Corona-Studie in KupferzellRKI präsentiert erste Ergebnisse

Im Rahmen der Studie "Corona Monitoring lokal" haben Forscher mehr als 2.000 Menschen im Corona-Hotspot Kupferzell untersucht und befragt. Nun hat das RKI erste Ergebnisse vorgestellt.

Im Rahmen der Studie "Corona Monitoring lokal" haben Forscher mehr als 2.000 Menschen im Corona-Hotspot Kupferzell untersucht und befragt. Nun hat das RKI erste Ergebnisse vorgestellt.
Die Untersuchung "Corona Monitoring lokal" soll in insgesamt vier von Corona stark betroffenen Gemeinden laufen.© Robert Leßmann - stock.adobe.com

Kupferzell. Im Corona-Hotspot Kupferzell  haben Wissenschaftler zwischen 20. Mai und 9. Juni die Untersuchung “Corona Monitoring lokal” durchgeführt. Dafür untersuchten und befragten sie in der 6.000-Einwohner-Gemeinde im Hohenlohekreis mehr als 2.000 Erwachsene. Nun hat das Robert Koch-Institut (RKI) erste Ergebnisse vorgestellt.

Die 2.203 Teilnehmern waren durch einen Rachenabstrich auf eine aktive SARS-CoV-2-Infektion und im Rahmen einer Blutentnahme auf SARS-CoV-2-IgG-Antikörper untersucht worden. Zudem hatten die Forscher mithilfe eines schriftlichen Kurzfragebogens und einer webbasierten oder telefonischen Nachbefragung weitere Informationen erhoben, etwa zu möglichen Expositionen, Suszeptibilität, Symptomatik und Krankheitsgeschichte.

Etwa jeder Zehnte infiziert

Die Untersuchung ergab, dass 7,7 Prozent der Getesteten Antikörper aufwiesen. Weil bei nachweislich mit Corona infizierten Menschen allerdings häufig keine Antikörper nachweisbar sind, liege der tatsächliche Anteil der Menschen, die bereits mit Sars-CoV-2 infiziert waren, wohl merklich höher bei gut 10 Prozent, erklärte RKI-Vizepräsident Lars Schaade.

Selbst ein solcher im Bundesvergleich relativ hoher Wert reiche aber nicht aus, um eine zweite Welle an Corona-Infektionen im Land zu verhindern. Für eine sogenannte Herdenimmunität seien Werte zwischen 60 und 70 Prozent erforderlich.

Eine akute SARS-CoV-2-Infektion sei bei keinem der Teilnehmer festgestellt worden, berichtete die Studienleiterin Claudia Santos-Hövener.

Hohe Dunkelziffer

Die Forscher ermittelten in Kupferzell eine hohe Dunkelziffer: Es gab den Antikörper-Nachweisen zufolge fast vier Mal (3,9) so viele Infizierte wie bisher bekannt waren.

Hinzu kommt allerdings, dass bei mehr als einem Viertel (28,2 Prozent) der Testpersonen mit einem vorherigen positiven PCR-Befund keine Antikörper gegen Corona gefunden wurden, wie Santos-Hövener erklärte. Die tatsächliche Dunkelziffer nicht erfasster Fälle liegt somit wohl noch einmal deutlich höher.

Ein Fehlen nachweisbarer Antikörper bedeute nicht zwingend, dass keine Immunität gegen das Virus bestehe, erläuterte Santos-Hövener auch.

Etwa jeder Sechste ohne typische Symptome

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Etwa jeder sechste positiv auf Antikörper getestete Proband (16,8 Prozent) hatte keine typischen Krankheitssymptome. Das seien deutlich weniger als in der Bevölkerung vielfach angenommen, sagte Schaade.

Er wertete Kupferzell, wo am Freitag keine Corona-Infektionen mehr bekannt waren, als Mut machendes Beispiel dafür, dass man selbst ein großes “Infektionsgeschehen” unterbrechen und beenden könne. Beginne man zügig mit Maßnahmen wie Kontaktunterbrechungen, “kann man den größten Teil der Bevölkerung noch schützen”, betonte Schaade.

Viele Fälle nach Kirchenkonzert

Die Gemeinde Kupferzell war besonders vom Coronavirus betroffen. Viele Menschen hatten sich bei einem Kirchenkonzert am 1. März angesteckt. In den Wochen nach dem Konzert war es zu mehr als 100 bekannten Infektionsfällen gekommen, drei Betroffene waren gestorben.

Die Studie soll in noch drei weiteren von Corona stark betroffenen Gemeinden laufen, darunter im oberbayerischen Bad Feilnbach, wo die Untersuchung schon abgeschlossen ist. Am 8. September soll es im niederbayerischen Straubing weitergehen. Der vierte Ort steht noch nicht fest. Insgesamt sollen die Daten von 8.000 Menschen erhoben werden.

Mit Material von dpa/lsw, dpa

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