Hausbesuche Ärzte schlagen Alarm

Gerade ältere Patienten sind oft darauf angewiesen, dass ihr Hausarzt auch zu ihnen nach Hause kommt. Nun warnen Ärztevertreter, dass die Hausbesuche als Versorgungsleistung in Gefahr sind. Was es braucht: eine deutlich bessere Vergütung und eine Entbudgetierung der Besuche.

Gerade ältere Patienten sind oft darauf angewiesen, dass ihr Hausarzt auch zu ihnen nach Hause kommt. Nun warnen Ärztevertreter, dass die Hausbesuche als Versorgungsleistung in Gefahr sind. Was es braucht: eine deutlich bessere Vergütung und eine Entbudgetierung der Besuche.
Ärztin auf Hausbesuch: Die Kassenärztliche Bundesvereinigung warnt nun vor einem Sterben der Hausbesuche - wenn sich an der Vergütung nichts ändert.© Gina Sanders / fotolia.com

Berlin. Die Kassenärzte dringen auf spürbar mehr Geld für Hausbesuche, um das Angebot wirtschaftlich aufrechterhalten zu können. „Wenn wir die Vergütung für Hausbesuche nicht deutlich anheben, werden sie perspektivisch nicht mehr stattfinden können“, sagte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, der Deutschen Presse-Agentur. „Das Versorgungsproblem zeichnet sich schon am Horizont ab.“ Bisher habe in Verhandlungen mit dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) keine Verbesserung erreicht werden können. „Da bleiben wir dran.“

Hausbesuche würden derzeit mit etwa 23 Euro vergütet, erläuterte der KBV-Chef. „Plus Fahrpauschale reden wir von einer Größenordnung von 25 Euro.“ Mit An- und Abfahrt und Parkplatzsuche sei dafür in einer Stadt wie Berlin schnell eine Stunde vorbei. „Wenn der Klempner kommt, nimmt er schon teilweise 45 Euro für die Anfahrt. Da hat er die Tasche noch nicht mal ausgepackt.“

Auch für den Deutschen Hausärzteverband ist die Aufwertung von Hausbesuchen überfällig. „Dazu gehören sowohl eine deutlich bessere Vergütung als auch eine Entbudgetierung dieser Leistung“, fordert der Bundesvorsitzende Ulrich Weigeldt.

Eine bundesweite Umfrage von „Der Hausarzt“ zeigt, basierend auf Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV), dass Hausärzte von der Problematik in besonderem Maße betroffen sind: Sie stemmen durchschnittlich 82 Prozent ­aller Besuche; Fachärzte übernehmen nur knapp ein Fünftel.

Kassen kontern KBV-Rechnung

Der GKV-Spitzenverband erklärte jedoch, mit den 23 Euro habe die KBV leider nur den Zuschlag für einen Hausbesuch genannt, die Vergütung der eigentlichen ärztlichen Leistung aber vergessen. Hinzu kämen noch die normale Versichertenpauschale und beispielsweise extra Geld für ein Arzt-Patienten-Gespräch, sagte Sprecher Florian Lanz der dpa. Damit bekomme ein Arzt für einen Hausbesuch am Tag 86 Euro, nach 19.00 Uhr wären es 112 Euro, nachts 131 Euro. Dazu komme eine Wegepauschale. Da Ärzte in der Regel pro Stunde mehrere Hausbesuche machten, läge ein fiktives Stundenhonorar noch höher.

Die 86 Euro beziehen sich nach GKV-Angaben auf den ersten Besuch eines Arztes bei einem Patienten über 75 Jahre im Quartal, bei dem es auch ein Arzt-Patienten-Gespräch gibt. 79 Prozent der normalen Hausbesuche führen demnach zu Patienten über 75 Jahre.

Kassenärzte-Chef Gassen sagte, problematisch sei, dass ein Arzt in der Zeit von Hausbesuchen seine Praxis zumachen müsse. „Er ist ja unterwegs. Aber die Kosten laufen weiter.“ Viele machten Hausbesuche deswegen am Mittwochnachmittag oder abends. Leidtragende der Situation seien „die Kollegen, die ihre Patienten nicht im Stich lassen wollen – und die Patienten, die keine Ärzte mehr finden, die wirtschaftlich darstellbar Hausbesuche machen“. Um eine „unsanfte Landung“ zu vermeiden, gelte es zügig etwas zu tun.

Sinkende Zahlen sind nur die halbe Wahrheit

Bereits im vergangenen Jahr sorgten die Hausbesuche für Ärger in der Gesundheitspolitik: So ging aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Linken von Juni 2018 hervor, dass die Zahl der Hausbesuche in den vergangenen Jahren deutlich gesunken sei: Gab es 2009 noch 30,3 Millionen Hausarzt-Visiten bei Patienten und 2010 rund 27 Millionen, waren es 2016 demnach nur 25,2 Millionen.

Eine Recherche von „Der Hausarzt“ zeigte jedoch, dass dies die Versorgungsrealität nicht umfassend widerspiegelte. So verschieben vielfältige Effekte, etwa ein Anstieg in der Zahl delegierter ärztlicher Leistungen oder in der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) erbrachter Hausbesuche, Zahlen in großen Teilen in andere Abrechnungsbereiche. Zur gesamten Recherche. 

 

Mit Material von dpa

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