Diabetische Neuropathie früh erkennen und behandeln

Eine Neuropathie ist bei Diabetes-Patienten häufig, wird in der Praxis jedoch oft erst spät diagnostiziert und behandelt. Eine rechtzeitige Diagnose und frühzeitige multimodale Therapie sind aber entscheidend, um der Progression der Nervenschädigung, Symptomen und schwerwiegenden Komplikationen erfolgreich entgegenwirken zu können. Über aktuelle Aspekte berichteten Experten anlässlich des Diabetes-Kongresses.

Die distale sensomotorische Polyneuropathie (DSPN) gilt als die häufigste Manifestation der diabetischen Neuropathien; etwa jeder dritte Mensch mit Diabetes ist davon betroffen [1]. Bis zu einem Viertel leidet unter schmerzhafter DSPN, bei bis zu 50% verläuft sie jedoch asymptomatisch. „Gerade diese Fälle entziehen sich oft der frühzeitigen Diagnose“, erklärte Prof. Dan Ziegler, Düsseldorf, auf einer Online-Veranstaltung anlässlich des Diabetes-Kongresses [8].

Dass die klinische Bedeutung der DSPN nach wie vor unterschätzt wird, zeigen Studien der Nationalen Aufklärungsinitiative (NAI) zur diabetischen Neuropathie. Die Autoren ermittelten eine zuvor nicht diagnostizierte schmerzhafte bzw. nicht-schmerzhafte DSPN bei über 57% bzw. 82% der Teilnehmer mit Typ-2-Diabetes [2]. In einer aktuellen Umfrage zeigte sich, dass fast 90% der Ärzte bei ihren Patienten mit Diabetes regelmäßig auf eine DSPN screenen, aber weniger als ein Drittel wendet dabei standardisierte Scores an [8]. Um den schwerwiegenden Folgen einer progressiven Nervenschädigung möglichst rasch zu begegnen und die Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten, empfahl Ziegler, frühzeitig nach Hinweisen auf eine DSPN zu suchen und zeitnah eine Behandlung einzuleiten.

Drei Säulen der Therapie

Die Therapie der DSPN beruht auf drei Säulen: Der individualisierten, stadiengerechten, multimodalen Diabetestherapie inklusive der Behandlung kardiovaskulärer Riskofaktoren, der pathogenetisch orientierten Therapie mit Benfotiamin und/oder Alpha-Liponsäure sowie der symptomatischen Schmerztherapie.

Da es bei Diabetes aufgrund der chronischen Glukose-Exposition zu einem Substratdruck kommt, werden Glukose-Metabolite vermehrt über toxische Abbauwege verstoffwechselt. „Diese toxischen Stoffwechselprozesse führen auf unterschiedlichen Wegen zu einer Gewebeschädigung“, erklärte Prof. Kristian Rett, München.

Bei Diabetes-Patienten besteht zudem teilweise ein gravierender Mangel an Vitamin B1 (Thiamin) [3]. Dieser resultiert in komplexen metabolischen Störungen, welche die toxischen Auswirkungen der Hyperglykämie verstärken können [4]. Dem wirkt die pathogenetisch orientierte Therapie mit Benfotiamin, der fettlöslichen, hoch bioverfügbaren Vitamin-B1-Vorstufe, entgegen. Benfotiamin (z.B. milgamma® protekt) gleicht den Thiamin-Mangel aus und aktiviert die thiaminabhängige Transketolase – ein Enzym, das die Glukose-Metabolite einem unschädlichen Abbauweg zuführt [5].

Die positiven Effekte zeigten sich in klinischen Studien bei Diabetes-Patienten mit DSPN, die eine Linderung der neuropathischen Symptome erfuhren [6]. Auch das Antioxidans Alpha-Liponsäure (z. B. Thiogamma®) kann neuropathische Symptome verbessern, indem es die pathogenen Prozesse der Nervenschädigung beeinflusst [7].

Sobald die Lebensqualität der Patienten mit einer schmerzhaften Form der DSPN beeinträchtigt ist, ist zusätzlich eine symptomatische Therapie der neuropathischen Schmerzen angezeigt.

Literatur

  1. Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2021
  2. Zieger D et al: Diabetes Res Clin Pract 2018;193:147-154
  3. Anwar A et al: Cureus 2020;12(5):e8027
  4. Page GL et al: Int J Clin Pract. 2011;65(6):684-90
  5. Hammes HP et al: Nat Med 2003; 9(3):294-299
  6. Stracke H et al: Ep Clin Endocrinol Diabetes 2008; 116(10):600-605
  7. Ziegler et al: Diabetes Care 2006;29(11):2365-2370
  8. Online-Expertengespräch der Nationalen Aufklärungsinitiative zur diabetischen Neuropathie (NAI) am 12.05.21 anlässlich des Diabetes Kongresses
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