Hausarzt MedizinRaucherentwöhnung unterstützen

Raucher bezahlen für Zigaretten Jahre lang viel Geld und am Ende sogar mit ihrem Leben. Die Forschung lässt keinen Zweifel daran, weshalb es Rauchern so schwerfällt, von der Zigarette zu lassen: Nicht weil sie willens­ schwach wären, sondern weil das Nikotin den eigenen Willen untergräbt [1].

Nikotin ist ein ungewöhnliches Gift. In der Natur kommt das Alkaloid nur in der Tabakpflanze vor und ist in etwa gleichen Dosen wirksam wie Blausäure (HCN). Mit dem inhalierten Rauch einer Zigarette gelangen etwa 1 bis 2 mg Nikotin ins Blut. Bereits wenige Sekunden nach einem Zug aus der Zigarette durchflutet das Nikotin den menschlichen Körper und dockt an spezifische Rezeptoren an:

Nikotin wirkt über die Stimulation von nikotinergen Acetylcholinrezeptoren (nAChR). Seine Wirkungen entfaltet es hierbei vor allem über die Freisetzung von Botenstoffen im ZNS. Bei diesen spielen Dopamin, Noradrenalin und 5-Hydroxytryptamin eine besondere Rolle. Das beim Rauchen aufgenommene Nikotin beeinflusst auf diese Weise nicht nur zahlreiche physiologische Prozesse im Kör-per, sondern kann innerhalb kürzester Zeit abhängig machen.

Raucherentwöhnung: Wozu der Aufwand?

Der Zigarettenkonsum fordert weltweit jedes Jahr mehrere Millionen Tote. Allein in Deutschland sterben jährlich rund 120.000 Menschen an den Folgen des Rauchens, davon jährlich etwa 40.000 Menschen allein an Lungenkrebs [2]. Es konnte gezeigt werden, dass der Tabakkonsum in den USA und in vielen EU-Ländern zu weit mehr Todesfällen führt als jedes andere Risiko [3, 4]. Schätzungsweise jeder zweite Raucher, der es nicht schafft, von seiner Sucht zu lassen, stirbt eines vorzeitigen Todes. Außerdem wird vermutet, dass etwa 30 Pro­zent aller Krebskrankheiten weltweit auf das Rauchen zurückzuführen sind [5]. Rau­chen erhöht aber nicht nur das Lungen­krebsrisiko um das 10­ bis 20­Fache, sondern auch das Risiko, an Tumoren

  • des Mund­ und Rachenraums,

  • der Speiseröhre und des Magens,

  • des Pankreas und der Leber,

  • der Nieren, der Harnleiter und der Harnblase sowie

  • an akuter Leukämie zu erkranken.

Tabakrauchen zählt somit zu den am häu­figsten vermeidbaren und ausschließlich verhaltensbedingten Todesursachen [6]. Es gibt demzufolge unzählige gute Gründe für uns Ärzte, eine Sprechstunde für Raucher einzurichten, den Rauchstatus der Patienten zu erheben und Raucher immer darin zu be­stärken, mit dem Rauchen aufzuhören.

Strukturiertes Vorgehen

Wie jede Therapie erfordert auch die Behandlung der Nikotinabhängigkeit eine strukturierte Handlungsweise. Zuallererst müssen Diagnose, Motivation und therapeutisches Vorgehen sorgfältig abgeklärt werden:

  • Ermittlung der Anzahl an Packungsjahren. Ein Packungsjahr bedeutet: 1 Jahr lang 1 Schachtel Zigaretten täglich oder 1/2 Jahr 2 Schachteln Zigaretten täglich.

  • Ermittlung der bisherigen Erfahrung des Rauchers mit Entwöhnungsmaßnahmen.

  • Ermittlung des Tageskonsums und Be­stimmung des Rauchverhaltens (kommt es beispielsweise aufgrund des Nikotin­verlangens zu nächtlichen Schlafunterbre­chungen?).

  • Für die Bewertung der Nikotinabhängig­keit wird der Fagerström-Test eingesetzt, das gebräuchlichste Testinstrument, mit dem sich die Schwere der Nikotinabhän­gigkeit quantifzieren lässt.

  • Um den Patienten ihre aktuelle Situa­tion individuell vor Augen zu führen, set­ze ich in meiner Praxis den Kohlenmonoxid-Atemtest ein. Dieses nicht invasive CO­Messgerät ist sehr einfach zu handha­ben und erlaubt eine Aussage darüber, wie stark jemand raucht.

  • Lungenfunktionsdiagnostik, EKG/Belas­ tungs­EKG etc.

Nach den Leitlinien der Agency for Health­ care Research and Quality (AHRQ) sollten die fünf „A“ bei der Betreuung von Rauchern standardmäßig berücksichtigt werden [7]:

  • Ask (Abfragen des Raucherstatus),

  • Advice (Anraten des Rauchverzichts),

  • Assess (Beurteilung der Motivation zum Rauchverzicht),

  • Assist (Hilfestellung beim Rauchverzicht),

  • Arrange (Nachbetreuung des ehemaligen Rauchers). Um die Abhängigkeit von der Zigarette zu überwinden, sind zwei Voraussetzungen unentbehrlich: die persönliche Motivation und die Orientierung über mögliche Wege und Abzweigungen. Nichts ist für Ihre rauchenden Patienten so wertvoll wie ein kluger ärztlicher Rat zur rechten Zeit.

