Corona-ImpfungEMA empfiehlt Astrazeneca-Impfstoff weiter

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) sieht in seltenen Fällen von Blutgerinnseln zwar eine Nebenwirkung des Astrazeneca-Impfstoffs. Trotzdem empfiehlt sie das Präparat weiter uneingeschränkt. Unterdessen werden nun auch Thrombose-Fälle nach einer Johnson&Johnson-Impfung geprüft.

EMA-Hauptsitz (Archivbild, London).

Die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) prüft Fälle von Thrombosen nach einer Corona-Impfung mit dem Vakzin des Herstellers Johnson & Johnson. Vier ernsthafte Fälle von Blutgerinnseln seien nach einer Impfung aufgetreten, teilte die EMA am Freitag (9. April) in Amsterdam mit. Eine Person sei gestorben. Einer der Verdachtsfälle sei während der klinischen Studien aufgetreten. Die Behörde betonte, dass ein Zusammenhang mit dem Impfstoff des US-Herstellers noch nicht festgestellt worden sei.

Erst am Mittwoch (7. April) hatte die EMA bei einer erneuten Prüfung von seltenen Thrombose-Fällen nach der Impfung mit dem Präparat von Astrazeneca festgestellt, dass es einen Zusammenhang gebe. Die Überprüfungen durch Experten in der EU und Großbritannien hatten dabei überraschende Ergebnisse erbracht: Während die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) zwar feststellte, dass es sich um Nebenwirkungen des Vakzins handelt, nahm sie keine Änderung an ihrer uneingeschränkten Empfehlung für den Impfstoff vor.

Die britische Impfkommission JCVI  (Joint Committee on Vaccination and Immunisation) wollte sich hingegen nicht festlegen, was die Ursache der Blutgerinnsel ist. Sie passte aber ihre Empfehlung für Menschen unter 30 Jahren an, die nun ein anderes Vakzin verabreicht bekommen sollen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO sprach sich am Mittwochabend wie die EMA für die weitere Verwendung des Impfstoffs aus.

Wohl keine Auswirkungen für Deutschland

In Deutschland hat die EMA-Empfehlung voraussichtlich keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Entscheidung der ständigen Impfkommission (STIKO), die den Astrazeneca-Impfstoff zuletzt für Menschen ab 60 Jahren empfohlen hatte. Was die EMA gemacht habe, könne man mit Sicherheit rechtfertigen, sagte STIKO-Mitglied Prof. Christian Bogdan. “Aber das, was die STIKO gemacht hat, kann man sicherlich genauso rechtfertigen.”

Belgien will zunächst nur noch Personen über 55 Jahren mit dem Präparat impfen, wie die Gesundheitsminister des Landes nach Angaben mehrerer Medien am Mittwoch entschieden.

Kosten-Nutzen-Abwägung spreche für den Impfstoff

Die Experten der EMA stellten einen Zusammenhang zwischen Impfstoff und Thrombosen fest, wenn gleichzeitig eine sehr geringe Zahl von Blutplättchen vorhanden war. Dies trete allerdings sehr selten auf. Die Behörde hält damit weiterhin an ihrer Bewertung des Präparates fest. “Der Nutzen des Wirkstoffes bei der Bekämpfung von Covid-19 ist deutlich höher zu bewerten als die Risiken”, sagte EMA-Chefin Emer Cooke am Mittwoch in Amsterdam.

Auch die WHO betonte den Kosten-Nutzen-Faktor bei der Verwendung des Impfstoffs. Bei weltweit inzwischen 200 Millionen mit Astrazeneca geimpften Menschen seien die problematischen Vorfälle sehr selten. Demgegenüber seien inzwischen 2,6 Millionen Menschen im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben.

Die Häufigkeit gemeldeter Zwischenfälle mit Blutgerinnseln im Gehirn gaben die EMA-Experten am Mittwoch mit ungefähr 1 je 100.000 an. Es hänge sehr davon ab, wie gut die Meldesysteme seien. So liege der Wert in Deutschland bei 1 zu 100.000, in Großbritannien jedoch deutlich niedriger.

Quelle: dpa

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