Unstatistik des Monats“Wahrscheinlich HIV-positiv” ist nicht wahrscheinlich

Einen HIV-Selbsttest kann seit Oktober 2018 jeder in Apotheken und Drogerien kaufen. Doch die Tests können Patienten verunsichern, weil nicht erklärt wird, was das Ergebnis für sie bedeutet, meinen die Autoren der "Unstatistik des Monats".

“Sie sind wahrscheinlich HIV-positiv”, heißt es in der Anleitung des HIV-Selbsttests “autotest VIH”, den die Deutsche Aidshilfe empfiehlt. Um das Ergebnis zu prüfen, sollen sich Betroffene an einen Arzt wenden. Das Kleingedruckte weist auch auf falsch positive oder falsch negative Ergebnisse hin. Nicht verständlich erklärt wird jedoch, “was ein positives Testergebnis wirklich bedeutet”, wenn die Sensitivität 100 Prozent und die Spezifität 99,8 Prozent beträgt, kritisiert Prof. Gerd Gigerenzer in der “Unstatistik des Monats” des RWI. Wie wahrscheinlich ist “wahrscheinlich HIV-positiv”?

Von 6.000 Deutschen ist 1 infiziert

Viele gingen davon aus, “eher infiziert zu sein als nicht”, schreibt der Psychologe. Dabei ist das Gegenteil der Fall, zeigt seine Überschlagsrechnung (s. Abb.): In Deutschland leben laut Statistischem Bundesamt etwa 69 Millionen über 18-Jährige. Darunter vom Robert Koch Institut geschätzt 11.400, die von ihrer HIV-Infektion nichts wissen: davon 2.700 durch heterosexuelle Kontakte, die anderen durch Sex zwischen Männern oder intravenösem Drogengebrauch. Von je rund 6.000 Deutschen ist also in etwa einer infiziert (69 Millionen dividiert durch 11.400).

Dieser wird mit Sicherheit (100 Prozent) positiv testen (wenn zwischen Risikokontakt und Test drei Monate liegen). Von den 5.999 Gesunden fällt der Test bei 12 trotzdem positiv aus. Das folgt aus der Falsch-Alarm-Rate von 0,2 Prozent. Von insgesamt 13 Personen, die positiv testen, ist also nur einer tatsächlich infiziert (positiver prädiktiver Wert). “Sie sind wahrscheinlich HIV-positiv” bedeutet also, dass die Wahrscheinlichkeit bei nur etwa acht Prozent liegt, dass man infiziert ist. Anders gesagt: 92 Prozent der Tester mit positivem Ergebnis tragen wahrscheinlich kein HI-Virus.

“Bei Heterosexuellen ohne Risikoverhalten, dem größten Teil der Deutschen, ist die Wahrscheinlichkeit infiziert zu sein, nochmals deutlich kleiner, sie liegt unter fünf Prozent”, sagt Gigerenzer. Der “autotest VIH” ist dabei nur ein Beispiel, bei anderen Selbsttests im Handel sind die Gebrauchsanleitungen ähnlich missverständlich.

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