Hausarzt MedizinEkzemtherapie braucht Grundlage und Wirkstoff

15 bis 20 Prozent der Patienten in der Hausarztpraxis weisen eine Hauterkrankung auf. Ekzeme sind dabei die häufigste Form. Bei der topischen Therapie muss beides stimmen – Grundlage und Wirkstoff.

Ekzem

Ein knappes Fünftel aller dermatologischen Patienten ist von einer Dermatitis bzw. Ekzemen betroffen. In den Sommermonaten und in der Urlaubszeit ist die wohl häufigste Dermatitis der Sonnenbrand. Standard ist eine topische Behandlung, z. B. mit einer Schüttelmixtur oder Lotion (vergleiche Tabelle 1). Die Flüssigkeit verdunstet und kühlt dabei, der enthaltene Puder verbleibt auf der Hautoberfläche.

Bei der Atopischen Dermatitis (Neurodermitis) ist die Wahl der Grundlage (Creme oder Salbe, vergleiche Tabelle 1) auch vom Patientenwunsch abhängig. Daher sollte man die Präferenz erfragen und auch Verschiedenes ausprobieren, riet Braun-Falco. Zudem ist die Wahl auch von der Jahreszeit abhängig: Im Sommer ist eher eine Creme geeignet, die weniger okklusiv ist, im Winter, wenn die Haut ohnehin trockener ist, rät Braun-Falco eher zu einer Salbe.

Wirkstoffe und Grundlage ergänzen sich

Wohl die wichtigste Wirkstoffgruppe der Dermatologie sind die Glukokortikosteroide (GKS). Hydrokortison ist laut Braun-Falco für die Therapie von Dermatosen zu schwach, im Alltag werden z.B. bei Atopischer Dermatitis meist GKS der Klasse II und III verwendet. Wird die Therapie mit einem starken GKS begonnen, darf die Therapie nicht sofort nach Rückgang der Hautsymptome aufhören, da es sonst zu einem Rebound kommt. „Sie müssen das wie bei einer systemischen Steroidtherapie langsam abbauen. Das erreichen Sie beispielsweise, indem sie von zweimal tägliche auf einmal tägliche Anwendung der steroidhaltigen Creme oder Salbe heruntergehen und das andere Mal dann nur noch die Grundlage als Pflegecreme einsetzen“, riet Braun-Falco.

Das zeigt schon, dass es auch bei der Therapie mit GKS mit auf die Grundlage ankommt. Bei einem Lichen chronicus Vidal, einer chronischen Hautverdickung mit relativ geringer entzündlicher Aktivität an Scheuerstellen empfiehlt Braun-Falco immer eine Salbe, damit der Wirkstoff, beispielsweise Mometasonfuorat, gut die verdickte Haut penetrieren kann. Aber das reicht oft nicht, betonte er und empfahl zunächst eine Keratolyse, damit der Wirkstoff überhaupt eine Möglichkeit hat einzudringen.

Keratolyse – Dosis beachten

Das wichtigste Keratolytikum ist die Salicylsäure. Sie kann in 5 – 10-prozentiger Konzentration in Vaseline angewendet werden. Für die Kopfhaut empfahl Braun-Falco dieselbe Konzentration in Oleum Oleatum. Palmoplantar ist eine Salicylsäurekonzentration von bis zu 20 Pozent in Vaseline möglich, bei Nägeln bis zu 30 Prozent und mehr. „Hier muss man aber sehr aufpassen, dass man die umgebende Haut rund um die Nägel nicht irritiert“, betonte Braun-Falco.

Eine Alternative zur Keratolyse bei Erwachsenen sind Harnstoffpräparate in einer Konzentration von 5 bis 10 Prozent. Harnstoff erhöht auch die Wasserbindungskapazität des Stratum corneum, ein Hauptgrund, warum es gut geeignet ist bei Atopischer Dermatitis, weniger wirksam ist es dagegen bei Psoriasis.

Auch Kinder brauchen manchmal Steroide

Eltern wünschen häufig keine Therapie mit GKS. Doch bei Kindern mit schwerer Atopischer Dermatitis müssen schon einmal zwei bis drei Tage GKS der Klasse II und III eingesetzt werden, betonte Braun-Falco: „Eine starke Entzündung müssen sie auch stark therapieren.“ Nach Ende der akuten Ekzemphase stehen dann als Alternative Calcineurin-Inhibitoren zur Verfügung, die ab einem Alter von zwei Jahren zugelassen und auch für Erwachsene geeignet sind. Für die Therapie akuter Ekzeme sollten sie dagegen nicht eingesetzt werden, da sie dann stark brennen.

Lokale antiseptische Therapie

Gelbliche Beläge auf Ekzemen zeigen eine Staphylokokken-Besiedelung an, glänzend feuchte Regionen deuten ebenfalls auf eine gestörte Bakterienflora hin. Für eine lokale antiseptische Therapie werden in der Dermatologie immer noch Farbstoffe wie Genitianaviolett (Methylrosaniliniumchlorid, 0,1- oder 0,5 Prozent-Lösung) oder Eosindinatrium (0,5 Prozent / 1 Prozent / 2 Prozent-Lösung) eingesetzt, daneben 1 – 3-prozentiges Triclosan als Zubereitung oder Fertigprodukt. Ist nicht nur eine antiseptische, sondern eine antibiotische Therapie notwendig, sind auch Kombinationspräparate von Antibiotika mit GKS erhältlich: „Achten sie aber auf Resistenzraten“, riet Braun-Falco.

Eine fett-feuchte-Behandlung von Ekzemen mit Steroiden und feuchten Wickeln kann beispielsweise an Extremitäten sehr gut und wirksam angewendet werden und spart antiseptische Therapie ein.

Schwere Hautreaktion auf Medikamente

Eine Medikamenten-Überempfindlichkeit kann alleOrgane betreffen, zeigt sich aber besonders häufigan der Haut, im schlimmsten Fall in einer toxischen epidermalen Nekrolyse. Ein zunächst diffuses lokales Erythem breitet sich innerhalb von drei bis vier Tagen über den ganzen Körper aus. Bei Scherung löst sich die Oberhaut von den darunter liegenden Hautschichten ab. Die Situation ist so lebensbedrohlich wie eine schwere Verbrennung.

Verursachende Medikamente laut Braun-Falco):

  • Sulfonamide (Cotrimoxazol)

  • Antikonvulsiva (Carbamazepin, Phenytoin, Lamotrigin)

  • Nichtsteroidale Antirheumatika (Metamizol, Pyrazalone)

  • Allopurinol

Inzwischen konnten eine ganze Reihe von HLA-Allelen identifiziert werden, die mit einer Medikamenten-Hypersensitivität assoziiert sind. Beispiel ist das AllelHLA A*33:03, das mit einer Hypersensitivität für Carbamazepin und schweren Hautreaktionen wie der toxischen epidermalen Nekrolyse einhergeht. Das hat bereits praktische Konsequenzen: In China wird Carbamazepin nur noch verordnet, wenn zuvor ein Test auf die entsprechenden Risikoallele negativ ausgefallen ist. Braun-Falco geht davon aus, dass solche Tests auch hierzulande kommen werden.

Quelle: 4. MSD-Forum „Die Hausarztpraxis im Fokus“ in Berlin

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