SchilddrüseWas tun bei Hyperthyreose?

Die Hyperthyreose ist eine krankhafte Überfunktion der Schilddrüse, die durch erhöhte Spiegel der Schilddrüsenhormone im Blut charakterisiert ist. Lesen Sie hier über die Formen, Ursachen und Symptome der Erkrankung sowie diagnostische und therapeutische Möglichkeiten.

Definition

  • Vermehrte Synthese und Freisetzung von Schilddrüsenhormonen mit Erhöhung des fT3-Werts und/oder des fT4-Werts über den oberen Normbereich bei basalem TSH-Wert unter dem Normwert

Einteilung

Prävalenz

  • Hyperthyreose insgesamt: 1,2–1,6 Prozent
  • Manifeste Hyperthyreose: 0,5–0,6 Prozent
  • Subklinische Hyperthyreose: 0,7–1,0 Prozent

Ursachen

  • Morbus Basedow
  • Schilddrüsenautonomie (unifokal, multifokal, disseminiert)
  • Vermehrte Freisetzung von Schilddrüsenhormonen durch thyreoidalen Gewebezerfall bei Schilddrüsenentzündungen
  • Medikamenteninduzierte Hyperthyreosen, z.B. durch Jod, Amiodaron, Interferon alpha, Tyrosinkinase-Inhibitoren, Lithium
  • Überdosierung von synthetischen Schilddrüsenhormonen (Hyperthyreosis factitia)
  • Schilddrüsenhormonresistenz
  • Schwangerschaftshyperthyreose, Gestationshyperthyreose
  • TSH-produzierende Tumoren, Schilddrüsenkarzinome

Symptome

  • Tachykardie
  • Herzrhythmusstörungen
  • Wärmeintoleranz
  • Schwitzen
  • Tremor
  • Schwäche
  • Gewichtsabnahme
  • Diarrhö
  • Haarausfall
  • Heißhunger
  • Konzentrationsmangel
  • Vermehrte Reizbarkeit
  • Hyperaktivität
  • Nervosität
  • Rasche Ermüdbarkeit

Folgen einer unbehandelten Hyperthyreose

  • Erhöhtes Risiko für Osteoporose und Frakturen
  • Vorhofflimmern
  • Embolische Ereignisse
  • Kardiovaskuläre Erkrankungen
  • Thyreotoxische Krise mit Zunahme der klinischen Symptomatik (Tachykardie, Fieber, Schwitzen, Exsikkose, Somnolenz, Koma, Kreislaufversagen)

Diagnose

  • Anamnese
  • Symptome (s.o.)
  • Jodexposition (Nahrungsergänzungsmittel, Röntgenkontrastmittel, Medikamente wie Amiodaron, Betaisodona)
  • Medikamente wie L-Thyroxin, Glukokortikoide u.a.
  • Klinische Untersuchung
  • Puls
  • Prüfung auf Tremor
  • Palpation einer Struma
  • Palpation der Haut (feucht, warm)
  • Endokrine Orbitopathie (Exophthalmus, Schmerzen oder Druckgefühl hinter dem Augapfel beim Blick nach oben, unten oder zur Seite, Rötung und Schwellung der Augenlider)
  • Bestimmung von Laborwerten
  • TSH, fT3, fT4
  • Bei Verdacht auf M. Basedow: TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK)
  • Bei Verdacht auf Hashimoto-Thyreoiditis: Thyreoperoxidase-Antikörper (TPO-AK)
  • Sonografie
  • Beurteilung der Schilddrüsengröße und des Schilddrüsengewebes
  • Untersuchung auf Knoten
  • Szintigrafie
  • Bei Schilddrüsenknoten über 1 cm
  • Bei latenten oder manifesten Funktionsstörungen
  • Bei Verdacht auf eine Schilddrüsenautonomie
  • Weitere Untersuchungen
  • Bei suspekten oder kalten Knoten: Feinnadelpunktionen
  • Bei Verdacht auf eine endokrine Orbitopathie: Kernspintomo-grafie der Augenhöhle

Medikamentöse Therapie

    • Indikationen
    • Manifeste Hyperthyreose
    • Latente Hyperthyreose in Abhängigkeit von Alter, Symptomen und Begleiterkrankungen (siehe Tabelle 2)
    • Thyreostatika
    • Substanzen: Carbimazol, Thiamazol, Propylthiouracil
    • In der Regel nur vorübergehend, Dauertherapie nur bei sehr kurzer Lebenserwartung
    • Mögliche Nebenwirkungen: Leberfunktionsstörungen, Hautausschlag, Juckreiz, Agranulozytose
    • Vor Therapiebeginn Differenzialblutbild und Bestimmung der Leberwerte
    • Überprüfung der Schilddrüsenwerte nach 2 bis 3 Wochen und ggf. Dosisanpassung
    • Betablocker
    • Ggf. bei kardialen Symptomen

Definitive Therapie

    • Indikationen
    • Unverträglichkeit der thyreo-statischen Therapie
    • Therapierefraktäre oder rezidivierende Hyperthyreose
    • Komplikationen unter medikamentöser Therapie
    • Hohes Rezidivrisiko bei M. Basedow
    • Radiojod-Therapie
    • Bei latenter oder manifester Hyperthyreose, Schilddrüsenautonomie, M. Basedow, zur Strumaverkleinerung, bei differenzierten Schilddrüsenkarzinomen
    • Mögliche Nebenwirkungen: Schmerzhafte Strahlenthyreo–iditis, Freisetzung von Schilddrüsenhormonen
    • Operation
    • Erste Wahl bei Stridor, hochgradiger Trachealstenose, Tracheomalazie
    • Indiziert bei Schildrüsenknoten mit Malignomverdacht, größeren Basedow-Strumen, entzündlicher endokriner Ophthalmopathie
    • Mögliche Komplikationen: Vorübergehender oder permanenter Hypoparathyreoidismus, Schädigung des Nervus laryngeus recurrens oder des Nervus laryngeus superior, Blutungskomplikationen, Komplikationen durch die Allgemeinanästhesie

Weitere Maßnahmen

  • Bei thyreotoxischer Krise: Intensivmedizinische Behandlung

 

Quellen:

  1. Kahaly GJ et al. 2018 European Thyroid Association Guideline for the Management of Graves’ Hyperthyroidism. Eur Thyroid J 2018;7:167–186
  2. Ross DS et al. 2016 American Thyroid Association Guidelines for Diagnosis and Management of Hyperthyroidism and Other Causes of Thyrotoxicosis. Thyroid. 2016; 26: 1343 – 1421.
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