ReisemedizinOptimaler Impfschutz für gesundes Reisen

Bei der Reisevorbereitung müssen unter anderem chronische Erkrankungen, reisespezifische Gesundheitsrisiken und die aktuelle epidemiologische Situation berücksichtigt werden. Ein guter Impfschutz bildet eine wichtige Grundlage.

Ab in den Urlaub: Die Reiseimpfungen sollten spätestens zwei Wochen vor Reiseantritt abgeschlossen sein.

Im Rahmen einer Reiseimpfberatung sollte zunächst der aktuelle Impfstatus der Reisenden überprüft werden. Die Immunisierungsraten in Deutschland sinken mit steigendem Alter, oft fehlen Auffrischimpfungen. Reisende sollten aber einen altersentsprechenden, von der STIKO empfohlenen Impfschutz gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis und Poliomyelitis haben (siehe  Tabelle 1 unten). Bei Personen ab 60 Jahren kommen die Impfungen gegen Pneumokokken, Herpes zoster und Influenza hinzu.

Welcher Impfschutz zusätzlich auf einer Reise indiziert ist, muss individuell entschieden werden. Bagatellexpositionen, zum Beispiel eine Hepatitis-B-Immunisierung für einen Badeurlaub in der Türkei, sollten kein Grund für eine Reiseimpfung sein, es gilt aber: so viel Impfschutz, wie nötig.

Die Impfungen sollten spätestens zwei Wochen vor Reiseantritt abgeschlossen sein, damit der Impfschutz rechtzeitig aufgebaut ist. Die Schutzdauer sind Tabelle 2 (siehe unten) zu entnehmen.

Häufige Reiseimpfungen: Hepatitis A (HepA), Hepatitis B (HepB), Typhus

Eine breite Indikation sollte für die HepA-Impfung gestellt werden. Als Infektionsländer werden von Reisenden aus Deutschland auch häufig Länder im Mittelmeerraum angegeben. Die Impfung mit monovalenten Impfstoffen vermittelt bereits zwei Wochen nach der ersten Dosis protektive Immunität.

Die zweite Impfdosis (Abstand 6 – 12 (18) Monate) erfolgt in der Regel nach der Reise und sollte nicht vergessen werden, denn erst dann entsteht ein Langzeitschutz von ca. 25 Jahren. Die Impfung gegen Hepatitis A ist notfalls auch noch kurz vor der Abreise möglich (z. B. bei Last-minute-Reisen).

Bei der Verwendung des HepA-/B-Kombinationsimpfstoffs muss beachtet werden, dass vor der Reise zwei Impfdosen für den Aufbau der Immunität nötig sind, da der HepA-Antigengehalt verglichen mit monovalenten Impfstoffen reduziert ist.

Anders verhält es sich mit dem Kombinationsimpfstoff HepA-Typhus, der durch die erste Dosis Immunität für etwa ein Jahr gegen HepA und für drei Jahre gegen Typhus verleiht. Ein Typhus-Impfschutz wird generell angeraten bei Reisen in Endemiegebiete mit schlechten hygienischen Bedingungen.

Ein HepB-Impfschutz wird von der STIKO bei Reisen in Endemiegebiete empfohlen, die länger als vier Wochen dauern oder bei mehrfachen kurzen Reisen, bei voraussichtlichen sexuellen Kontakten mit Fremden, bei absehbaren medizinischen oder zahnmedizinischen Eingriffen und bei Tätigkeiten im Reiseland mit hohem Verletzungsrisiko.

Impfnachweispflicht: Polio, Gelbfieber und Meningokokken

Warum der Polio-Impfschutz für Reisende sehr wichtig sein kann, zeigt der Blick auf die globale epidemiologische Situation. Der einzige noch nicht ausgerottete Wildpoliovirus (Typ 1) kommt endemisch nur noch in Afghanistan und Pakistan vor.

Diese und weitere Länder vorwiegend in Afrika sind jedoch von mutierten Viren der Schluckimpfstoffe (OPV) betroffen, die Krankheitsfälle verursachen. Für diese Länder gelten verschärfte Einreise- und Impfnachweisregeln (www.hausarzt.link/rmWcH. Beim Auswärtigen Amt finden sich stets die aktuellen Empfehlungen.