Unterstützende Maßnahmen

Zur Unterstützung der Raucherentwöhnung eignet sich die Akupunktur sehr gut. Sie beruht auf verschiedenen Variablen und erfordert umfassende Kenntnisse in der Auswahl der richtigen Akupunkturpunkte und ih-rer Kombinationen – abgesehen davon, dass auch die korrekte Nadeltechnik beherrscht werden muss. Hierbei erfolgt eine Kombination aus Körperakupunktur nach Kriterien der TCM und Ohrakupunktur.

Die naturheilkundliche Ordnungstherapie kombiniert mehrere gesundheitsfördernde Naturheilverfahren und ist vor allem wegen ihrer besonderen Motivationskraft für die Raucherentwöhnung besonders vielversprechend. Die naturheilkundliche Ordnungstherapie zielt vorwiegend auf eine Verhaltensänderung hin. Durch aktives Einüben von neuem Verhalten und Bewusstwerden von Zusammenhängen soll gewohntes Verhalten modifiziert werden. Sie ermöglicht eine schrittweise Reduktion der verstärkenden Stimuli. Zur Unterstützung der Tabakentwöhnung und vor allem zur Linderung der Entzugssymptomatik können auch homöopathische Arzneien und Phytotherapeutika eingesetzt werden.

Entzugserscheinungen sind individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt und bieten einen guten Ansatz für Homöopathie und Pflanzenheilkunde. Die homöopathischen Arzneien setzen einen gezielten Impuls, um die gestörte Balance im Organismus wiederherzustellen und um das Therapieergebnis bei der Nikotinentwöhnung insgesamt zu verbessern. Die Homöopathie kann auch mit anderen Therapien – Ordnungstherapie, Verhaltenstherapie und Akupunktur – problemlos kombiniert werden. Die zugelassenen Phytotherapeutika haben ein sehr breites therapeutisches und pharmakologisches Wirkungsprofil und können sowohl das individuelle Befinden als auch spezifische Krankheitssymptome beeinflussen.

Pflanzliche Sedativa wirken beruhigend auf nervöse Unruhe- und Erregungszustände, und ätherische Öle in Form von Lutschpastillen oder Kautabletten verändern den Geschmack der Zigarette und des Rauchs beim Inhalieren. Entspannungsmethoden eignen sich bei der Rauchertherapie ebenfalls als ergänzende Maßnahme zur Bewältigung der Entzugserscheinungen und Stressreaktionen. Auch Hypnose, Yoga, Tai Chi und andere Entspannungs- und Atemtechniken können als Unterstützungsmaßnahmen herangezogen werden.

Eine einfache Regel

Zur Vermeidung von etwa 30 Prozent aller Krebserkrankungen genügt eine einfache Regel: Nicht mit dem Rauchen anzufangen bzw. wenn bereits geraucht wird, sofort damit aufzuhören. Wenn nicht geraucht würde, könnten viel mehr Krebstodesfälle vermieden werden als dies durch die onkologische Therapie unserer modernen Medizin jemals möglich sein wird.

Buchtipp:

Der Kompass durch den „Naturheilkunde-Dschungel“ Für niedergelassene Ärzte, die das Leistungsspektrum ihrer Praxis erweitern und Komplementärmedizin als unterstützende Komponente anbieten möchten, stellen sich zahlreiche Fragen. Welche Verfahren sind für mich und meine Praxis geeignet? Wie kann ich die Zusatzangebote in den Praxisalltag integrieren? Wie rechne ich die Leistungen ab? Welche Zusatzbezeichnungen kann oder muss ich erwerben?

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Der Autor ist niedergelassener Arzt. Er verfügt über langjährige Erfahrung in der Komplementärmedizin, kennt die Chancen, aber auch die Fallstricke und überzeugt durch die anschauliche und besonders praxisnahe Darstellung.

  • Matthias Frank, Komplementärmedizin in der Arztpraxis

  • Akupunktur, Homöopathie und Naturheilverfahren erfolgreich anwenden

  • Zertifiziert von der Stiftung Gesundheit, Schattauer 2015, 277 Seiten, 13 Abb., 18 Tab., ISBN: 978-3794530793, 34,99 Euro

Literatur

  • 1 Mukherjee S. Der König aller Krankheiten. Krebs – eine Biografie. Köln: DuMont 2012.

  • 2 Peto R, Lopez AD, Boreham J, Thun M. Mortality from smoking in developed countries 1950–2010. University Press Oxford, Oxford 2004.

  • 3 McGinnis JM, Foege WH. Actual causes of death in the United States. JAMA 1993; 270: ?2207–2212.

  • 4 Bartecci CT, MacKenzie TD, Schrier RW. The global tobacco epidemic. Scientific American ?Magazin 1995; May, pp 26–33.

  • 5 Doll R, Peto R. The causes of cancer: quantitative estimates of avoidable risks of cancer in the United States today. J Natl Cancer Inst 1981; 66: 1191–308.

  • 6 John U, Hanke M. [Tobacco smoking attributable mortality in Germany.] Tabakrauch- attributable Mortalität in den deutschen Bundesländern. Gesundheitswesen 2001; 63: 363–369.

  • 7 US Department of Health and Human Services. Clinical practice guideline: Treating to- bacco use and dependence. Publication No. 00-0032, 2000.

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