Hausarzt MedizinProbate Phyto-Dermatika

Phyto-Dermatika sind heute etwas in Vergessenheit geraten. Zu Unrecht. Denn sie haben ein breites Wirkspektrum, das auch in mikrobiologischen und klinischen Studien gut abgesichert ist. Es lohnt sich, bei verschiedenen Hauterkrankungen auch mal auf ein pflanzliches Mittel zu setzen.

Akne, Ekzeme, Warzen, Pruritus, Hyperhidrosis – von Hauterkrankungen sind viele Menschen betroffen. Allein für den chronischen Pruritus etwa haben neue Studien eine Punktprävalenz von etwa 13,5 Prozent der Allgemeinbevölkerung errechnet. In der Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft wird eine Inzidenz von etwa 7 Prozent in einem Jahr angegeben. Besonders häufig ist auch die Akne, vor allem bei Jugendlichen. Bei 16- bis 20-Jährigen wird in der S2k-Leitlinie je nach Studie von einer Prävalenz von fast 25 Prozent, 82 Prozent oder sogar 95 Prozent berichtet. Bei bis zu 20 Prozent der Patienten persistiert die Akne über das Jugendlichenalter hinaus. Gerade Aknepusteln, aber auch andere Hauterkrankungen, vor allem wenn sie sichtbar sind, können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

In der Behandlung gegen Hautleiden haben Phytotherapeutika traditionsgemäß einen großen Stellenwert. Dennoch haben sie derzeit nur eine untergeordnete Rolle in der Therapie. Das ist sicher nicht gerechtfertigt. Immerhin ist die moderne Phytotherapie Teil der naturwissenschaftlich begründeten Schulmedizin.

Standardisierte Phytopharmaka können bei leichten oder chronischen Beschwerden oft als alleinige Behandlung eingesetzt werden oder eine chemischsynthetische Therapie rational ergänzen. Doch die Patienten sollten darüber aufgeklärt werden, dass Phytopharmaka Zeit brauchen. Eine Sofortwirkung ist meist nicht zu erwarten. Nebenwirkungen sind extrem selten. Zu bedenken sind mögliche Kreuzreaktionen. Wenige Fragen führen zu einem passenden Phyto, bei Hautleiden sind das meist topische Mittel.

Leidet ein Patient an Acne vulgaris und hat er die typischen Komedonen, Pusteln und Papeln?

Wissenschaftlich gut untersucht ist ein ethanolisch-wässriger Auszug aus Mahonienrinde. Haupt-Inhaltsstoffe sind Bisbenzylisochinolin-Alkaloide wie Berbamin oder Oxycanthin, Protoberberin-Alkaloide und Aporphin-Alkaloide wie Magnoflorin. Mahonienrinde wirkt antiphlogistisch, antiproliferativ und antibakteriell. Die antiseborrhoische Wirkung basiert wohl auf der Hemmung der Lipidsynthese. Die Droge reguliert außerdem die Talgdrüsentätigkeit. Außer bei Akne kann sie auch bei leichter bis mittelschwerer Psoriasis, Ekzem und Seborrhö eingesetzt werden. Zu Beginn der Behandlung kann es zu leichter Hautrötung oder Brennen kommen.

Ein Monopräparat aus Mahonienrinden ist Rubisan® Creme oder Salbe N (DHU). Bei kleineren Papeln und Pusteln ist Hamamelis eine Alternative. Die Blätter der Zaubernuss wirken adstringierend, antiphlogistisch und lokal hämostyptisch. Ein entsprechendes Präparat ist zum Beispiel Hametum® Extrakt (Schwabe). Empfohlen wird, einen Wattebausch mit dem Extrakt zu tränken und ihn auf die Papeln und Pusteln zu tupfen.

Bei großen Pusteln und furunkelähnlichen Effloreszenzen kann man es mit Kamille versuchen. Kamillenblüten enthalten über 15 Flavonoidderivate, die wundheilungsfördernd und lokal antiphlogistisch wirken. Es sind viele Kamillepräparate auf dem Markt. Monopräparate sind etwa Kamillin Extern Robugen® (Robugen) oder Kamillosan® (Meda). Auch hier wird ein Wattebausch getränkt und auf die Effloreszenzen gelegt.

