ECIMInnere Medizin – interdisziplinär und europäisch

Die Europäische Föderation für Innere Medizin implementiert derzeit ein europäisches Curriculum für Innere Medizin. Zu den Bemühungen um mehr Interdisziplinarität gehört ein Europäischer Kongress für Innere Medizin, der in diesem Jahr in Wiesbaden stattfand. Er stand unter dem Motto: Die Kunst, die klinische Komplexität zu managen.

Die Europäische Föderation für Innere Medizin implementiert derzeit ein europäisches Curriculum für Innere Medizin. Zu den Bemühungen um mehr Interdisziplinarität gehört ein Europäischer Kongress für Innere Medizin, der in diesem Jahr in Wiesbaden stattfand. Er stand unter dem Motto: Die Kunst, die klinische Komplexität zu managen.
Treffpunkt des 17. European Congress of Internal Medicine (ECIM): das brandneuen Rhein-MainCongress Centrum in Wiesbaden© Peter Krausgrill

Zurückhaltung bei subklinischer Hypothyreose

Thyreotropin (TSH) zeigt normalerweise eine logarithmisch-lineare Abhängigkeit zu freiem Thyroxin (FT4). Das Konzept der subklinischen Hypothyreose umfasst einen erhöhten TSH-Wert bei FT4 im Normbereich. Prof. Robin P. Peeters, Rotterdam, warnte aber davor, eine solche Diagnose bereits aufgrund einer Messung zu stellen.

Bei einem Drittel der Patienten mit einmal erhöhten TSH bei normwertigem FT4 normalisierten sich die Befunde nach vier Monaten wieder, betonte er. Zudem sollten altersabhängige Referenzwerte beachtet werden, denn TSH steigt mit dem Alter an. Ein Wert von 7,0 mU/l ist beispielsweise bei einer 78-jährigen Patientin nach Daten der Thyreoid Studies Collaboration noch nicht mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko und nur mit einer gering erhöhten kardiovaskulären Mortalität assoziiert.

Peeters empfahl folgendes Vorgehen: Bei einmalig erhöhtem TSH-Wert bei normwertigem FT4 sollte nach drei bis vier Monaten die Bestimmung wiederholt werden. Bei einem Wert von unter 10 mU/l ist generell keine Therapie indiziert, bei einem Wert ≥ 10 mU/l und einem Alter von über 70 Jahren auch nicht, sondern nur bei Patienten bis zu einem Alter von 70 Jahren und ≥ 10 mU/l TSH bei normwertigem FSH.

Gegen den Adipositas-Tsunami schon bei Kindern ansetzen

Weltweit nimmt die Prävalenz von Adipositas und damit das Risiko für spätere Folgeerkrankungen wie Diabetes Typ 2 schon im Kindesalter zu. Präventionsprogramme müssen deshalb früh ansetzen. Interventionen zur Förderung einer gesunden Ernährung und körperlichen Aktivität in der Schule alleine reichen aber nicht aus, wie die britische WAVES-Studie kürzlich zeigte.

Teilnehmer an dem 12-monatigen Programm entwickelten genauso häufig Übergewicht und Adipositas wie Kontrollen ohne die Intervention. „Wir müssen die Gesellschaft verändern“, betonte Dr. Dror Dicker, Hasharon (Israel). Eine parteiübergreifende parlamentarische Arbeitsgruppe in Großbritannien will derzeit genau das erreichen.

Sie hat Maßnahmen vorgeschlagen, um eine deutliche Kalorien- und Zuckerreduktion in der Kinderernährung zu erreichen. Dazu gehört ein Werbeverbot für Lebensmittel und Getränke, die einen hohen Fett-, Zucker- oder Salzanteil haben. Diese Werbung soll nur noch nach 21 Uhr erlaubt sein, also nach der Familien-Fernsehzeit.

