Vitamin-B12-Mangel ­rechtzeitig behandeln

Mangelernährung, gastrointestinale Erkrankungen, aber auch häufig verordnete Medikamente wie Metformin oder PPI können einem Vitamin-B12-Mangel Vorschub leisten. Um irreversible neurologische Schäden zu vermeiden, ist eine frühzeitige Erkennung und adäquate Behandlung entscheidend. Bei ausreichend hoher Dosierung ist eine orale Therapie auch bei Patienten mit Resorptionsstörungen wirksam.

Ein Vitamin-B12-Mangel kann ernährungsbedingt sein, entsteht jedoch auch häufig aufgrund von Resorptionsstörungen. Magenre-sektionen und die bei älteren Menschen besonders häufigen atrophischen Gastritiden können beispielsweise die Produktion von Intrinsic Factor und somit die B12-Resorption beeinträchtigen. Auch bestimmte Medikamente begünstigen einen B12-Mangel. Dazu zählen unter anderem Säureblocker, vor allem Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI), sowie Metformin, bestimmte Antibiotika, chronischer Alkoholabusus und Lachgas.

Früherkennung ist wichtig, um irreversible Schäden zu vermeiden

Bleibt ein B12-Mangel unbehandelt, dann kann es zu einer makrozytären Anämie mit erhöhtem MCV und MCH kommen. Neurologische Schäden treten häufig auch ohne begleitende Anämie auf. Die Betroffenen entwickeln eine sensomotorische Polyneuropathie sowie das klassische Bild der funikulären Spinalerkrankung (Myelose). Wie Prof. Marija Djukic, Fachbereich Geriatrie, Evangelisches Krankenhaus Göttingen-Weende, bei einer Online-Pressekonferenz berichtete, scheint ein Vitamin-B12-Mangel auch bei Demenz gehäuft vorzukommen. Bereits diskrete kognitive oder psychische Symptome könnten auf einen B12-Mangel hindeuten. „Aufgrund der frühen unspezifischen Symptome wird ein Vitamin-B12-Mangel leicht übersehen,“ warnte Djukic. Um schwerwiegende Folgen zu vermeiden, ist eine rechtzeitige Erkennung und Behandlung essenziell. Die Ausprägung des Vitamin-B12-Mangels korreliere allerdings nicht mit der Schwere der Anämie. Bis zu 40% aller von einem B12-Mangel Betroffenen hätten zudem einen Eisenmangel, der das hämatologische Bild – einschließlich MCV – kaschiert. Ein Screening könne daher letztlich nur über eine direkte Messung des Vitamin-B12-Serumspiegels erfolgen. Liegt dieser im „Graubereich“ zwischen 200 und 400 ng/l, dann ist laut Prof. Karlheinz Reiners, Facharzt für Neurologie aus Erkelenz, eine weitere Abklärung via Holo-Transcobalamin (HoloTC) sowie gegebenenfalls Methylmalonsäure (MMA) und Homocystein (Hcy) angezeigt.

Vitamin B12 hoch genug dosieren

„Die Substitution von Vitamin B12 ist durch die Möglichkeit der hochdosierten oralen Gabe deutlich erleichtert worden“, sagte Reiners. Sie eigne sich auch bei Patienten ohne regelmäßigen Arztkontakt oder bei Spritzenphobie. Wie Djukic betonte, sei bei der oralen Therapie auf eine ausreichend hohe Dosierung zu achten. Eine erhöhte MMA-Konzentration im Serum ist ein metabolischer Marker für einen B12-Mangel. In einer Dosisfindungsstudie an über 70-Jährigen lag die statistisch ermittelte niedrigste Dosis, mit der eine maximale MMA-Senkung erreicht werden kann, im Bereich 647–1.032 μg Cyanocobalamin [1]. Eine Cochrane-Metaanalyse zeigte, dass eine orale Dosierung von 1.000 µg Cobalamin (enthalten z. B. in B12 Ankermann® Dragees) wirksam ist [2]. Auch bei gastralen Resorptionsstörungen oder nach totaler Gastrektomie erwies sich die orale Substitution in dieser Dosierung als geeignet [3,4]. Bei neurologischen oder hämatologischen Manifestationen, insbesondere bei schweren, soll die Therapie Djukic zufolge zunächst parenteral erfolgen und kann im Anschluss hochdosiert oral fortgeführt werden.

Literatur

  1. Eussen SJPM et al: Arch Intern Med 2005;165:1167–72
  2. Wang H et al: Cochrane Database Syst Rev 2018;3: CD004655
  3. Andrès E et al: J Clin Med 2018;7:304
  4. Moleiro J et al: J Gastroenterol 2018;25:117–22
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