Chronische WundenWundinfektionen im ambulanten Bereich

Mitte September 2019 wurde ein Positionspapier von neun Wundexperten zum Thema indikationsgerechte Versorgung von Patienten mit chronischen Wunden in der WUNDMANAGEMENT 5/2019 veröffentlicht. Federführender Autor, PD Dr. med. A. Schwarzkopf, ist Spezialist für Hygiene und Infektionsepidemiologie und gibt seine Einschätzung zur Relevanz von antimikrobiellen Verbandmitteln.

Mitte September 2019 wurde ein Positionspapier von neun Wundexperten zum Thema indikationsgerechte Versorgung von Patienten mit chronischen Wunden in der WUNDMANAGEMENT 5/2019 veröffentlicht. Federführender Autor, PD Dr. med. A. Schwarzkopf, ist Spezialist für Hygiene und Infektionsepidemiologie und gibt seine Einschätzung zur Relevanz von antimikrobiellen Verbandmitteln.
© GAB photography

Herr Dr. Schwarzkopf, wie unterschied sich die Wundversorgung früher von heute?

Früher wurden trockene Verbände verwendet: eine Schicht Jodsalbe und eine Wundkompresse – bestenfalls zusätzlich ein Gitter. Bei jedem Verbandwechsel mussten die Verbände von der Wunde gerissen werden. Gerade bei chronischen Wunden – die Fachgesellschaft ICW definiert hier eine Heildauer von über 8 Wochen – führte das zu langwierigen Wundheilungsprozessen mit geringer Heilungschance. Dank moderner Verbandmittel werden Wunden heute feucht gehalten.

Die Verbände lassen sich leichter lösen und ermöglichen so eine schnellere Heilung. Zudem werden seit 20 Jahren die Patienten in den Heilprozess miteinbezogen und über mögliche Risiken und Einflussfaktoren wie Wundinfektionen und das Rauchen aufgeklärt.

Gibt es besondere Herausforderungen bei Wundinfektionen im ambulanten Bereich?

Im häuslichen Umfeld zeigen sich viele Patienten weniger diszipliniert im Umgang mit ihren Wunden. Hinzu kommt, dass die Verbände nicht täglich, sondern nur alle 2 bis 3 Tage gewechselt werden können. Dadurch können gerade in der Reinigungsphase der Wunde leicht Infekte entstehen, die zumeist erst spät erkannt und entsprechend versorgt werden können.Dies bringt auch besondere Anforderungen an die Fachkräfte und das verwendete Verbandmaterial mit sich.

Wie lassen sich Wundinfektionen vermeiden?

Durch richtige Hygiene vor allem. Zudem können moderne Verbände mit gutem Exsudatmanagement das Infektionsrisiko senken, da sich weniger Bakterien am Wundgrund ansammeln. Wenn diese Verbände eine Wölbung zum Wundgrund aufweisen, können Keime besonders effektiv gebunden werden.

Wie sollten infizierte chronische Wunden behandelt werden?

Oft kommen viel zu früh Antibiotika zum Einsatz, obwohl Antiseptika zur Behandlung lokaler Infektionen ausreichend wären. Nicht antibiotische Wirkstoffe, wie antimikrobielle Wundtherapeutika und Wundauflagen, z.B. silberhaltige Verbandmittel, bieten sich hier an. Antibiotika werden z.B. für Lymphadenitis und Phlegmone benötigt.

Keimbindung versus Keimabtötung – wo liegt der Unterschied?

Verbandmittel mit Keimbindung eignen sich zur Versorgung von Wunden mit geringer Bakterienlast und zur Infektionsprävention, da sie das Exsudat und die darin enthaltenen Bakterien aufnehmen. Bei hohem Infektionsrisiko oder bestehender Infektion sind hingegen antiseptische Verbandmittel zur aktiven Keimelimination indiziert. In beiden Fällen ist ein direkter Kontakt der Verbandmittel zum Wundgrund besonders effektiv, um Keime dort zu binden oder zu eliminieren.

Welche Vorteile bieten antimikrobielle Wundauflagen?

Neben ihren antimikrobiellen Eigenschaften, auch gegen multiresistente Keime, können diese Verbandmittel mehrtägig angewendet werden – der tägliche Verbandwechsel entfällt. Wenn sie durch den aktuellen GSAV- Beschluss aus der Erstattungsfähigkeit fallen, sind vermehrt schwere Infekte und Amputationen, z.B. beim diabetischen Fuß, zu befürchten. Dadurch würde es wieder vermehrt zu Antibiotikaeinsätzen kommen.

Literatur

  1. Bonkowski T et al: Versorgung von Menschen mit chronischen Wunden – Fokus Wundinfektion in der außerklinischen Versorgung. Wundmanagement 2019; 13(5):244-248
  2. Dissemond J et al: Standards des ICW e. V. für die Diagnostik und Therapie chronischer Wunden. Wundmanagement 2017;2:81–86
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