WIdO-Fehlzeiten-ReportFairness des Vorgesetzten beeinflusst Gesundheit

Laut WIdO-Fehlzeiten-Report spielen Führungskräfte beim Thema Gesundheit eine wichtige Rolle. Ihr Handeln und ihr Umgang mit Beschäftigten beeinflussen das Gerechtigkeitsempfinden der Arbeitnehmer - und damit auch deren gesundheitliche Verfassung.

Ob ein Unternehmen als gerecht oder ungerecht eingeschätzt wird, hängt der Studie zufolge vor allem mit der jeweiligen Führungskraft zusammen.

Berlin. Die erlebte Gerechtigkeit am Arbeitsplatz beeinflusst die Gesundheit der Beschäftigten. Das ergab der am Dienstag (29.09.) vorgestellte Fehlzeiten-Reports 2020 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO).

Für den Report wurden 2.500 Arbeitnehmer im Alter von 18 bis 65 Jahren zu ihrem Gerechtigkeitsempfinden am Arbeitsplatz befragt und die Auswirkungen auf die Gesundheit analysiert.

Weniger Fehltage bei fairen Vorgesetzten

Demnach weisen Beschäftigte, die sich von ihrer Führungskraft gerecht behandelt fühlen, weniger krankheitsbedingte Fehlzeiten auf: Diejenigen Arbeitnehmer, die ihren Vorgesetzten die besten Noten für Fairness gaben, kamen durchschnittlich auf nur 12,7 Arbeitsunfähigkeitstage pro Jahr. Dagegen wies die Gruppe der Berufstätigen, die ihren Chef als eher ungerecht wahrnahmen, im Durchschnitt 15,0 Fehltage auf.

Der Studie zufolge gehen Beschäftigte mit als ungerecht bewerteter Führungskraft zudem häufiger gegen ärztlichen Rat krank zur Arbeit als Beschäftige mit einer als gerecht empfundenen Führungskraft (5,0 versus 2,0 Tage pro Jahr).

Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des WIdO und Mitherausgeber des Fehlzeiten-Reports, betonte, dass dieser Präsentismus langfristig negative Folgen für die Gesundheit der Betroffenen haben und eventuell problematischere Krankheitsverläufe nach sich ziehen könne. Daher würden sowohl das Unternehmen als auch der Beschäftigte selbst profitieren, wenn die Beschäftigten bei Erkrankung zu Hause bleiben.

Emotionale und körperliche Folgen

Beschäftigte, die sich von ihrem Vorgesetzten ungerecht behandelt fühlten, berichteten im Vergleich zu den Beschäftigten mit einer als gerecht empfundenen Führungskraft häufiger über Gefühle der Gereiztheit wie Wut und Ärger (23,3 versus 1,9 Prozent), über Lustlosigkeit (21,2 versus 4,6 Prozent), Erschöpfung (19,7 versus 5,8 Prozent) oder Schlafstörungen (18,1 versus 4,1 Prozent).

Sogar körperliche Beschwerden wie Rücken- und Gelenkbeschwerden (25,8 versus 11,9 Prozent) oder Kopfschmerzen (10,2 versus 3,0 Prozent) kamen häufiger vor.

Fairness erhöht Bindung an das Unternehmen

Die Befragung zeigt zudem, dass empfundene Fairness des Unternehmens und der Führungskraft mit einer hohen Bindung des Beschäftigten an das Unternehmen einhergeht.

Ob ein Unternehmen als gerecht oder ungerecht eingeschätzt wird, hängt der Studie zufolge vor allem mit der jeweiligen Führungskraft zusammen, die laut Schröder eine Scharnierfunktion zwischen Unternehmensleitung und Mitarbeitenden darstellt.

Viele vermissen Wertschätzung und Anerkennung

Für die Einschätzung der Gerechtigkeit in ihrem Unternehmen wurden den Beschäftigten acht Aussagen vorgelegt, die sie auf einer Skala von 1 “trifft überhaupt nicht zu” bis 7 “trifft voll und ganz zu” bewerten konnten.

Für fast 90 Prozent der Befragten traf es eher bis voll und ganz zu, dass ihre Vorgesetzten darauf vertrauen, dass sie ihre Arbeit gut machen. 79,3 Prozent empfanden eher bis voll und ganz, dass das Unternehmen sie bei einem fairen Umgang mit Kunden und Partnern unterstützt.

Deutlich weniger – 66,6 Prozent und 67,1 Prozent – hatten eher bis voll und ganz das Gefühl, dass sie den Informationen, die vom Management oder den Vorgesetzten kommen, vertrauen können und dass das Unternehmen hinter den Mitarbeitern steht. Nur 59,2 Prozent stimmten eher oder voll und ganz der Aussage zu, dass die Leistung der Mitarbeiter Wertschätzung und Anerkennung erfährt; lediglich 57,1 Prozent stimmten eher oder vollständig zu, dass die Leistungen der Beschäftigten angemessen entlohnt werden.

Die Konfliktlösung in ihrem Unternehmen schätzten gerade einmal 53,6 Prozent als gerecht ein. 48,7 Prozent der Befragten gaben an, dass es nur teilweise oder (eher) nicht zutrifft, dass die Arbeit in ihrem Unternehmen gerecht verteilt wird.

Care4Care für Pflege

Der Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes Martin Litsch wies darauf hin, dass die Beschäftigten in den Pflegeberufen in Deutschland überdurchschnittlich belastet seien. Der Krankenstand aller AOK-Mitglieder habe im vergangenen Jahr 5,4 Prozent betragen, in den Pflegeberufen jedoch 6,9 Prozent. Daher habe die AOK gemeinsam mit verschiedenen Universitäten ein neues, speziell auf die Pflege abgestimmtes Konzept zur betrieblichen Gesundheitsförderung namens Care4Care entwickelt.

Im Rahmen des Projektes solle Beschäftigten in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern ab Oktober bundesweit das Online-Lernprogramm “RESIST” mit einem zusätzlichen Telefoncoaching angeboten werden. Dabei steht laut Litsch die Stärkung der psychischen Widerstandsfähigkeit der Beschäftigten im Fokus. Darüber hinaus werde im Projekt ein Online-Coaching pilotiert, das sich speziell an Führungskräfte in der Pflegebranche richtet.

Quelle: 1. Pressekonferenz der WIdO am 29.09.2020; 2. Pressemitteilung von WIdO und AOK-Bundesverband vom 29.09.2020

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