Hausarzt MedizinDiabetes in Marsch setzen

Lebensstilmaßnahmen wie körperliche Aktivität sind wirksam zur Diabeteskontrolle und für die Herzgesundheit einsetzbar. Die Einsicht in die Notwendigkeit von mehr Bewegung ist das eine, die Umsetzung etwas ganz anderes. Ein Olympiaarzt gibt Tipps.

Fitness spielt ganz unabhängig vom Gewicht eine Rolle für das Diabetesrisiko. Fitte adipöse Menschen haben in etwa ein dreifach erhöhtes Diabetesrisiko – genauso wie normalgewichtige Personen mit einer geringen Fitness, erläuterte Prof. Dr. Berndt Wolfahrt, Ärztlicher Leiter der Sportmedizin der Charité in Berlin und leitender Olympiaarzt des Deutschen Olympischen Sportbundes.

Bei bereits bestehendem Typ-2-Diabetes ist die kardiovaskuläre Mortalität klar sowohl mit dem Body Mass Index (BMI) als auch mit der Fitness assoziiert. Unfitte Patienten haben dabei ein deutlich höheres Risiko, an kardiovaskulären Ursachen zu versterben als fitte adipöse Diabetiker mit einem BMI von über 30 kg/m2.

Spazierengehen wirkt

Bewegung stärkt die Fitness und hilft beim Abnehmen. Studien haben untersucht, wie gut das mit verschiedenen Programmen gelingt. "Make your diabetes patients walk" ermunterte 179 Patienten zu beliebigem Spazierengehen. Ab vier Stunden dieser leichten Aktivität pro Woche über zwei Jahre hinweg ließ sich bereits ein günstiger Effekt auf Körpergewicht und Bauchumfang, aber auch HbA1c, systolischen und diastolischen Blutdruck und Blutfette erreichen [1]. Bei 5,5 Stunden Spazierengehen pro Woche sank der HbA1c beispielsweise um 0,88 – "das ist ähnlich einer medikamentösen Monotherapie", betonte Wolfahrt.

In der Look-Ahead-Studie nahmen Patienten mit Diabetes Typ 2 randomisiert entweder ein Jahr an einer intensiven Lebensstilmaßnahme mit Beratung, gemeinsamer Sportgruppe und Ernährungsprogramm teil oder erhielten nur einmalig eine Aufklärung über Lebensstilmaßnahmen [2]. Über ein Jahr schafften in der Gruppe mit intensiver Lebensstilintervention 55 Prozent das Ziel einer Gewichtsabnahme um 7 Prozent, in der Kontrollgruppe nur 8 Prozent. "8 kg ist eine realistisch machbare Gewichtsreduktion, die auch Effekt auf die kardiovaskuläre Risiken hat", ergänzte Wolfahrt. Blutzuckerwerte, HbA1c und Triglyceride nahmen mit der Gewichtsreduktion in der Interventionsgruppe deutlich ab. Auch Diabetesmedikamente wurden weniger benötigt. An einem Patientenbeispiel erläuterte Wolfahrt, wie man im Einzelfall Patienten mit Diabetes zur Bewegung motivieren kann (siehe Kasten).

Ausdauer oder Kraft?

Eine Europäische Leitlinie zur kardiologischen Rehabilitation empfiehlt ein mindestens dreimal wöchentliches Ausdauertraining über mehr als 20 – 30 Minuten, besser 45 – 60 Minuten [3]. Bei Patienten mit Diabetes ist laut Wolfahrt oft aber ein kombiniertes Kraft-Ausdauer-Training günstiger. Der Muskelaufbau hat bei Diabetes besonders günstige Effekte, häufig fehlt den Patienten auch schlicht die Kraft für ein Ausdauertraining und sie profitieren im Alltag spürbar von der zunehmenden Kraft. "Das merken die Patienten rasch und das ist auch günstig für die Motivation und Compliance", ist Wolfahrts Erfahrung.

Nicht zu viel auf einmal

Wichtig ist, die optimale Trainingsintensität zu bestimmen. Patienten, die sich bisher kaum mehr bewegt haben, haben auch oft kein gutes Körpergefühl. "Sie wissen gar nicht, wie das ist, sich überhaupt zu belasten", meinte Wolfahrt. Häufig fangen sie zu intensiv und im anaeroben Bereich an, bekommen Schmerzen und hören deshalb zu früh wieder mit der Bewegung auf. Die angestrebte Trainingsadaptation wird nicht erreicht, eine Leistungssteigerung ist unmöglich.

Die optimale Trainingsintensität wird oft in der Spiroergometrie bestimmt, es genügt aber laut Wolfahrt auch die Fahrradergo- metrie zur Bestimmung der maximalen Herzfrequenz und die Ermittlung der Ruheherzfrequenz morgens oder ggf. aus dem Ruhe-EKG ermittelt. Die Herzfrequenzreserve lässt sich dann mit Hilfe der Karvonen-Formel bestimmen ( Abb. 1). Legt man als Faktor 50 – 60 Prozent der Herzfrequenzreserve für das aerobe Training zugrunde, liegt die Trainingsherzfrequenz dann bei 105 – 130/Minute.

"Wogging": schnelles und normales Gehen im Wechsel

Für Patienten mit Herzkrankheiten und Diabetes sollte man mit halber Intensität beginnen. Nach zwei Wochen empfiehlt Wolfahrt dann das "Wogging": einen Wechsel von Spazierengehen in normalem Tempo (1 Minute) und in flottem Tempo (2 Minuten). Später können die Intervalle auf 5 Minuten schnelles Gehen und 2 Minuten normales Gehen verlängert werden, ab Woche 9 ist auch ein Block von 15 Minuten schnellem Gehen möglich. So kann die maximale Sauerstoffaufnahme deutlich gesteigert werden, so Wolfahrt: "Das merken gerade auch die älteren Patienten im Alltag rasch, z.B. beim Treppensteigen mit Einkaufstüten.

So bringen Sie Ihre Diabetes-Patienten in Schwung

  • Sagen Sie dem Patienten nicht, es geht um Sport. Es geht um Bewegung!

  • Vor dem Training die Medikation optimieren.

  • Für Gesundheitseffekte auf Blutdruck, Glukosestoffwechsel und Fettstoffwechsel reicht schon regelmäßiges Spazierengehen über mehr als fünf Stunden pro Woche insgesamt.

  • Empfohlen wird Bewegung 30 Minuten täglich oder auch dreimal anderthalb Stunden pro Woche – wie es besser zu realisieren ist.

  • Andere günstige Formen der Bewegung: Radfahren, Nordic Walking, Treppensteigen, Schwimmen.

  • Zu Beginn Vorgabe für maximale Herzfrequenz (aerobe Belastung!)

  • Zur Motivation:

Literatur:

  • 1. Die Loreto C et al. Diabetes Care 2005; 28(6): 1295-302.

  • 2. Look AHEAD Research Group et al. Diabetes Care 2007; 30(6): 1374-83

  • 3. European Association of Cardiovascular Prevention and Rehabilitation Committee for Science Guidelines et al. Eur Heart J 2010; 31(16): 1967-74

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