MeinungLeserbrief HA 13/22

Zu unserem Artikel "Reisevorbereitung für Diabetiker" aus der Ausgabe HA 11/22 hat uns eine Leserzuschrift erreicht. Dr. Veronika Hollenrieder schreibt dazu: "Globaler Insulinverzicht ist gefährlich!"

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Betreff: “Reisevorbereitung für Diabetiker”, HA 11 vom 20.6.22, S. 46

Man muss grundsätzlich trennen zwischen Reisevorbereitungen und Handlungsstrategien für schwierige Situationen im Urlaub. In dem Kasten “Sick Day Rules” geht es um Verhaltensstrategien. Wenn keine Nahrungsaufnahme möglich ist – meist ist ja hier ein Infekt die Ursache – dann sind die BZ-Werte in der Regel trotzdem erhöht – einerseits erhöht der BZ per se die BZ-Werte, andererseits kommt es verstärkt zu Glukoneogenese bei verringerter oder fehlender Nahrungsaufnahme.

Ich halte es für sehr gefährlich, hier eine globale Insulindosisreduktion oder gar ein Auslassen des Insulins zu empfehlen!

Mischinsuline sind kaum noch im Einsatz. Die Insulindosis – egal um welches Insulin es sich handelt – muss grundsätzlich an den aktuellen BZ angepasst werden. Geschieht dies nicht, kommt es zur Ketonämie – im Extremfall Ketoazidose. Neben Metformin müssen auch SGLT2-Inhibitoren abgesetzt werden. Diese sind inzwischen nahezu ebenso verbreitet im Einsatz wie Metformin.

Was in dem Artikel fehlt, ist das Thema BZ-Kontrolle mittels Sensor. ICT-Patienten haben diese vielfach im Einsatz. Sie müssen im Urlaub Ersatzsensoren dabeihaben und, falls ein Sensor defekt ist oder verloren geht, auch ein klassisches BZ-Messgerät mit den dazugehörigen Teststreifen. Für Insulinpumpenträger sollte zusätzlich die Überprüfung der Ketone möglich sein (Urinmessung oder blutige Messung).

Der Absatz zum nasalen Glucagon ist verwirrend: Ein Nasenspray enthält 3 mg Wirksubstanz und ist damit im Notfall ausreichend.

Dr. Veronika Hollenrieder, Ambulantes Diabeteszentrum Unterhaching

Antwort:

Herzlichen Dank für Ihre wertvollen Ergänzungen zu unserem Artikel. Ein Auslassen der Insulindosis bei fehlender Nahrungsaufnahme ist in der Tat nicht zu empfehlen.

Als im Krankenhaus tätiger Internist und Diabetologe habe ich jedoch häufig schwere Hypoglykämien gesehen, wenn die volle Insulindosis bei Patienten mit fehlender Nahrungsaufnahme gegeben wurde. Es hat sich für mich bewährt, die Insulindosis bei fehlender Nahrungsaufnahme zu halbieren – auf “Normalstation” ist eine leichte Hyperglykämie weniger gefährlich als eine schwere Hypoglykämie.

Und auch bei Reisen ist die Hypoglykämie gefährlicher als moderat erhöhte Blutzuckerwerte. Natürlich muss der Reisende bei fehlender Nahrungsaufnahme, besonders im Rahmen eines Infektes, seinen Blutzucker engmaschig kontrollieren und gegebenenfalls mit Gaben von kurzwirksamem Insulin gegensteuern.

Bei Neueinstellungen werden Mischinsuline heutzutage in der Tat seltener eingesetzt, weil die Patientinnen und Patienten damit inflexibler bezüglich der Nahrungsaufnahme sind und eine strenge Blutzuckereinstellung oft nicht möglich ist.

Ich betreue aber viele alte Menschen, die einen geregelten Tagesablauf haben und mit zweimal täglicher Gabe eines Mischinsulins hervorragend eingestellt sind. Diese scheuen häufig die einer intensivierten Insulingabe erforderlichen häufigen Blutzuckermessungen.

Ich danke Frau Dr. Hollenrieder für den wichtigen Hinweis, dass bei Infekten selbstverständlich nicht nur Metformin, sondern auch SGLT2-Inhibitoren wegen der Gefahr einer Laktazidose unbedingt abgesetzt werden müssen.

Richtig und wichtig ist auch, dass Träger von Insulinpumpen die Möglichkeit haben müssen, Ketone im Urin und – wenn möglich – auch im Blut zu messen.

Für die zunehmend mit einem Sensor ausgestatteten Patientinnen und Patienten gilt das Gleiche wie für die Insulinpumpen: Wenn der Hersteller im Reiseland nicht kurzfristig ein Ersatzgerät liefern kann, müssen Ersatzsensoren mitgenommen werden.

Selbstverständlich – und das gilt nicht nur für Reisen, sondern auch zu Hause – muss jeder Sensorträger in der Lage sein, seinen Blutzucker “klassisch” mit BZ-Messgerät und Teststreifen zu bestimmen. Da diese Fähigkeit ohne Übung schnell verloren geht, sollte die Blutzuckermessung anlässlich einer bevorstehenden Reise noch einmal geübt werden.

 Dr. Andreas Leischker, Facharzt für Innere Medizin-Diabetologie, Klinische Geriatrie, und Anne Bäurle, Redakteurin “Der Hausarzt”

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