Vor einem Aufenthalt in Gelbfieber-Endemiegebieten (“Gelbfiebergürtel” in Afrika und Südamerika sowie einzelne Karibikinseln) wird eine Gelbfieberimpfung empfohlen. Der Impfnachweis ist bei der Einreise in einigen Ländern verpflichtend, einzusehen unter www.hausarzt.link/ueiRv.

Die Impfung erfolgt ausschließlich in Gelbfieberimpfstellen. Die Impfentscheidung soll bei Schwangeren und über 60-Jährigen sorgfältig abgewogen werden. Stillende sollten nicht gegen Gelbfieber geimpft werden, da durch Virusübertragung ein Risiko für Enzephalitiden beim Säugling besteht.

Die Impfung gegen Meningokokken ist bei Reisen in Endemiegebiete besonders bei engem Kontakt zur einheimischen Bevölkerung empfohlen. Für eine Pilgerreise nach Mekka (Hadj, Umrah) ist die MenACWY-Impfung verpflichtend.

Der Impfnachweis muss in englischer Sprache in einer “internationalen Bescheinigung über Impfungen” (Impfausweis) erfolgen, seine Gültigkeit beginnt zehn Tage nach der Impfung und gilt fünf Jahre bei Verwendung eines Konjugatimpfstoffs. Dies muss im Impfpass in Englisch (conjugate vaccine) dokumentiert werden, denn die in manchen Ländern noch gebräuchlichen Polysaccharidimpfstoffe haben nur eine Wirksamkeit von drei Jahren.

Im Einzelfall wichtig: Tollwut, JE und Cholera

Das Risiko einer Tollwutexposition ist in Asien und Afrika am höchsten. Tollwutviren werden am häufigsten durch einen Biss streunender Hunde übertragen, sie lösen nach einer sehr variablen Inkubationszeit eine Enzephalitis aus, die immer tödlich verläuft.

Die Impfung ist insbesondere für Reisende wichtig, die in entlegenen Gebieten unterwegs sind (z. B. Trekking), wo keine ausreichende postexpositionelle Versorgung möglich ist. Der Ungeimpfte muss in armen Ländern im Notfall jeden Impfstoff und falls überhaupt erhältlich, jedes Hyperimmunglobulin akzeptieren.

Die präexpositionelle Tollwut-Prophylaxe durch drei Impfstoffdosen erfolgt nach dem Schema Tag 0, 7, 21 oder 28. Das von der WHO empfohlene Zwei-Dosen-Schema (Tag 0 und Tag 7) ist hierzulande nicht zulassungskonform und benötigt eine besondere Aufklärung (off-label-use).

Die Japanische Enzephalitis (JE) ist eine seltene Reiseerkrankung der asiatisch-pazifischen Regionen, ausgelöst durch Mücken übertragene JE-Viren. Empfohlen ist die Impfung nur bei mehr als vierwöchigen oder wiederholten kurzen Aufenthalten in der Nähe von Reisfeldern (Brutstätten der Mücken) und Schweinehaltung (Reservoirwirt), was auch in Stadtrandgebieten der Fall sein kann.

Das Erkrankungsrisiko an Cholera ist für Reisende sehr gering. Die Impfung wird daher im Allgemeinen nicht empfohlen, nur bei sehr hoher Gefährdung wie zum Beispiel Einsatz vom medizinischem Personal und Katastrophenhelfer in Epidemiegebieten.

Unbedingt Malariaprophylaxe einplanen

Neben Reiseimpfungen muss – je nach Reiseziel – vor Antritt der Reise auch die Malariaprophylaxe geplant werden. Laut aktuellem WHO-Malariareport gab es 2019 zirka 229 Millionen Malariaerkrankungen mit etwa 409.000 Todesfällen. Seit 2014 wurden dem Robert Koch-Institut (RKI) jährlich im Durchschnitt zwischen 800 bis 1.000 Malaria-Fälle gemeldet.

Über 90 Prozent der Fälle werden in Afrika, südlich der Sahara, erworben. Weitere Endemiegebiete sind Lateinamerika, Asien sowie Ozeanien. Im Pandemiejahr 2020 wurden lediglich 366 Erkrankungen registriert, doch schon 2021 stieg die Anzahl der Fälle auf 605. Der Trend, trotz Pandemie zu verreisen, steigt, daher ist das Thema Malaria im Rahmen einer Fernreiseberatung ein Muss.

