Nach STIKO-EmpfehlungPatienteninfo hilft bei Beratung zur Jugend-Impfung

Die STIKO ändert ihren Kurs: Nicht mehr nur vorerkrankte, sondern alle Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren sollen nun gegen Corona geimpft werden. Wie groß war der politische Druck? PLUS: Aktualisierte Patienteninfo.

Auch Jugendliche sollen jetzt generell gegen das Coronavirus geimpft werden.

Berlin. Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) spricht sich nun für Corona-Impfungen für alle Kinder und Jugendlichen ab zwölf Jahren aus. Nach sorgfältiger Bewertung neuer wissenschaftlicher Beobachtungen und Daten komme man zu der Einschätzung, “dass nach gegenwärtigem Wissensstand die Vorteile der Impfung gegenüber dem Risiko von sehr seltenen Impfnebenwirkungen überwiegen”, teilte das Gremium am Montag (16. August) mit.

Der offizielle Empfehlungstext liegt noch nicht vor, der Beschlussentwurf sei am Montag in das Stellungnahmeverfahren gegangen. Änderungen seien noch möglich. Die finale Empfehlung soll „zeitnah“ erscheinen, heißt es offiziell. Gerechnet wird mit Mitte der Woche.

Wichtig: Ärztliche Aufklärung ist Pflicht

Wichtig auch für Hausärztinnen und Hausärzte, die neben Kinder- und Jugendärzten zentrale Ansprechpartner bei Fragen rund um die Impfung sind, ist die Bedeutung der Aufklärung: Denn unverändert soll die Impfung laut STIKO nach ärztlicher Aufklärung zum Nutzen und Risiko durchgeführt werden.

“Für impfwillige Jugendliche stehen auch bei steigender Nachfrage die Kinder- und Hausarztpraxen bereit”, unterstrich Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, am Dienstag (17. August) gegenüber der Funke-Mediengruppe.

“Diese Empfehlung zielt in erster Linie auf den direkten Schutz der geimpften Kinder und Jugendlichen vor Covid-19 und den damit assoziierten psychosozialen Folgeerscheinungen ab”, erklärte die STIKO.

Mittlerweile könnten mögliche Risiken der Impfung in der Altersgruppe zuverlässiger beurteilt werden. In ihrer Mitteilung verwies die STIKO etwa auf nahezu zehn Millionen geimpfte Kinder und Jugendliche im amerikanischen Impfprogramm. “Die sehr seltenen, bevorzugt bei jungen männlichen Geimpften im Zusammenhang mit der Impfung beobachteten Herzmuskelentzündungen müssen als Impfnebenwirkungen gewertet werden“, heißt es zwar. In der Mehrzahl der Fälle würden Betroffene hospitalisiert, “hatten jedoch unter der entsprechenden medizinischen Versorgung einen unkomplizierten Verlauf”. „Umgekehrt weisen neuere Untersuchungen aus dem Ausland darauf hin, dass Herzbeteiligungen durchaus auch bei COVID-19-Erkrankungen auftreten.“

Druck von Seiten der Politik

Die bisherige Zurückhaltung hatte STIKO-Chef Prof. Thomas Mertens zuletzt mit unzureichenden Daten zur Sicherheit der Impfung bei Heranwachsenden begründet. So war die Immunisierung nicht grundsätzlich, sondern nur Kindern und Jugendlichen mit bestimmten Risikofaktoren für einen schweren Verlauf, etwa Vorerkranungen wie Diabetes, empfohlen worden.

Die STIKO war daraufhin wiederholt von verschiedenen Politikern aufgefordert worden, ihre vorsichtige Haltung zum Impfen von Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren zu überdenken.

Anfang August hatten die Gesundheitsminister von Bund und Ländern bereits breitere Angebote für Kinder ab zwölf Jahren vereinbart. Dieses Vorpreschen hatte der Deutsche Hausärzteverband scharf kritisiert.

Hausärzte-Chef Weigeldt kritisiert aktuell einmal mehr, die Politik habe Druck auf die STIKO ausgeübt. “Wir haben immer betont, dass die Wissenschaft entscheidet, wann ausreichende Erkenntnisse vorliegen, um Jugendlichen ein Impfangebot zu machen. Dazu hätte es keines Drängens von Politikseite aus bedurft.”

“Die STIKO ist unabhängig”

“Die STIKO ist unabhängig und erarbeitet ausschließlich auf der Basis der verfügbaren wissenschaftlichen Evidenz die bestmöglichen Impfempfehlungen für die Bevölkerung in Deutschland”, stellt die STIKO in ihrer aktuellen Mitteilung nun klar.

Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), sagte nach Veröffentlichung der neuen Impfempfehlung, dass es wichtig gewesen sei, “dass die STIKO dem starken politischen Druck widerstanden und ihre Empfehlungen zu Corona-Schutzimpfungen bei Kindern und Jugendlichen nicht übereilt, sondern auf solider wissenschaftlicher Grundlage überarbeitet hat”. Man habe sich die nötige Zeit genommen und damit “das Vertrauen der Menschen in die wissenschaftliche Unabhängigkeit des Gremiums gestärkt”.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) lobte den Kurswechsel der STIKO: “Eltern und Jugendliche haben damit eine klare Empfehlung, sich für die Impfung zu entscheiden.” Ausreichend Impfstoff für alle Altersgruppen sei da. “Wenn gewünscht, kann eine Impfung diese Woche noch stattfinden.”

Keine Voraussetzung für Schulbesuch

Auch ohne generelle Empfehlung waren bereits bisher auch bei Gesunden in der Altersgruppe Impfungen möglich – “nach ärztlicher Aufklärung und bei individuellem Wunsch und Risikoakzeptanz”.

Einigkeit besteht darin, dass die Impfung keine Voraussetzung für den Schulbesuch sein darf. Das bekräftigten am Montag verschiedene Politiker, unter ihnen Bundesfamilienministerin Christine Lambrecht (SPD) und Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) .

Auch die STIKO sprach sich “ausdrücklich dagegen aus, dass bei Kindern und Jugendlichen eine Impfung zur Voraussetzung sozialer Teilhabe gemacht wird”.

RKI: Ein Viertel der 12- bis 17-Jährigen schon geimpft

Nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Montag sind 24,3 Prozent der 12- bis 17-Jährigen mindestens einmal gegen Corona geimpft und 15,1 Prozent vollständig.

Mit den Präparaten von Biontech/Pfizer und Moderna sind in der EU zwei mRNA-Impfstoffe für diese Gruppe zugelassen. Für Kinder unter zwölf Jahren ist bislang kein Impfstoff verfügbar.

Mit Material von dpa

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