Hausarzt MedizinHIV: 30 Jahre AZT

Vor 30 Jahren kam das erste Medikament gegen HIV und AIDS auf den Markt: Am 20. März 1987 erteilte die US-Arzneimittelbehörde FDA die Zulassung für Azidothymidin (AZT), auch Zidovudin genannt, (Retrovir®).

Das neue Medikament war ein nukleosidischer Hemmstoff des HIV-Enzyms reverse Transkriptase.

Das Besondere: Die Zulassung wurde erteilt, obwohl keine Phase-III-Studie oder überhaupt eine Großstudie vorlagen. Das erschien nötig, da die damals neue Infektion gefährlich und hochansteckend war.

Erst sechs Jahre zuvor, 1981, wurde ein neuartiges Syndrom bekannt. Zunächst waren vorher gesunde homosexuelle Männer, manche noch sehr jung, betroffen. Sie litten unter seltenen Krankheiten, die eigentlich bei älteren Menschen auftraten, wie dem Kaposi-Sarkom. Bald war klar, dass das Immunsystem dieser Patienten schwer gestört war. Im weiteren Verlauf des Jahres 1981 erkrankten auch Heterosexuelle und Drogenabhängige. In Deutschland gab es die ersten Patienten 1982 in Frankfurt/Main, München und Berlin.

1982 bekam diese neue Krankheit vom US-Zentrum für Seuchenkon-trolle CDC ihren Namen: AIDS, „Aquired Immune Deficiency Syndrome“, erworbenes Immundefektsyndrom. Bald stellte sich heraus, dass AIDS auch durch Bluttransfusionen übertragen werden konnte.

Noch war nichts über den Erreger bekannt. Auf Hochtouren wurde danach gesucht. Dann identifizierten Françoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier vom Pasteur-Institut in Paris im Jahr 1983 als erste ein Retrovirus als Auslöser von AIDS. Später (erst 1986) wird dieses Retrovirus „HIV“ (humanes Immundefizienz-Virus) genannt. 2008 wurden die beiden französischen Forscher für ihre Entdeckung mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet.

Wie kann die Vervielfältigung des Virus unterbunden werden?

Sobald bekannt wurde, dass es sich beim Erreger von AIDS um ein humanes Retrovirus handelte, begann die Suche nach einer Therapie. Als geeignetes Arzneimitteltarget bot sich das HIV-Enzym reverse Transkriptase an. Retroviren verwenden dieses Enzym, um DNA aus ihrer viralen RNA zu bilden, sobald sie eine Zelle infiziert haben.

Menschen und andere Säugetiere bilden dieses Enzym nicht. Wenn also dieses virale Schlüsselenzym gehemmt werden könnte, könnte so die Vervielfältigung des Virus unterbunden werden. An den National Institutes of Health (NIH) der USA wurde etwa mit AZT, einen nukleosidischen Inhibitor der reversen Transkriptase, geforscht. AZT war in den 60er Jahren eigentlich als Krebsmittel entwickelt worden, aber fehlgeschlagen. Im Jahr 1985 wies der japanische Virologe und NIH-Mitarbeiter Hiroaki Mitsuya die Wirksamkeit gegen das HI-Virus nach.

Eine Phase-I-Studie mit 35 AIDS-Patienten wurde begonnen. Nach sechs Monaten war in der Verum-Gruppe ein Patient gestorben, in der Kontrollgruppe dagegen gab es 19 Todesfälle. Daraufhin wurde die Studie aus ethischen Gründen abgebrochen, damit auch die Kontrollpatienten AZT bekommen konnten. Somit war AZT die erste bewährte medikamentöse Therapie gegen HIV und AIDS.

1986 kaufte der britische Pharmakonzern Burroughs-Wellcome (heute in GlaxoSmithKline integriert) die Rechte an der Substanz und stellte den Antrag auf Zulassung bei der FDA. Die wurde bald erteilt. 1990 erfolgte die Zulassung als Präventionsmedikament. Die Behandlungskosten lagen damals pro Patient bei 10.000 US-Dollar im Jahr. Das Medikament ist noch immer auf dem Markt. Heute wird AZT allerdings in einer wesentlich geringeren Dosierung verwendet als am Anfang. Außerdem wird es in der Regel mit anderen Medikamenten kombiniert, um einer Mutation des Virus und damit der Resistenz entgegenzuwirken.

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