SchultererkrankungenWenn die Schulter nicht mehr mitspielt

Jeder Vierte leidet unter Schultererkrankungen wie Risse der Rotatorenmanschette, Frozen Shoulder und Schleimbeutelentzündungen. Bei frühzeitiger Behandlung genügen häufig schmerzstillende Medikamente und kräftigende Krankengymnastik. Andernfalls drohen im späteren Krankheitsverlauf bleibende Einschränkungen, die oftmals operative Eingriffe erfordern.

Die Schulter ist unser mobilstes Gelenk, aber leider auch das instabilste. Das Problem liegt in der Anatomie: Die Gelenkpfanne ist eigentlich viel zu klein für den großen Oberarmkopf.

Die Schulter wird also hauptsächlich von ihren Muskeln geführt: Sieben Hauptmuskel und eine Bizepssehne halten sie an der richtigen Position. Verliert die Schulter aus irgendeinem Grund ihre Zentrierung, führt das vielfach zu Problemen.

So gaben 2017 bei einer Umfrage zur Lokalisation von Schmerzen 48 Prozent der Frauen an, Schulterschmerzen zu haben, bei den Männern waren es 39 Prozent. Ratsam ist schnelle ärztliche Hilfe.

Denn viele Erkrankungen der Schulter können im Frühstadium effektiv und wirksam behandelt werden. Meist reichen sogar Medikamente zur Schmerzlinderung und kräftigende krankengymnastische Übungen, um den Oberarmkopf wieder besser im Gelenk zu zentrieren.

Selbst bei kleinen Rissen lässt sich durch gezielten Muskelaufbau in vielen Fällen die volle Funktion des Schultergelenks wiederherstellen. Verpasst man allerdings den optimalen Behandlungszeitraum, können bleibende Einschränkungen auftreten, die schließlich eine Operation erforderlich machen.

Ab 40 drohen verstärkt Schulter-Beschwerden

Generell kann man sagen: Ab dem 40. Geburtstag steigt die Schultererkrankungs-Rate deutlich an. Im Schnitt sind meine Patienten 55, wenn sie sich erstmals, beispielsweise wegen einer Erkrankung der Rotatorenmanschette, in Behandlung begeben.

Mehr als 30 Prozent der über 60-Jährigen haben Risse oder Teilrisse in einer der Schultersehnen.

Bevor eine sinnvolle Therapie beginnen kann, müssen die Schmerzen medikamentös behandelt werden. Kurzfristig können auch Kortison-Injektionen in die Gelenkkapsel hilfreich sein. Kräftigende krankengymnastische Übungen helfen dabei, den Oberarmkopf wieder besser im Gelenk zu zentrieren.

Bei kleinen Rissen lässt sich so in vielen Fällen die volle Funktion des Schultergelenks wiederherstellen. Bringt die konservative Therapie innerhalb von sechs Wochen keine deutliche Verbesserung, so ist meist eine arthroskopische “Reparatur” notwendig. Bei diesem Eingriff können auch größere Schäden oder komplette Risse minimalinvasiv genäht werden.

Ist die Supraspinatussehne über Jahre stark degeneriert, so bewirkt eine konservative Behandlung meist nichts mehr. Es drohen Arthrose und eine dauerhafte Instabilität der Schulter. In diesen Fällen eignen sich beispielsweise Systeme mit künstlichen Platzhaltern, die die fehlende Funktion der Supraspinatussehne ausgleichen.

Mit Hilfe eines Implantats wird der Oberarmkopf wieder nach unten in das Schultergelenk gedrückt und hier zentriert und stabilisiert. Eine dauerhafte Verengung des Raumes unter dem Schulterdach wird verhindert, der Bewegungsablauf normalisiert und Schmerzen reduziert.

In den folgenden 24 Monaten lösen sich die künstlichen Implantate nach und nach auf. Studien belegen auch danach einen positiven Effekt, allerdings stehen Langzeiterfahrungen noch aus.

Wenn die Schulter “einfriert”

Wenn die Schulter plötzlich heftig schmerzt und von Tag zu Tag steifer wird, steckt dahinter oft die Frozen Shoulder. Diese nichtbakterielle Erkrankung beginnt ohne äußeren Anlass mit plötzlich einschießenden Schmerzen.

Anfangs treten die Beschwerden nur bei Bewegung auf, dann auch in Ruhestellung oder nachts im Schlaf. Die Schulter versteift zunehmend, der Patient kann schließlich häufig den Ellenbogen nicht mehr auf Schulterhöhe heben.

In der Regel lassen die Schmerzen zwar nach zwei Monaten etwas nach, aber die Schulter bleibt steif – wie eingefroren. Nach frühestens sechs Monaten löst sich die Erstarrung der Schulter langsam.