Hat ein Patient Probleme mit Warzen?

Einen phytotherapeutischen Versuch ist es allemal wert. Bei weichen, gestielten Warzen, aber auch bei Feigwarzen hat sich Thuja (Lebensbaum) bewährt. Für die Tinktur verwendet werden die Triebspitzen des abendländischen Lebensbaums, die vor allem ätherische Öle als Wirkstoffe enthalten. Thuja wirkt virustatisch und nachgewiesenermaßen immunmodulierend. Ein Monopräparat ist Thuja extern (DHU).

Die Alternative ist Fußblatt (auch Maiapfel genannt). Das aus dem Wurzelstock gewonnene Harz enthält Lignane. Die Droge ist wegen ihres Mitosehemmers Podophyllotoxin ein starkes Mitosegift und wird zu den Zytostatika gezählt. Deshalb ist es wichtig, vor der Anwendung die umgebende Haut gut zu schützen, etwa mit Zinkpaste. Verschreibungspflichtige Monopräparate sind zum Beispiel Condylox® Lösung (Wolff) und Wartec® Creme (Stiefel).

Klagt ein Patient über rezidivierenden Herpes simplex?

Eine phytotherapeutische Möglichkeit ist Melisse. Die Blätter enthalten ein ätherisches Öl, das schwach antibakteriell und virustatisch wirkt. Melissenblätter sind nachgewiesenermaßen wirksam gegen HSV-1, HSV-2 und Aciclovir-resistente Viren. Ein in Studien positiv getestetes Präparat ist LomaHerpan® Creme und Stift (Infectopharm).

Handelt es sich um einen nässenden Hautauschlag?

Dann ist Eichenrinde das richtige Phyto. Flavonoide wie Quercetinderivate wirken leicht antiphlogistisch. Die Gerbstoffdroge Eichenrinde hemmt die Sekretion und die Kapillarpermeabilität, verdichtet das Gewebe, lindert den Juckreiz und wirkt leicht oberflächenanästhesierend. Präparate sind zum Beispiel Eichenrinden-Extrakt Schupp® (Schupp) und Tannolact® (Galderma).

Eine Alternative bei nässenden entzündlichen Hauterkrankungen ist Hamamelis. Empfinden Patienten mit entzündlichen Hautarealen auch einen starken Juckreiz? Bei Dermatitis oder Ekzem, die stark jucken, ist die topische Therapie mit Ballonrebenkraut, das auch Herzsame oder Mönchsköpfchen heißt, angezeigt. Das Kraut enthält ein Gemisch an Wirkstoffen, die synergistische Effekte haben, vor allem antiphlogistische, juckreizlindernde und feuchtigkeitsspendende. Es wird vermutet, dass die enthaltenen Phytosterine in die Arachidonsäurekaskade eingreifen. Monopräparate sind Dermaplant® Salbe (Schwabe) und Halicar® Creme oder Salbe N (DHU).

Bei trockenen, stark schuppenden Dermatitiden mit Rhagaden und Fissuren kann auch Creme oder Salbe mit Mahonienrinde helfen. Als systemische Phytotherapie bei Dermatitis mit Juckreiz bietet sich der Bittersüße Nachtschatten (auch Bittersüßstängel) an. Die Gerbstoffe des Bittersüß’ wirken adstringierend, sekretionshemmend und juckreizstillend und seine Alkaloide anticholinerg und antiphlogistisch. Außerdem hat Dulcamara antiallergische, kortisonähnliche und immunmodulierende Effekte. Das Phyto wird bei chronischem Ekzem auch adjuvant empfohlen. Monopräparate sind Cefabene® Filmtabletten oder Tropfen (Cefak), die in einer offenen Studie und Anwendungsbeobachtungen gut abgeschnitten haben.

Eine Alternative ist die Nachtkerze, die sich beim endogenen Ekzem (Neurodermitis) mit Juckreiz und Hautentzündung im subakuten oder chronischen Stadium bewährt hat. Das Samenöl enthält Linolsäure und gamma-Linolensäure, die Einfluss auf den Arachidonsäurestoffwechsel und die Bildung von Prostaglandinen haben. Nachtkerzenöl wirkt antiinflammatorisch, antiphlogistisch und immunmodulierend.

