Serie Teil 3Klimawandel bringt neue Krankheiten in die Praxis

Die Folgen des Klimawandels scheinen oft weit entfernt. Mitunter zeigen sie sich aber auch in deutschen Hausarztpraxen – etwa in Form veränderter Krankheitsbilder. Eine Übersicht.

Durch die Klimaveränderungen breiten sich hochallergene Pflanzen auch in Deutschland aus.

Beispiel 1: Hochallergene Pflanzen breiten sich aus

Mit der Ausbreitung hochallergener Pflanzen – allen voran der Beifuß-Ambrosie – nimmt auch die Zahl der Rhinitis- oder gar Asthma-Patienten in Hausarztpraxen zu. Zuletzt hatte die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) deswegen Alarm geschlagen: Die gemeldeten Großvorkommen rund um Stuttgart – Gebiete mit mindestens hundert, nicht selten weit über tausend und in drei Fällen auch mehr als 100.000 Pflanzen – seien von 222 im Jahr 2017 auf 243 im vergangenen Jahr angewachsen. Bestände der Pflanze sollen gemeldet und noch vor Beginn der Blüte bekämpft werden. Allergiker, die mit der Ambrosia-Pflanze in Kontakt kommen, klagen über schwere allergische Reaktionen sowie häufig Bindehautentzündungen.

Beispiel 2: Neue Zeckenarten bringen neue Erreger

Dass “Krankheitsvektoren” bereits wandern und sich dies noch verstärken wird, beobachtet Dr. Oliver Funken, Vorsitzender des Hausärzteverbands Nordrhein. “Zu nennen sind die Tigermücke mit dem Chikungunya- und dem Dengue-Fieber, das West-Nil-Fieber und durch die milden Winter eine Zunahme der Borreliosen und Hantaviren-Infektionen.” Zusätzlich werden in Deutschland immer öfter neue, teils tropische Zeckenarten gesichtet, die auch heimisch zu werden drohen.

Auch wenn solche Infektionen in der Hausarztpraxis bislang die Ausnahme seien, ist Aufmerksamkeit gefragt, betont Dr. Gerhard Dobler vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr (IMB). Finden Hausärzte auffällige Exemplare von Zecken an ihren Patienten, so sollten sie diese dem örtlichen Gesundheitsamt melden, erklärt er. Die Gesundheitsämter könnten bei Fragen unterstützen und würden die Funde an forschende Institute weiterleiten.

An der Universität Hohenheim haben Dobler und seine Kollegen aktuell vor allem zwei Arten im Visier: die Braune Hundezecke, die zwar vornehmlich Vierbeiner betrifft, deren Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit jedoch weiter erforscht wird, sowie die tropische Hyalomma-Zecke. Sechs Exemplare sind in dieser Saison gesichtet worden – die erstmals nicht nur eingeschleppt wurden, sondern in Deutschland überwintern konnten. Erkennungszeichen: Die wärmeliebenden Tiere mit den geringelten Beinen sind doppelt bis dreimal so groß wie europäische Verwandte. Sie gelten im eurasischen Raum als wichtige Überträger des Virus des Krim-Kongo Hämorrhagischen-Fiebers und des Arabisch Hämorrhagischen Fiebers (Alkhumra-Virus). Auch das Bakterium Rickettsia aeschlimannii, das eine Form des Zecken-Fleckfiebers auslöst, kann übertragen werden.

Beispiel 3: Verlusterfahrungen befördern psychische Leiden

Eine indirekte Folge des Klimawandels, die laut dem Hausarzt und Klima-Aktivisten Dr. Ralph Krolewski noch zu wenig diskutiert wird, sind psychische Leiden. Denn: Nicht selten gehen die Folgen des Klimawandels – etwa Starkregenereignisse mit Überschwemmungen oder Dürren mit Ernteausfällen bei Landwirten – auch hierzulande mit Verlusten oder Sorgen einher. Auch diese schlagen nicht zuletzt in der Hausarztpraxis auf, erinnert Krolewski.

“Aufgebrauchte Ressourcen, steigende Temperaturen, Extremwetterereignisse, Dürren und andere Faktoren können Naturlandschaften verändern, die Nahrungs- und Trinkwasserversorgung unterbrechen, die Bedingungen für die Landwirtschaft und Landnutzung verändern, Infrastrukturen schwächen, finanziellen Stress erhöhen (…) und Menschen aus ihrer Heimat vertreiben”, konstatiert auch der Aufruf zum Handeln für die “Planetare Gesundheit” der WONCA, der sich speziell an Hausärzte richtet [1]. “Die Bewältigung all dieser Stressfaktoren (…) kann zu einem höheren Erkrankungsrisiko für Depressionen, posttraumatische Belastungsstörungen, Angstzustände und Suizide führen.”

Beispiel 4: Hitzeperioden lassen Patientenzahlen steigen

Die Zahl länger anhaltender Hitzeperioden steigt nachweislich. Gerade für bestimmte Patientengruppen – ältere, chronisch kranke oder Patienten mit Asthma oder COPD – ergeben sich dadurch erhebliche Gesundheitsrisiken (“Der Hausarzt” 12/19, s. Kasten), was sich nicht zuletzt in einem erhöhten Patientenaufkommen in der Praxis zeigt.

Quelle: 1. WONCA Planetare Gesundheit www.hausarzt.link/GFgEM, auf Deutsch www.hausarzt.link/qFuRs

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