Zu guter LetztSiegfried Häußler

Vor 50 Jahren erhielt der Hausarzt Siegfried Häußler von der Medizinischen Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg einen Lehrauftrag. Man gab ihm den Titel „Tätigkeit des praktischen Arztes“. Dies war die späte Geburt der Allgemeinmedizin an deutschen medizinischen Hochschulen und Unis, von denen auch heute noch nicht alle einen Lehrstuhl für die hausärztliche Medizin eingerichtet haben.

Politische und musische Begabung wurde Häußler – viertes Kind eines schwäbischen Bürgermeisters aus gebildeter Familie – in die Wiege gelegt. Schon als Kind spielte er gut Klavier, studierte Medizin in Innsbruck und Jena. Sein Staatsexamen legte er 1942 an der Uni Tübingen ab, wo er auch promovierte. Er wurde Truppenarzt bei einer Panzereinheit und 1945 als Schwerkriegsbeschädigter aus englischer Gefangenschaft entlassen. Im selben Jahr ließ er sich als praktischer Arzt in der Gemeinde Altbach nieder.

Bereits 1946 gründete er den „Geislinger Kreis“ mit, der 1949 die Keimzelle für den Landesverband Baden-Württemberg des Hartmannbundes war. Häußler war dessen Vorsitzender (1949-57). Von 1953 bis 1959 war er stellvertretender, von 1959 bis 1963 Erster Vorsitzender des Hartmannbundes und gründete die Stiftung „Ärzte helfen Ärzten“.

Ab 1957 bis zu seinem Tod war Häußler ununterbrochen Erster Vorsitzender der KV Nordwürttemberg in Stuttgart und in Gremien der KBV aktiv, wo er sich besonders um den Aufbau des „Zentralinstitutes“ verdient machte. Von 1985 bis 1988 hatte er das Amt des Vorsitzenden der KBV inne. Im Oktober 1986 berief ihn der damalige Minister Norbert Blüm in den „Ärztlichen Sachverständigenbeirat“ beim Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung. Häußler ist Wegbereiter der Allgemeinmedizin an den deutschen Universitäten.

Er förderte das Fach in Aus- und Weiterbildung – auch als Chef des Zentralinstitutes der KBV. Schon 1968 forderte er eine konsequente Qualifizierung der praktischen Ärzte und deren gleichrangigen Status mit den spezialisierten Fachärzten, schlug dem Deutschen Ärztetag den Facharzt für Allgemeinmedizin vor, und sah die bestandene Facharztprüfung als Voraussetzung für die hausärztliche Tätigkeit an. Aber seine Anträge auf Ärztetagen fanden nur Mehrheiten, wenn sie unverbindliche Zielsetzungen beinhalteten. Konkrete Beschlüsse mit obligatorischem Inhalt lehnte die Mehrheit der Klinik- und Spezialgebietsärzte ab.

Nach seiner Habilitation 1968 bei Prof. Ludwig Heilmeyer, Freiburg, mit der Habilitationsschrift „Kostenkenntnis für Sozialversicherte, Analyse und Ergebnisse eines fünfjährigen Experimentes“ erhielt Häußler die Lehrbefugnis für das Fach Allgemeinmedizin an der neu gegründeten Ulmer Uni, wo er 1973 zum außerplanmäßigen Professor ernannt wurde. Als Vorsitzender der Vereinigung der Hochschullehrer und Lehrbeauftragten für Allgemeinmedizin e. V. forderte er Lehrstühle in Allgemeinmedizin an allen Universitäten. Dafür hatte er damals Mehrheiten in der verfassten Ärzteschaft.

Zu Häußlers vielen Auszeichnungen zählt das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern, welches ihm Minister Blüm kurz vor seinem Tod 1989 verlieh. In seinen Dankesworten an den Minister fasste er sein Bekenntnis zur Notwendigkeit der Allgemeinmedizin zusammen. Er wurde Ehrenmitglied des Hausärzteverbandes, damals noch BPA, Ehren-Fellow des Royal College of General Practitioners, erhielt die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg (1977), die Ehrenmedaillie der Uni Ulm (1987) und die Hartmann-Thieding-Plakette des Hartmannbundes (1980). Die Paracelsus-Medaille der BÄK bekam er nicht. Ob er sie angenommen hätte, blieb sein Geheimnis.

Quelle: Daten aus Aufzeichnungen des Autors

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