen – etwa in den Lehrpraxen.

„Akademisierung der medizinischen Ausbildungsberufe voranbringen“

Beier sieht es zudem als problematisch an, dass zunehmend „physician assistants“ in Bereiche drängten, in denen er vielmehr Versorgungsassistenzen in der Hausarztpraxis (VERAH) sähe. Deshalb arbeite der Verband auf die Akademisierung einiger medizinischer Berufsbilder hin.

„Grundsätzlich befürworten und brauchen wir ja die Akademisierung. Ein System zu erfinden, was zusätzlich Schnittstellen schafft und die Verantwortungsklärung und die Versorgung verkompliziert, sowie das Aufbauen von neuen Versorgungssträngen führt zu völliger Fragmentierung von Verantwortungen“, betonte Beier.

Corona-Bonus für MFA gefordert

Um das Engagement der VERAH in der Pandemie anzuerkennen, forderte der bayerische Hausärztechef im “Verbandstalk” einmal mehr einen Corona-Bonus für Medizinische Fachangestellte (MFA) analog zu den Prämienzahlungen für Klinikkräfte.

Während ihrer Frühjahrstagung hatten auch die Delegierten des Deutschen Hausärzteverbands diese Forderung jüngst in einem Beschluss festgehalten. 

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