Minimierung von NebenwirkungenNeue Wege, systemische Steroide zu sparen

Systemische Steroide bleiben bei manchen entzündlichen Systemerkrankungen unverzichtbar. Doch wann genau ist das der Fall? Eine Allgemeinmedizinerin spricht über Konflikte im Praxisalltag.

Histopathologie mit Nachweis zahlreicher mehrkerniger Riesenzellen in der Gefäßwand einer betroffenen Hirnarterie. Elastikafärbung.

Osteoporose, Hypertonie, ein vierfach erhöhtes Diabetesrisiko, gastrointestinale Nebeneffekte, Katarakt: Die Probleme einer längeren systemischen Steroidexposition sind bekannt. Aber auch eine kürzere Exposition von weniger als 30 Tagen geht mit einem erhöhten Risiko etwa für Infektionen, Thromboembolien und Frakturen einher. Daran erinnerte Dr. Florence Vallelian aus Zürich beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) Anfang Mai [1].

Steroide ausschleichen

Dabei gibt es immer Erkrankungen, in denen diese Substanzen unverzichtbar sind. Beim DGIM-Symposium der Schweizerischen Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin (SGAIM) nannte Vallelian als ein Beispiel die Riesenzellarteriitis: Ist das Sehvermögen von Patienten intakt, starte die Therapie mit 1 mg/kg Prednison. Die Riesenzellarteriitis weist ein hohes Rezidivrisiko auf. Bis die Steroiddosis auf 7,5 mg reduziert werden könne, vergehen mehrere Monate, im Median mehr als ein halbes Jahr. Fast 90 Prozent der Patienten entwickelten in dieser Zeit relevante Steroidnebenwirkungen.

Welche Alternativen gibt es?

Eine Kombination der Steroide mit Immunsuppressiva wie Methotrexat hat laut Vallelian weder die akute Wirkung noch den Schutz vor Rezidiven verbessert und ermöglicht auch kaum, Steroide zu sparen. Als bessere Alternative habe sich nach ihrer Erfahrung inzwischen eine Kombination mit dem Anti-IL6-Antikörper Tocilizumab erwiesen, entweder einmal wöchentlich oder alle zwei Wochen subkutan gespritzt. Bei Ausschleichen des Steroids über 26 Wochen blieben etwa 70 bis 80 Prozent der Patienten unter Tocilizumab rezidivfrei, in der Placebogruppe jeder Vierte (25 Prozent).

Auch bei schwerem Asthma bronchiale, das mit maximaler inhalativer LABA/ICS-Therapie nicht gut kontrolliert ist, gibt es heute Alternativen zu systemischen Steroiden, die zumindest für einen kleinen Teil der Patienten infrage kommen. Dies sind der Anti-IgE-Antikörper bei Patienten mit schwerem allergischem Asthma und die Anti-IL5-Antikörper Mepolizumab, Reslizumab und Benralizumab bei schwerem eosinophilen Asthma. Auch mit diesen Substanzen ließen sich bei geeigneten Patienten systemische Steroide einsparen, meinte Vallelian. Aus diesem Grund empfiehlt auch die Nationale Versorgungsleitlinie Asthma monoklonale Antikörper – allerdings erst in der letzten Therapiestufe 5 [2].

Quellen: 1. Vallelian F., Brauchen wir noch Steroide in der Therapie der entzündlichen Systemerkrankungen?, Symposium “Multimorbidität: Therapeutische Konflikte aus dem Praxisalltag” der Schweizerischen Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin (SGAIM), DGIM, 4.5.2019

2. Nationale Versorgungsleitlinie Asthma, 3. Aufl. 2018, Version 1, AWMF-Nr. nvl-002

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