Vitamin-B12-MangelSchwerwiegende Folgen frühzeitig verhindern

Ein Vitamin-B12-Mangel tritt nicht nur ernährungsbedingt auf, sondern auch als Folge von Resorptionsstörungen. Umso wichtiger ist es, die potenzielle Unterversorgung bei Risikopersonen zu bedenken, früh zu diagnostizieren und zu behandeln. Hierzu gehören Veganer, ältere Menschen und auch Patienten, die einen Magensäureblocker und/oder Metformin einnehmen.

Müdigkeit und Erschöpfung sind oft erste Zeichen eines Vitamin-B12-Mangels. Außerdem können neurologische Symptome wie eine Stand-/Gangunsicherheit sowie Gefühlsstörungen an Händen oder Füßen auf das Defizit hinweisen. Hellhörig sollte man nach Prof. Karlheinz Reiners, Erkelenz, auch werden, wenn der Patient über Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen klagt oder über eine depressive Stimmung oder ein „Burn out“-Syndrom.

Risikopersonen frühzeitig untersuchen

Da solche Symptome oft nicht richtig zugeordnet werden, ist es laut Reiners wichtig, Risikopersonen in puncto Vitamin-B12-Versorgung generell im Blick zu behalten und entsprechend zu untersuchen. „Denn bei einem manifesten Vitamin-B12-Mangel drohen gravierende hämatologische und neurologische Folgeerkrankungen“, betonte der Mediziner bei einem virtuellen Pressegespräch.

Bei Risikopersonen ist folglich ein Screening auf einen Vitamin-B12-Mangel angezeigt, erklärte Prof. Andreas Michalsen, Berlin. Zu denken ist daran bei Vegetariern und Veganern, die oft unzureichende Mengen an Vitamin B12 mit der Nahrung aufnehmen, und bei älteren Patienten. Gefährdet sind ferner Patienten mit Resorptionsstörungen infolge einer chronischen Magen-Darmerkrankung oder einem Mangel an dem Bindungsprotein Intrinsic Factor.

Nicht vergessen werden sollte laut Reiners, dass auch Medikamente die Resorption von Vitamin B12 hemmen können. Dies ist der Fall bei Magensäureblockern wie Protonenpumpenhemmern und H2-Rezeptor-Antagonisten sowie auch bei Metformin [1], [2]. So liegt Studien zufolge bei mehr als der Hälfte der Typ-2-Diabetiker unter Metformin ein Vitamin-B12-Mangel vor [3].

Diagnostik nach Ampelsystem

Besteht der Verdacht auf einen Vitamin-B12-Mangel, ist nach Prof. Rima Obeid, Homburg, ein Screening mittels Biomarker angezeigt, wobei sich die Messung der Gesamt-Vitamin-B12-Konzentration im Plasma oder Serum etabliert hat. Liegt der Wert über 308 pmol/l, so ist von einem „grünen Bereich“ auszugehen.

Die „Ampel“ springt auf gelb unter diesem Wert und auf rot bei Konzentrationen unter 180 pmol/l. Im „gelben“ Bereich rät Obeid dazu, als weitere Biomarker die Konzentration der Methylmalonsäure im Plasma zu bestimmen oder wie bei Werten im „roten“ Mangelbereich direkt mit der Behandlung zu beginnen.

Hochdosierte orale Behandlung

Liegt ein schwerer Vitamin-B12-Mangel vor, wird zunächst parenteral supplementiert, ansonsten und ebenso als Erhaltungstherapie mittels einer hochdosierten oralen Vitamin-B12-Gabe.

Die orale Supplementierung hat sich in Studien selbst bei Patienten mit Resorptionsstörungen als wirksam erwiesen, sofern sie ausreichend hoch, also im Bereich von 1.000 μg, dosiert wird [4], [5]. Zu beachten ist, dass zur Mangel-Therapie nur Arzneimittel zugelassen sind (z. B. B12 Ankermann®, 1.000 μg Cyanocobalamin pro Dragee). Wie eine aktuelle Studie zeigt, lassen sich mit einer hochdosierten oralen Supplementation bei Patienten unter Metformin-Therapie sowohl die Vitamin-B12-Spiegel anheben als auch neurologische Befunde signifikant verbessern [6].

Literatur

  1. Lam JR et al: JAMA 2012;310(22):2435-2442
  2. Yang W et al: J Diabetes 2019;11(9):729-743
  3. Shivaprasad C et al: Acta Diabetologica 2020;57:1073-1080
  4. Andrès E et al: J Clin Med 2018;7,304
  5. Moleiro J et al: GE Port J Gastroenterol 2018;25:117-122
  6. Didangelos T et al: Nutrients 2021;13:395
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