Malaria wird durch Plasmodien verursacht, die durch die dämmerungs- und nachtaktiven weiblichen Anopheles-Mücken übertragen werden. Die “pfiffigen” Einzeller wechseln sehr schnell und häufig ihre Lebensstadien (Sporozoiten, Schizonten, Merozoiten und Gametozyten), sodass unser Immunsystem hinterherhinkt: Kaum sind Antikörper gegen eine Form des Parasiten generiert, hat sich das Antigen auch schon verändert.

Wie kann man eine Infektion verhindern? Der Fokus liegt zunächst darauf, Mückenstiche zu verhindern. Folgende Maßnahmen sind simpel, jedoch wirksam:

  • unbedeckte Hautstellen unbedingt mit Repellents dünn einreiben
  • bevorzugt hautbedeckende und helle Kleidung tragen; diese sollte auch mit Repellents imprägniert werden
  • mit Repellents behandelte Moskitonetze verwenden
  • Räume, in denen man sich nachts aufhält, sollten mückensicher sein (Moskitogitter an den Fenstern)

Selbstverständlich ist auch die Chemoprophylaxe ein Teil der Malariavorbeugung. Antimalariamittel verhindern jedoch nicht die Infektion mit dem Parasiten, sie stoppen seine Entwicklung. Welche Malariapräparate (Prophylaxe oder eine notfallmäßige Selbstbehandlung [NSB]) in Frage kommen, hängt von vielen Faktoren ab, z. B. Reiseort, Reisedauer, Reiseart (Pauschal- oder Trekkingtour) sowie weiteren, individuellen Umständen wie Gesundheitszustand und Vorerkrankungen.

Gute Vorgaben kann man aus den Veröffentlichungen der WHO und der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit e. V. (DTG) entnehmen, siehe folgende Links:

Zu beachten ist, dass die Empfehlungen der beiden Organisationen nicht immer übereinstimmen.

Treten grippeähnliche Symptome oder Magen-Darm-Beschwerden nach einer Reise auf, sollte immer auch an die Möglichkeit einer Malariainfektion gedacht werden. Oft wird Malaria nicht erkannt und mit einer harmlosen Infektion verwechselt, was mitunter zu Todesfällen führt.

Seit einigen Jahren arbeiten Impfstoffhersteller an einem Malariaimpfstoff. Bislang ist jedoch kein Impfstoff für Reisende in Endemiegebiete zugelassen, daher ist die Aufklärung über die Ansteckung und die Prophylaxe nach wie vor wichtig.

Mögliche Interessenkonflikte: Die Autorinnen haben keine deklariert.

Literatur

  1. Empfehlungen der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut 2022, Epidemiologisches Bulletin 2022/4: www.stiko.de.
  2. Empfehlungen der STIKO zur Reiseimpfungen, Epidemiologisches Bulletin 2021/14
  3. WHO Polio-Impfempfehlungen: https://www.who.int/groups/poliovirus-ihr-emergency-committee.
  4. WHO Gelbfieber-Informationen für Reisende: https://www.who.int/health-topics/yellow-fever#tab=tab_1.
  5. RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/merkblaetter_node.html;­ jsessionid=26C473D54008946FC3C020677B778F2B.internet102.
  6. RKI Impfungen A-Z: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/ImpfungenAZ/ImpfungenAZ_node.html;­jsessionid=1BC9EE27C59A85BC7E3E0962971A8CEB.internet052.
  7. Fachinformationen der Impfstoffe.
  8. Robert Koch-Institut. Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2020, Berlin 2021.
  9. Robert Koch-Institut. SurvStat@RKI 2.0.
  10. Rothe C et al. Empfehlungen zur Malariaprophylaxe Flug u Reisemed 2021; 28: 162 – 198, Thieme.
  11. WHO: Global Malaria Programme unter https://www.who.int/teams/global-malaria-programme.
  12. WHO: International travel and health – 12 MAY 2021, Country list; https://www.who.int/publications/i/item/9789241580472.
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