Kinder und JugendlicheWas tun bei Verletzungen

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) veranstaltete ihre 114. Jahrestagung. "Der Hausarzt" bietet einen kurz gefassten Überblick der wichtigsten Erkenntnisse.

Auch leichte Stürze können schwere Folgen haben

Mildes Schädel-Hirn-Trauma: Klinisch relevant?

Rund 70.000 Patienten unter 15 Jahren erleiden jedes Jahr ein Schädel-Hirn-Trauma (SHT), überwiegend handelt es sich um ein mildes SHT. Wie Prof. Guido Fitze aus Dresden berichtete, stellt vor allem bei jüngeren Kindern ein Sturz aus niedriger Höhe die häufigste Ursache dar. Cave: im Säuglings- und Kleinkindalter besteht eine erhöhte Neigung zum generalisierten Hirnödem.

Hinweise auf ein mildes SHT geben Symptome wie Übelkeit, Schwindel und Hörstörungen. Zunehmende Kopfschmerzen gelten als Risikofaktor für ein klinisch bedeutsames SHT, nicht jedoch isolierte Kopfschmerzen (ohne weitere Symptome). Auch mehrfaches Erbrechen sowie Somnolenz und retrograde Amnesie sind Warnzeichen. “Bei Kindern unter 24 Monaten sind Beobachtungen der Eltern bedeutsam, etwa Verhaltensänderungen mit Schläfrigkeit, verlangsamte Reaktionen und verlangsamte Spontanmotorik sowie Spielunlust und Inappetenz”, erklärte der Kinderchirurg. Seiner Ansicht nach sollte bei Kindern mit diesen Anzeichen die Indikation zur Klinikeinweisung großzügig gestellt werden.

Die aktuelle Leitlinie rät zur Einweisung bei Bewusstlosigkeit (> 5 Sekunden), neurologischen Ausfällen, Hinweisen auf Schädelfraktur, Verdacht auf nasale oder otogene Liquorrhoe sowie einem schweren Unfallmechanismus. Fitze gab zu bedenken, dass die (leitlinienkonforme) Entscheidung, ob es sich um ein klinisch relevantes SHT handelt, nicht immer einfach ist. So würden viele Eltern die Dauer der Bewusstlosigkeit ihres Kindes deutlich überschätzen.

Die Behandlung besteht in Bettruhe und körperlicher Schonung. Stationär werden die Vitalparameter für 48 Stunden monitoriert und die Schwere des SHTs mit dem Glasgow Coma Scale (GCS) und der Pupillomotorik kontrolliert. Früher ging man davon aus, dass ein leichtes SHT ohne bleibende Folgen ausheilt. “Überwiegend ist das auch der Fall, allerdings weiß man mittlerweile mehr über das Postkommotionelle Syndrom”, erklärte Fitze. Dieses Syndrom (engl. post-concussion-Syndrom, PCS) geht mit Symptomen wie Apathie, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Konzentrationsstörungen einher, die für längere Zeit fortbestehen. Betroffen sind häufig ältere Kinder, Mädchen und ADHS-Patienten. Laut Fitze besteht eine praktikable Therapie in ein bis zwei Tagen Ruhe, gefolgt von einer symptombezogenen, körperlichen Belastung. Alternativ scheint sich Neurofeedback zu bewähren.

Akutes Skrotum: Eile geboten

Eine Hodentorsion ist selten, erfordert aber sofortiges Eingreifen. Grund: Je nach Ausmaß der Torsion ist im Mittel nach sechs bis acht Stunden mit einer hämorrhagischen Infarzierung und Nekrose des Hodens zu rechnen. Daher sollte der Betroffene innerhalb dieser Zeit behandelt werden, bzw. möglichst innerhalb einer Stunde im Operationssaal sein! Meist sind Jungs in der Pubertät betroffen, die anfangs nur ein Ziehen in der Leistengegend dann aber heftigen Schmerz verspüren. Problematisch ist, dass die Jugendlichen sich oft schämen, die genaue Lokalisation des Schmerzes anzugeben. Die Experten raten daher, bei angeblichen “Unterbauchbeschwerden” unbedingt auch die Hoden zu inspizieren. Liegt eine Schmerzhaftigkeit vor, sollte sofort sonografiert– oder bei eindeutigem Befund – umgehend eine Operation veranlasst werden.

Morbus Hunter erkennen

Die seltene Speicherkrankheit M. Hunter manifestiert sich bei Jungs und kann mild oder schwer verlaufen. Wichtig ist, sie möglichst bald zu erkennen, denn nur so besteht die Chance, mit einer Enzymersatztherapie die Progression der Erkrankung aufzuhalten. Frühe Symptome sind Hernien, Otitis, vergrößerte Tonsillen und Makrozephalie. Typisch sind zudem Hepatosplenomegalie und Dys-ostosis. Die Symptome können einzeln oder in Kombination auftreten. Erhöhte Glykosaminoglykane im Urin geben einen ersten Hinweis, der eine weitere Abklärung erfordert.

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