In dieser “Auftauphase” ist eine krankengymnastische Begleitung sehr wichtig, weil ansonsten noch nach Jahren Bewegungseinschränkungen der Schulter zurückbleiben können. Bei physiotherapeutischer Hilfe heilt die Frozen Shoulder in der Regel folgenlos ab. Etwa jeder vierte Patient erleidet die Erkrankung beidseitig, häufig kurz nacheinander.

Als Risikofaktoren gelten Diabetes, Stoffwechselerkrankungen oder Bluthochdruck. Eine ursächliche Behandlung ist schwierig, da oft weder Röntgen noch Ultraschall einen eindeutigen Befund bringen.

Meist wird mit Schmerzmitteln lediglich symptomorientiert behandelt. Als krankheitsverkürzend hat sich nur die arthroskopische Schulteroperation erwiesen. Positive Erfahrungen haben Fachärzte der Gelenk-Klinik Gundelfingen mit der Zellbiologischen Regulationsmedizin gemacht.

Diese wirkt nicht nur symptomatisch, sondern kann den Krankheitsverlauf auch wesentlich verkürzen. Mit Hilfe biomechanischer Stimulation –einer Vibrationstherapie – wird der Stofftransport in den betroffenen Geweben verbessert. Nach sechs Behandlungen ist in den meisten Fällen eine deutliche Besserung eingetreten.

Schmerzen bis ins Schulterdach

Heftige Beschwerden verursacht auch ein Schulterimpigement. Anfangs kommt es zwar nur zu leichten Schmerzen in der Schulter, doch dann reduziert sich der Bewegungsradius immer mehr, Überkopfarbeiten werden zunehmend zur Qual.

Schon das leichte Anheben des Armes zur Seite oder nach hinten erzeugt schließlich stärkste Schulterschmerzen. Der Grund: Durch Reizung und Degeneration von Sehnen und Schleimbeuteln wird es im Schultergelenk zu eng und der Kopf des Schultergelenks schlägt, wie der Name schon andeutet (engl. to impinge = anschlagen, aufprallen), an das Schulterdach.

Die Sehne wird förmlich ein- oder abgeklemmt. Hinzu kommen manchmal Beschwerden in der angrenzenden Halswirbelsäule und im Nackenbereich. Häufig betroffen sind Sportler und Handwerker, die mit den Armen viele Überkopfbewegungen ausführen, etwa Volleyballer und Schwimmer oder Maler und Tapezierer.

Basistherapie ist der Einsatz Nicht Steroidaler Antirheumatika (NSAR). Diese lindern den Schmerz und hemmen zusätzlich überschießende Entzündungsreaktionen des Körpers.

Oft werden auch Kortison-Spritzen empfohlen, deren Anwendung aber wegen der oftmals nur kurzfristigen Erfolge und höheren Nebenwirkungen strikt begrenzt sein sollte.

Hilfreich sein können auch krankengymnastische Übungen, Akupunktur oder die Stoßwellentherapie. Kommt es trotz mehrmaliger konservativer Therapie zu wiederholten Rückfällen, sollte eine operative Versorgung in Erwägung gezogen werden.

Schleimbeutelentzündungen: Was hilft?

Besonders fatal: Schulterimpigement-Patienten leiden häufig auch unter einer Schleimbeutel-Entzündung (Bursitis). Reizungen, ungewohnte Belastungen oder Druck führen nicht nur zu einer Entzündung des Schultergelenks, sondern auch zum Anschwellen der Schleimbeutel.

Mögliche Folgen sind Schwellungen, Rötungen, Gelenkergüsse und schmerzhafte Bewegungseinschränkungen.

In der Frühphase bringen oft schon das Hochlagern und Ruhigstellen mit Gips oder Schiene sowie das Kühlen spürbare Besserung. Entzündungshemmende Schmerzmittel, Kortison oder Stoßwellentherapie sind ebenso eine Option wie Antibiotika bei bakterieller Bursitis.

Versagen die konservativen Therapiemethoden, bleibt nur die operative Entfernung des Schleimbeutels.

Helfende Mittel aus der Apotheke

Bei Schulterschmerzen empfehlen sich generell Basen-Wickel sowie durchblutungsfördernde Salben. Auch der Extrakt der afrikanischen Teufelskrallen-Wurzel kann dank seiner entzündungshemmenden Wirkung bei Arthrose- und Schulterschmerzen günstig wirken.

Zudem lässt sich der Verbrauch synthetischer Schmerzmittel durch Einnahme von Teufelskrallen-Dragees teilweise deutlich senken. In vielen Fällen hilft auch eine hoch dosierte Enzymtherapie. Der wesentliche Pluspunkt: Enzyme sind relativ gut verträglich und magenfreundlicher als manche Schmerzmittel.

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