Gegenwind für Klinikstudie “Falsch und überzogen”

Die Bertelsmann Stiftung forderte in einer Studie jüngst den drastischen Rückbau der Kliniklandschaft in Deutschland. Die Krankenhausgesellschaft lehnt das ab, Gesundheitsexperte Karl Lauterbach begrüßt dagegen die Stoßrichtung.

Die Bertelsmann Stiftung forderte in einer Studie jüngst den drastischen Rückbau der Kliniklandschaft in Deutschland. Die Krankenhausgesellschaft lehnt das ab, Gesundheitsexperte Karl Lauterbach begrüßt dagegen die Stoßrichtung.
Sauber, modern, hinreichend qualifiziertes Personal - Kennzeichen eines gesunden Krankenhausbetriebs© upixa stock.adobe.com

Berlin. Der SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach hält die Empfehlung einer Studie, von derzeit 1.400 Krankenhäusern nur 600 größere und bessere zu erhalten, für überzogen. „Der Grundtenor der Studie ist zwar richtig“, sagte der Gesundheitsexperte der „Passauer Neuen Presse“ (Dienstag). „Aber die Berechnung, dass man bis zu zwei Drittel der Krankenhäuser abbauen könnte, die halte ich aber für falsch und überzogen.“ Deutliche Kritik kommt dagegen von der Berliner Krankenhausgesellschaft (BKG). Ein pauschaler Kahlschlag fern der Versorgungsrealität und -bedürfnisse helfe nicht weiter, erklärte der stellvertretende BKG-Geschäftsführer Oliver Heide auf Anfrage. In Berlin sei die Versorgungsqualität nachweislich hoch, die Krankenhäuser seien relativ groß und zu circa 85 Prozent ausgelastet. In der wachsenden Stadt würden zudem weitere Kapazitäten benötigt.

Lauterbach: Förderung von Randgebieten wichtig

Lauterbach sagte, tatsächlich sei es so, dass mit weniger Kliniken die Qualität wahrscheinlich steigen würde, „wenn die richtigen Krankenhäuser geschlossen, fusioniert oder in ambulante Einrichtungen umgewandelt würden“. „Bei weniger Krankenhäusern hätten wir mehr Pflegekräfte, Ärzte und Erfahrung pro Bett und Patient und könnten auf überflüssige Eingriffe verzichten.“ Der SPD-Politiker warnte aber, es dürften nicht die falschen Krankenhäuser geschlossen werden. „Klar ist: Es darf keine Gewinnmaximierung durch Krankenhausschließungen geben.“ Dringend notwendig sei die Förderung von Krankenhäusern in dünn besiedelten Regionen und auf dem Land.

Konzentrationsbewegung gefürchtet

Heide hält dagegen, dass Spezialisierungen auf bestimmte Behandlungsgebiete in Berlin längst stattfänden. Zudem müsse auch eine Grundversorgung in Wohnortnähe erhalten bleiben. Eine Neustrukturierung würde Milliarden-Investitionen durch das Land erfordern, „wo doch schon jetzt der erforderliche Investitionsbedarf bei weitem nicht gedeckt wird“, so Heide weiter.

Kritik an der Bertelsmann-Untersuchung kam auch vom Deutschen Städtetag: „Studien, die einen Konzentrationsprozess mit einer derart drastischen Zahl von Krankenhausschließungen befürworten, werden der Situation und dem Bedarf vor Ort nicht gerecht“, sagte die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin Verena Göppert der „Frankfurter Rundschau“ (Dienstag).

Studie: Mehr als die Hälfte überflüssig

Laut einer am Montag veröffentlichten Studie der Bertelsmann-Stiftung könnte die Patientenversorgung durch die Schließung von mehr als jedem zweiten Krankenhaus in Deutschland erheblich verbessert werden. Wenn die Zahl der Kliniken von derzeit knapp 1400 auf weniger als 600 sinke, könnten die verbleibenden Häuser deutlich mehr Personal und eine bessere Ausstattung erhalten, hieß es. Nur Kliniken mit größeren Fachabteilungen und mehr Patienten seien erfahren genug für eine sichere Behandlung, betonen die Autoren vom Berliner Institut für Gesundheits- und Sozialforschung (Iges).

Quelle: dpa, dpa/bb

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