Es reduziert Juckreiz, Schuppung, Hautentzundung und Rotung. Monopraparate sind EpogamR Kapseln (Strathmann), die sich in offenen Studien bewahrt haben, und NeobonsenR Kapseln (Salus).

Leidet der Patient an einem chronischen Pruritus?

Ein wirksames Phyto, das auch in der S2k-Leitlinie empfohlen wird, ist Cayennepfeffer, dessen Früchte das Alkaloid Capsaicin enthalten. Topisch appliziert bindet Capsaicin an den Hitze-Ionenkanal TRPV1, der auf sensorischen Nervenfasern und Keratinozyten exprimiert ist, wie die Leitlinie erklärt. In den ersten drei bis fünf Tagen kommt es durch die lokale Behandlung zu Brennen, Schmerzen und Juckreiz. Man braucht dann etwas Geduld. Nach ein paar Tagen spürt der Patient schließlich Erleichterung. Da Capsaicin direkt an den sensorischen Nervenfasern angreift, ist das Phyto auch bei nicht-Histamininduziertem Pruritus wirksam. Optimal ist, die Therapie einzuschleichen und die Capsaicin-Konzentration in der Creme langsam zu erhöhen (0,025 Prozent, 0,05 Prozent, 0,075 Prozent, 0,1 Prozent).

Dazu ist eine Magistralrezeptur nötig, da Fertigpräparate nur in je einer Konzentration erhältlich sind. Fertigpräparate mit Capsaicin sind zum Beispiel Capsamol R Salbe (Wörwag) und Thermo BurgerR (Burger Ysatfabrik).

Hat ein Patient Probleme mit übermaßigem Schwitzen? Gibt es keine erkennbare Ursache für die Hyperhidrosis?

Hier bietet sich Salbei zur innerlichen Anwendung an, denn er hemmt die Schweißbildung. Die Blätter enthalten ein ätherisches Öl und Gerbstoffe. Fertigpräparate sind zum Beispiel Salbei CurarinaR Tropfen (Harras-Curarina), Salbei Kräutertropfen (Salus), SalvysatR Burger (Burger Ysatfabrik) oder SweatosanR N (Novartis).

Tipp

Bei Hautleiden gibt es auch phytotherapeutische Optionen zur innerlichen Anwendung. Sind Akne oder starkes Schwitzen zum Beispiel deutlich zyklusabhängig, bietet es sich an, die Patientinnen mit Keuschlamm (auch Mönchspfeffer genannt), einem potenten selektiven Östrogenrezeptormodulator, zu behandeln. Präparate, die in Studien positiv getestet wurden, sind zum Beispiel Agnolyt® (Madaus), Agnucaston® (Bionorica) oder Strotan® (Strathmann).

Eine weitere Möglichkeit der systemischen Therapie: Kehren Hautentzündungen, Papeln und Pusteln, Herpes simplex oder herpetiforme Dermatitiden immer wieder, kann man eine Intervalltherapie mit Sonnenhut versuchen. Klinische Studien wurden zum Beispiel mit Echinacin® (Madaus) gemacht.

Tipp

Bei akuten und chronisch rezidivierenden Hautausschlägen haben sich Umschläge mit Kamillenblüten bewährt. Dafür werden 20 ml Kamillenblüten-Konzentrat oder -Tee in einen Liter Wasser gegeben. Diese Umschläge werden auch bei Neigung zu Superinfektionen empfohlen.

Phytotherapie

Die Phytotherapie bzw. Pflanzenheilkunde ist eine der ältesten Behandlungsmethoden und ihre Wirksamkeit wissenschaftlich nachgewiesen. Gerade wenn es um die symptomorientierte Behandlung geht, werden der Pflanzenheilkunde gute Behandlungserfolge bescheinigt. Anfang des Jahres 2014 haben wir mit unserer Phytotherapie-Serie begonnen, die wir auch 2015 fortsetzen. Wir geben Empfehlungen, welche Heilpflanzen sich am besten bei Reizdarm, Hämorrhoiden, geriatrischen Störungen, Hauterkrankungen, Herzinsuffizienz und Hypertonie eignen. Schwerpunkt in Ausgabe 15: Rheumatische Erkrankungen.

Literatur bei der Verfasserin

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