60. Kongress der DGPPneumologie für den Hausarzt

Lungenerkrankungen sind häufig und meist chronisch. Sie benötigen neben dem Spezialisten eine umfassende hausärztliche Betreuung. "Der Hausarzt" präsentiert aktuelle Entwicklungen.

Lungentransplantation

“Die Lungentransplantation ist für viele Patienten mit einer endgradig fortgeschrittenen Lungenerkrankung die letzte Überlebenshoffnung. Die häufigsten Indikationen sind die Mukoviszidose, die COPD und die Lungenfibrose. Etwa 300 bis 350 Patienten erhalten in Deutschland jährlich eine neue Lunge.

Dem steht die Zahl von 400 bis 450 pro Jahr neu angemeldeter Patienten für eine Lungentransplantation gegenüber, so dass die Zahl der potenziellen Organempfänger nach wie vor die Zahl der möglichen Transplantationen um mehr als das Doppelte übersteigt. Um diese Situation zu verbessern, ist das neue noch in der Diskussion befindliche Transplantationsgesetz, das eine Widerspruchslösung vorsieht, ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.”

Prof. Jürgen Behr, München


Asthmaprävention

“Das Asthma bronchiale ist die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter. In Deutschland ist etwa jedes zehnte Schulkind betroffen. Die Krankheitslast für die betroffenen Kinder und ihre Eltern ist hoch. Die Erscheinungsformen sind vielgestaltig: Bei manchen Kindern treten die Beschwerden schon im ersten Lebensjahr auf und begleitet sie bis ins Erwachsenenalter. Bei manchen Kindern verschwinden sie im Schulalter oder in der Pubertät, bei anderen tritt das Asthma erst nach der Pubertät auf. Andere Patienten wiederum entwickeln asthmatische Beschwerden nur im Rahmen einer Pollenexposition bei Heuschnupfen.

Das Asthma bronchiale ist eine komplexe Erkrankung, bei deren Pathogenese verschiedene Faktoren beteiligt sind. Dazu gehört die genetische Disposition, wobei die Bezüge aber lose sind, d.h. nicht jedes Kind, dessen Elternteil an Asthma leidet, muss daran erkranken. Damit die Erkrankung manifest wird, müssen noch andere Faktoren, insbesondere die Umwelt, in welcher ein Kind aufwächst, dazu kommen. Eine wichtige Rolle spielt die Schadstoffbelastung durch mütterliches Rauchen in der Schwangerschaft und auch durch Passivrauchen in der Familie nach der Geburt. Auch Luftschadstoffe können Asthmaattacken auslösen. Weitere Risikofaktoren sind Haustiere, Adipositas, Bewegungsmangel, Ernährung und Schimmelbelastung in der Wohnung. Aber es gibt auch präventive Lebensumstände wie z.B. das Aufwachsen auf Bauernhöfen mit Kontakt zu Nutztieren und der Konsum von nicht verarbeiteter Kuhmilch. Die Therapie des Asthmas bei Erwachsenen hat durch die Entwicklung von spezifischen Antikörpern gegen bestimmte Entzündungsmediatoren große Fortschritte gemacht. Derzeit ist noch unklar, ob diese Medikamente auch bei Kindern eingesetzt werden können.”

Prof. Erika von Mutius, München


Tuberkulose

“Die Tuberkulose gehört weiterhin zu den zehn häufigsten Todesursachen weltweit. 2017 infizierten sich 10 Millionen mit dem Tuberkelbakterium, eine Million davon waren Kinder. Bei einer halben Million Patienten liegt eine Multiresistenz gegen den Erreger vor. Bei über 95 Prozent sind Menschen aus ärmeren Ländern betroffen. Deutschland ist ein Niedriginzidenzland, wobei die Erkrankungszahlen nach einem Anstieg zwischen 2013 und 2016 seit 2017 wieder rückgängig sind zuletzt auf 5.486 Neu-Infizierte. In 73 Prozent der Fälle handelt es sich um Personen mit Migrationshintergrund. Am häufigsten sind Menschen aus Somalia und Eritrea betroffen. Der Anteil der Patienten mit einer Multiresistenz liegt in Deutschland stabil bei drei Prozent.”

Prof. Torsten Bauer, Berlin


Luftschadstoffe

“Über die gesundheitlichen Folgen von Luftschadstoffen wird kontrovers diskutiert. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin hat deshalb ein Positionspapier verfasst, was den derzeitigen Wissensstand zu diesem Thema zusammenfasst. Die Luftverschmutzung in unseren Städten wird im Wesentlichen durch folgende Quellen beeinflusst: Die Emissionen des lokalen Straßenverkehrs, der Ferntransport von Luftschadstoffen aus der Industrie und Landwirtschaft und die Emissionen aus Kleinfeuerungsanlagen. Zu den Emissionen des Autoverkehrs gehören neben den Abgasen auch der nicht zu vernachlässigende Abrieb von Bremsen und Reifen sowie die Wiederaufwirbelung von sedimentiertem Staub.

Die nachteiligen gesundheitlichen Wirkungen von Schadstoffen sind durch Studien ausreichend belegt. Es besteht eine starke Evidenz für eine kausale Wirkung der Feinstaubexposition auf die Gesamtsterblichkeit, Lungenkarzinom, Pneumonien und Einschränkung der Lungenfunktion. Am besten belegt ist die kausale Wirkung von NO₂-Expositionen im Hinblick auf Exazerbationen von Asthma und COPD.

Grenzwerte werden immer politisch festgelegt. Doch umfangreiche experimentelle Studien stützen die epidemiologischen Ergebnisse, die zur Ableitung von Richtwerten führen.”

Prof. Joachim Heinrich, München


Tabakentwöhnung

“Im Rahmen einer großen Studie (ATEMM-Studie) wurde die Effektivität einer strukturierten interdisziplinären Tabakentwöhnung inklusive medikamentöser Unterstützung gemäß der S3-Leitlinie untersucht. Die Maximalintervention umfasste einen ärztlich geleiteten Gruppenkurs und eine 12-monatige proaktive telefonische Nachbetreuung, alles vollfinanziert von der Krankenkasse. Verglichen wurde dieses Vorgehen mit einer Minimalintervention, d.h. einer ärztlichen Kurzberatung während der Routinesprechstunde ohne Kostenübernahme von Medikamenten. Nach 12 Monaten war fast die Hälfte der Teilnehmer der Maximalintervention nach strengen Kriterien (ärztliche Untersuchung und CO-Messung im Exhalat) rauchfrei. Bei der Minimalintervention war es nur knapp jeder Zehnte.”

Prof. Stephan Mühlig, Chemnitz


Allergen-spezifische Immuntherapie

“Die Allergen-spezifische Immuntherapie (AIT), die auf eine über 100-jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken kann, ist die einzige kausale Therapie bei IgE-vermittelten allergischen Erkrankungen. In zahlreichen Studien konnte eine überzeugende Wirksamkeit im Hinblick auf die Symptome bei der allergischen Rhinitis dokumentiert werden. Auch gibt es Hinweise dafür, dass mittels AIT die Manifestation eines Asthmas verhindert werden kann und zwar bei einer Gräser- oder Pollenallergie. Neben diesem asthmapräventiven Effekt, der nicht nur bei der subkutan applizierten sondern auch bei der sublingualen Applikation gezeigt werden konnte, wird auch der Krankheitsverlauf bei einem bestehenden Asthma günstig beeinflusst. Doch es fehlen Langzeitstudien.”

Prof. Christian Vogelberg, Dresden

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