Ciclosporin & Co. adéTransplantation bald ohne Immunsuppression?

Es könnte eine Revolution in der Medizin werden: Organe, die nach einer Transplantation auch ohne eine Immunsuppression nicht abgestoßen werden. Deutsche Nephrologen und Immunologen sind diesem Ziel jetzt einen kleinen Schritt näher gekommen. Sollte ihr Konzept aufgehen, gäbe es sogar einen neuen Ansatz gegen Autoimmunerkrankungen.

Berlin. In nicht all zu ferner Zukunft könnten Patienten nach einer Transplantation womöglich auf medikamentöse Immunsuppressiva verzichten. Nicht weniger als eine Revolution verheißen die ersten Ergebnisse, die Heidelberger Forscher am Freitag (28. September) auf der 10. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) in Berlin präsentiert haben.

Wenn sich ihre Erfolge aus der Phase-I-Studie in weiteren Studien bestätigen, könnte eine einmalige Gabe speziell aufbereiteten Spenderbluts künftig reichen, um die gefürchtete Transplantatabstoßung zu verhindern. Calcineurinhemmer und Konsorten sowie deren unangenehme Nebenwirkung würden dann der Vergangenheit angehören.

Laut Prof. Martin Zeier könnte das Verfahren sogar bei Autoimmunerkrankungen vielversprechend sein – er sprach gar von „Heilung“. Der ärztliche Leiter des Nierenzentrums am Uniklinikum Heidelberg ist Mitglied der Forschergruppe.

Keine Organabstoßung in Phase-I-Studie

Ihr Verfahren basiert auf den sogenannten Mitomycin-C-induzierten Zellen (MIC). Aus dem peripheren Blut des Spenders gewinnen sie vor der Transplantation mononukleäre Zellen, PBMC genannt. Bis zu 109 Zellen werden den Spendern laut Zeier mittels Leukozyten-Apherese entnommen.

Die werden anschließend mit dem Zytostatikum Mitomycin C behandelt. Durch diese Tortur regulieren auf diesen Zellen immunstimulatorische Oberflächenmoleküle wie CD80 oder HLA-DR herunter, während immunsuppressive Gene aktiviert werden.

Sieben Tage vor der Transplantation erhält der Organempfänger die Zellen per Infusion. Dort inaktivieren sie alloreaktive T-Zellen des Empfängers. Die apoptotischen MIC werden außerdem von unreifen dendritischen Zellen aufgenommen, was sie dran hindert, die Immunabwehr zu gegen die fremden Zellen zu aktivieren (Pediatr Nephrol 2018; 33(2): 199–213. doi: 10.1007/s00467-017-3599-2). Der Empfängerorganismus soll sich somit an das Spendergewebe „gewöhnen“.

Für ihre Phase-I-Studie hatten die Heidelberger Nephrologen und Immunologen auf diese Weise insgesamt zehn Empfänger vor einer Lebendnierenspende konditioniert. Laut Zeier habe man bei den Patienten „bislang keine einzige Abstoßungsreaktion gesehen“ – selbst bei jenen, die nach der Transplantation keine medikamentöse Immunsuppression mehr erhielten. Die Details der Studie sollen in den kommenden Monaten publiziert werden.

Womöglich besseres Langzeitüberleben

Der Vorteil diese Konzepts liegt auf der Hand: Ließe sich auf die Gabe von Immunsuppressiva wie Ciclosporin, Tacrolimus, Basiliximab und andere verzichten, würde das Nebenwirkungspotenzial drastisch sinken. Zu denen gehören bekanntlich Malignome und Infektionen, aber auch Artherosklerose oder Diabetes mellitus mit den üblichen Langzeitfolgen.

Und ließe sich das Immunsystem des Transplantatempfängers durch die Methode der Heidelberger langfristig konditionieren, könnte dies auch das Langzeitüberleben des Organs verbessern. Denn rund jede dritte transplantierte Niere gibt bereits nach rund zehn Jahren im Empfänger seine Funktion auf, wie jüngst publizierte Daten erneut gezeigt haben (Am J Transplant 2018; 18: 1914–1923. doi: 10.1111/ajt.14694). Ähnlich sieht es auch bei anderen transplantierten Organen aus, etwa bei Lebern, deren Zehn-Jahres-Überleben europaweit„nur“ bei rund 50 Prozent liegt (J Hepatol 2012; 57(2): 288–296. doi: 10.1016/j.jhep.2012.03.017).

Die Heidelberger jedenfalls glauben an ihr Konzept: Bereits 2011 haben sie dafür in den USA ein Patent angemeldet (US 2011/0223145 A1). Für die Entwicklung des Verfahrens haben sie außerdem das Start-up TolerogenixX gegründet, das vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) über das Exist-Programm gefördert wurde.

Interessenkonflikt: Der Autor dieses Berichts hat für die Berichterstattung vom Nephrologie-Kongress einen Reisekostenzuschuss der DGfN erhalten.

E-Mail-Adresse vergessen? Schreiben Sie uns.
Passwort vergessen? Sie können es zurücksetzen.
Nur wenn Sie sich sicher sind.

Sie haben noch kein Passwort?

Gleich registrieren ...

Für Hausärzte, ÄiW, Medizinstudenten und MFA ist der Zugang immer kostenfrei.

Mitglieder der Landesverbände im Deutschen Hausärzteverband profitieren außerdem von zahlreichen Extras.


Persönliche Daten

Ihr Beruf

Legitimation
Die Registrierung steht exklusiv ausgewählten Fachkreisen zur Verfügung. Damit Ihr Zugang freigeschaltet werden kann, bitten wir Sie, sich entweder mittels Ihrer EFN zu legitimieren oder einen geeigneten Berufsnachweis hochzuladen.
Einen Berufsnachweis benötigen wir zur Prüfung, wenn Sie sich nicht mittels EFN autorisieren können oder wollen.
Mitglied im Hausärzteverband
Mitglieder erhalten Zugriff auf weitere Inhalte und Tools.
Wir verifizieren Ihre Mitgliedschaft anschließend.

Newsletter
Sie stimmen zu, dass wir Ihre E-Mail-Adresse für diesen Zweck an unseren Dienstleister Mailjet übermitteln dürfen. Den Newsletter können Sie jederzeit wieder abbestellen.

Das Kleingedruckte
Die Zustimmung ist notwendig. Sie können Sie jederzeit widerrufen, außerdem steht Ihnen das Recht zu, dass wir alle Ihre Daten löschen. Jedoch erlischt dann Ihr Zugang.

Auswahl
Alle der unten angegebenen Newsletter
Alle hausärztlich relevanten Ereignisse und News
Nur Meldungen aus der (Berufs-)Politik
Nur Praxiswissen (Abrechnung, Organisation)
Nur Meldungen aus Medizin und Wissenschaft
Neue Spickzettel, Checklisten u.ä.
Inhalt und E-Paper neuer HAUSARZT-Ausgaben

Das Kleingedruckte
Die Zustimmung ist notwendig. Sie können Sie jederzeit widerrufen, außerdem steht Ihnen das Recht zu, dass wir alle Ihre Daten löschen. Jedoch erlischt dann Ihr Zugang.

Auswahl ändern/abbestellen

Wenn Sie für Ihr bestehendes Newsletter-Abo andere Themen auswählen oder den Newsletter abbestellen wollen, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an und wählen Sie die gewünschte Funktion. Wir senden Ihnen dann eine E-Mail zur Bestätigung.

Nach oben