Mortalität bei Diabetes sinkt – bei Männern

Im Juni kam eine gute Nachricht aus den USA: Seit Ende der 1980er Jahre ist die Gesamtmortalität bei Patienten mit Diabetes in den USA pro Jahrzehnt um 20 Prozent gesunken. Der genauere Blick offenbarte allerdings, dass die Verringerung der Übersterblichkeit bei Diabetes nicht alle gleichermaßen betraf. Sie wurde nicht gefunden bei Patienten im Alter zwischen 20 und 44 Jahren – und auch nicht bei Frauen, wie Prof. Alexandra Kautzky-Willer, Wien, in Wiesbaden betonte.

Über die Ursachen der Geschlechtsunterschiede wird noch spekuliert. Bekannt ist, dass es zwischen Männern und Frauen sowohl Unterschiede bezüglich der relevanten Risikofaktoren für Komplikationen des Diabetes als auch dem Ansprechen auf Therapien gibt. So erreichen Frauen mit Insulin seltener die HbA1c-Zielwerte als Männer und es kommt bei ihnen häufiger zu schweren Hypoglykämien allgemein und in der Nacht.

GLP-1-RA: Nicht alle gleich!

Neue Antidiabetika müssen in kardiovaskulären Endpunktstudien zeigen, dass sie mehr können, als nur den Blutzucker zu senken. Einige GLP-1-Rezeptor-Agonisten (GLP-1-RA) waren dabei erfolgreich – aber nicht alle, betonte Prof. Thomas Pieber, Graz.

So konnte Exenatid nicht sig- nifikant die Rate schwerer kardiovaskulärer Ereignisse (MACE) senken, Liraglutid und Semaglutid dagegen sehr wohl. Dabei war der Vorteil bei Liraglutid vor allem auf die Reduktion der kardiovaskulären Mortalität zurückzuführen, bei Semaglutid dagegen vor allem auf nicht fatale Schlaganfälle. GLP-1-RA unterschieden sich pharmakokinetisch deutlich voneinander, gehören aber auch pharmakologisch unterschiedlichen Gruppen an, erläuterte Pieber.

Exenatid ist ein Analogon des in seiner Struktur dem GLP-1 ähnlichen Exendin-4, einem Hormon aus dem Speichel der Gila-Krustenechse. Dagegen stellen Liraglutid, Albiglutid, Dulaglutid und Semaglutid humane GLP-1-Analoga dar. Letztlich ist aber unklar, wo die unterschiedlichen klinischen Effekte herrühren.

Die „Jakinibs“ kommen

Bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen etabliert sich derzeit eine neue Klasse von Wirkstoffen, die oralen Januskinase(JAK)-Inhibitoren, die Prof. Ole H. Nielsen, Kopenhagen, kurz als „Jakinibs“ bezeichnete. Allerdings gibt es verschiedene Januskinasen mit spezifischen Zytokinliganden.

Das erklärt die unterschiedliche Effektivität der Wirkstoffe bei Colitis ulcerosa und Morbus Crohn, bei denen unterschiedliche Zytokine eine wesentliche Rolle spielen. In Studien ist der JAK-1,3-Hemmer Tofacitinib bei Colitis ulcerosa, der JAK-1-Hemmer Filgotinib dagegen bei Morbus Crohn wirksam.

Neue GERD-Therapie

Kalium-kompetitive Säureblocker können direkt die Säurebildung im Magen unterdrücken. Damit sind sie eine neue potenzielle Standardtherapie bei gastroösophagealem Reflux (GERD), findet Prof. Per M. Hellström, Uppsala.

In einer retrospektiven Studie besserten sich die GERD-Symptome bei Therapie mit dem kaliumkompetitiven Säureblocker Vonoprazan bei 76 der 88 Helicobacter pylori-negativen Patienten mit GERD (86 Prozent), bei 50 (57 Pro- zent) waren die Symptome vollständig verschwunden. Die Therapie verringerte auch eine erosive Ösophagitis.

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