Corona-ImpfungHausarztpraxen müssen Planung umkrempeln

Kaum hat sich die Impf-Organisation in Hausarztpraxen „eingegroovt“, kommt das Gesundheitsministerium mit einer grundlegenden Änderung um die Ecke: Künftig muss zwei Wochen im Vorfeld bestellt werden. Dann jedoch könnte die einzelne Praxis mehr Impfstoff erhalten.

Der Blick in den Kalender wird im Juli für Hausärzte umso wichtiger - denn bis 13. Juli muss eine "doppelte" Impfstoffbestellung abgesetzt sein.

Am Bestellvorgang für Corona-Impfstoffe wird bereits mit der nächsten Bestellung an einer Stelle grundlegend nachjustiert: So bestellen Praxen künftig nicht mehr für die Folgewoche, sondern für die darauffolgende Woche – also mit einer Zeitspanne von zwei Wochen zwischen Bestellung und Lieferung. Das hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) am Mittwochabend (7. Juli) unter Berufung auf neue Vorgaben aus dem Bundesgesundheitsministerium mitgeteilt.

Der neue Bestellmodus soll laut Ministerium erstmals in der Woche vom 26. Juli bis 1. August greifen. Für Hausärztinnen und Hausärzte bedeutet das, dass sie bereits am kommenden Dienstag (13. Juli) einmalig für zwei Wochen den Impfstoff bestellen: wie bisher für die Woche vom 19. bis 25. Juli und zusätzlich für die Woche vom 26. Juli bis 1. August (mehr dazu s. Kasten). Ab dem darauffolgenden Dienstag erfolgt die Impfstoffbestellung jeweils wieder nur für eine Woche – dann immer für die übernächste Woche, sprich: am 20. Juli für die Woche vom 2. bis 8. August.

Die wöchentliche Belieferung bleibt erhalten. Vorgaben zu Bestellmengen soll es mit der neuen Bestellung nicht mehr geben; das Ministerium geht eigenen Angaben zufolge davon aus, dass dann genügend Impfstoff zur Verfügung stehen wird, bestätigte es am Donnerstag (8. Juli) auf Anfrage von “Der Hausarzt”.

Orientierung am Bedarf statt Bevölkerungsschlüssel

Der Kerngedanke hinter der veränderten Bestellung ist ein für Hausarztpraxen grundsätzlich positiver: Sie sollen Impfstoffe künftig nach dem realen Bedarf und nicht mehr orientiert an einem Verteilschlüssel nach dem Bevölkerungsanteil je Bundesland erhalten. Dafür jedoch sei ein früherer Überblick für Ministerium und Großhandel nötig, heißt es.

Damit könnte ein Phänomen aus dem Weg geräumt werden, das Hausärztinnen und Hausärzte in vielen Regionen kritisieren: „Viele wundern sich, dass die Praxis nebenan deutlich mehr Impfdosen erhält als man selber“, sagte Christian Sommerbrodt, Hausarzt in Wiesbaden, kürzlich beim Hausärztetag in Hessen. Dies sei „unverständlich“ und sorge im Praxisalltag für Verwunderung, beobachtet er.

Tatsächlich habe die jetzige Verteilung mitunter dazu geführt, dass Ärzte in manchen Gegenden weniger Dosen erhalten als anderswo, erläutert die KBV. „Da inzwischen immer mehr Menschen gegen Covid-19 geimpft sind, will der Bund die Impfstoffe künftig ausschließlich nach dem Bedarf verteilen und nicht mehr an der Bevölkerungszahl ausrichten.“

Hausärzte kritisieren Bürokratie

Gleichwohl bedeutet die Umstellung auf die bedarfsorientierte Impfstoffbestellung eine neue Umplanung für Hausarztpraxen, die bereits seit dem Impfstart vor rund einem halben Jahr mit immer neuen Vorgaben konfrontiert sind. Sowohl der Deutsche Hausärzteverband wie auch zahlreiche Landesverbände hatten in den vergangenen Monaten immer wieder auf die Herausforderungen hingewiesen, die die Planung der Corona-Impftermine in den Praxen bedeutet hatte.

In einem Rundschreiben an ihre Mitglieder vom Montag (5. Juli) kritisierte etwa Dr. Barbara Römer, Vorsitzende des Hausärzteverbandes Rheinland-Pfalz, dass die „extrem hohe Belastung für die Praxisteams einfach kein Ende“ nehme. Vor allem der „Bürokratieaufwand und die kurze Halbwertszeit von Verwaltungsvorgaben“ seien noch nie so kräftezehrend gewesen wie derzeit.

Einzelnen Stimmen aus der Praxis zufolge zeichnete sich gerade erstmals eine leichte Entspannung ab; die Teamprozesse rund um die Bestellung waren eingespielt. Jetzt gilt es möglicherweise, noch einmal nachzujustieren mit Blick auf die Bestellung zwei Wochen im Voraus.

Wann erhalten Praxen eine Rückmeldung über die tatsächliche Liefermenge?

Hoffnung stiftet das Gesundheitsministerium mit der Aussage, dass ab Ende Juli so viele Impfstoffe zur Verfügung stehen werden, dass jede Praxis ihren Bedarf gedeckt bekommt.

Dennoch, erinnert die KBV, seien Kürzungen wegen zusätzlich anstehender Zweitimpfungen mit mRNA-Vakzinen im Rahmen der heterologen Impfung nicht ausgeschlossen. Es werde derzeit von Ministerium, Impfstoffherstellern und Großhandel geprüft, ob die Arztpraxen zukünftig zumindest etwas früher als bisher eine Rückmeldung erhalten können, ob die bestellte Menge in dem Umfang ausgeliefert werden kann. Bislang erfolgt diese Rückmeldung nur kurz vor der Lieferung.

Verschärft werden könnte die Nachfrage von der angekündigten verstärkten Werbung für die Impfung. Denn die Bundesregierung will die Werbung fürs Impfen forcieren: Das Gesundheitsministerium will dafür die bestehende Impfkampagne “lauter stellen”, wie ein Sprecher am Mittwoch (7. Juli) sagte. So sollten unter anderem TV- und Radiospots an jene gerichtet sein, die über eine zweite Impfung oder über eine Impfung generell nachdenken. Werden sie tatsächlich erreicht, könnte das zu neuen Nachfragen in den Praxen führen.

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