Deutscher HausärztetagHausärzte gegen “Kontroll-Mentalität”

Hausärztinnen und Hausärzte haben gerade zu Beginn der Corona-Pandemie einen Großteil der Patientenversorgung getragen, und sie werden dies auch im Herbst und Winter tun. Essenziell für ihre Arbeit sind die (politischen) Rahmenbedingungen. Der Deutsche Hausärztetag hat dafür klare Forderungen in Beschlüsse gegossen.

Hausärztinnen und Hausärzte haben gerade zu Beginn der Corona-Pandemie einen Großteil der Patientenversorgung getragen, und sie werden dies auch im Herbst und Winter tun. Essenziell für ihre Arbeit sind die (politischen) Rahmenbedingungen. Der Deutsche Hausärztetag hat dafür klare Forderungen in Beschlüsse gegossen.
Großzügig bestuhlte Räume, Tragen von Mund-Nasen-Schutz, ausreichend Abstand zu Sitznachbarn: Der Deutsche Hausärztetag samt Delegiertenversammlung in Berlin hat in diesem Jahr unter besonderen Bedingungen stattgefunden. Nichtsdestotrotz: Raum für Gespräche zu haben, war wohl wichtiger denn je.© GEORG LOPATA

Ganz gleich, ob in der Patientenversorgung während der Pandemie oder bei der Anbindung an die Telematikinfrastruktur (TI): Hausärztinnen und Hausärzte sehen sich in ihrem Praxisalltag zunehmend einer “Kontrollettimentalität” ausgesetzt. Das hat Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverandes, in seinem Bericht zur Lage anlässlich des 41. Deutschen Hausärztetags kritisiert. Im September fand dieser unter strengen Hygienevorgaben in Berlin sowie mit online zugeschalteten Delegierten statt.

Gleichzeitig steige die bürokratische Last aufgrund kurzfristiger, teils nur regional ausgerufener Regelungen, wie die insgesamt 120 Delegierten unterstrichen. “Unter dem Vorwand der Versorgungsverbesserung greifen Politik und Kassen immer wieder in unseren freien Beruf ein”, fasste Weigeldt zusammen. Als Verband müsse man auch in Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) und Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) darauf hinarbeiten, sich “nicht zu ergeben, sondern die ärztliche Position zu verteidigen”.

Gerade die Corona-Pandemie habe dabei gezeigt, wie wichtig und anpassungsfähig die hausärztlichen Praxen seien, bilanzierte Weigeldt: Trotz immenser Herausforderungen – etwa der lang anhaltende Mangel an Schutzmaterial – “wurden Maßnahmen getroffen, ältere und gefährdetere Kollegen sowie Patienten zu schützen, wohlgemerkt, ohne dass es Vorschriften oder gar Gesetze dazu bedurft hätte!”

Dass die Hausärzte den Großteil der Versorgung stemmten, unterstrich in der Delegiertenversammlung der Vorsitzende der KV Sachsen-Anhalt, Dr. Burkhard John. Seinen präsentierten Zahlen zufolge haben die Hausärzte in dem Bundesland in den beiden ersten Quartalen rund 80 Prozent des Gesamtvolumens der über die “Corona-Ziffer” GOP 88240 abzurechnenden Leistungen erbracht.

Telefon-AU dauerhaft ermöglichen!

Anstatt die immense Leistung der hausärztlichen Praxen anzuerkennen – auch durch einen Bonus für Medizinische Fachangestellte (MFA) analog zu jenem für Pflegekräfte in Kliniken – würden immer neue Steine in den Weg gelegt, kritisierten die Delegierten.

So müssen Ärztinnen und Ärzte künftig etwa zusätzlich damit rechnen, dass der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) zeitlich und regional begrenzte Sonderregeln kurzfristig in Kraft setzt, wie das Gremium parallel zum Hausärztetag mitteilte. In besonders von der Pandemie betroffenen Gebieten können beispielsweise Folgeverordnungen nach telefonischer Anamnese oder telefonische Krankschreibungen wieder möglich gemacht werden.

Weigeldt kritisierte den Beschluss als “bürokratischen Wahnsinn”. Es sei praxisfremd zu glauben, dass Ärzte jeden Tag verfolgen könnten, ob sie in ihrer Region heute eine Telefon-AU ausstellen dürften oder nicht.

Vielmehr ist aus Sicht des Hausärzteverbandes gerade die dauerhafte Ermöglichung der Telefon-AU ein wichtiger Baustein mit Blick auf die Versorgung von Infektpatienten im Herbst und Winter, insbesondere zum Schutz chronisch erkrankter Patientinnen und Patienten. Die Delegierten unterstrichen dies durch einen entsprechenden Beschluss.

Grippe-Impfung ohne Regress-Angst

Darüber hinaus stieß Weigeldt am Rande des Hausärztetags eine breiter angelegte Grippe-Impfung an. Zwar seien die Empfehlungen der STIKO – diese hatte zuletzt für eine weitere Konzentration rein auf Risikogruppen plädiert (Hausarzt 14/20) – eine wichtige Leitlinie für die Ärztinnen und Ärzte, jedoch müsse man sich zum Schutz der Risikopatienten, die sich nicht impfen lassen können oder wollen, gleichzeitig auch um eine breitere Durchimpfung bemühen. Wichtig sei dabei, dass ausreichend Impfdosen zur Verfügung stünden.

Darüber hinaus dürfe Ärzten kein Regress drohen, wenn bestellte Impfdosen am Ende der Saison nicht verimpft worden seien. Das Ende April verabschiedete “Zweite Pandemie-Gesetz” sieht bereits vor, dass Ärzte in der Saison 2020/21 ohne Regress-Risiko bis zu 30 Prozent mehr an Grippe-Impfstoffen bevorraten können als im Vorjahr.

Gegen Telematik-Sanktionen

Eine Rückbesinnung auf die Freiberuflichkeit fordert Weigeldt unterdessen auch mit Blick auf den “allgemeinen Digitalisierungswahn, der an vielen Stellen nichts mehr mit einer sinnvollen und nachhaltigen Digitalisierung zu tun hat”.

Diesem dürfte man sich nicht einfach hingeben, so Weigeldt. Die vorgesehenen Sanktionen, etwa bei Nicht-Anschluss an die TI, weist er deutlich zurück. “Es ist dreist, wenn, angesichts der vielen Pannen und Ungereimtheiten, im Gesetz allein klar formuliert wird, was wir zu erwarten haben, wenn wir nicht sofort zu 100 Prozent alle technischen Anforderungen erfüllen können und wollen.”

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