SERIE Cochrane-Evidenz für die HausarztpraxisWeniger gesättigte Fette: Sinnvoll oder nicht?

Dyslipidämie-Leitlinien empfehlen, gesättigte Fette zu reduzieren. Cochrane hat sich mit den Auswirkungen einer solchen Ernährungsumstellung beschäftigt.

Eine Änderung der empfohlenen Fettaufnahme wird seit den 90er Jahren wissenschaftlich diskutiert. Europäische Leitlinien zur Behandlung von Dyslipidämie raten zu einer Reduzierung gesättigter Fette, basierend auf zahlreicher Evidenz, einschließlich mehrerer systematischer Übersichtsarbeiten.

Cochrane hat es sich zum Ziel gesetzt, die Evidenz aus Studien zu Auswirkungen der Reduktion gesättigter Fette zu bewerten. Dabei haben die Wissenschaftler die Auswirkungen auf die Gesamtmortalität, die kardiovaskuläre Morbidität und andere gesundheitliche Ereignisse genauer untersucht [1]. Die Zusammenfassung in einfacher Sprache (Plain Language Summary) des Reviews finden Sie unten.

Verringerte Aufnahme gesättigter Fettsäuren bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen [1]

Zusammenfassung in einfacher Sprache

Wirkung der eingeschränkten Aufnahme gesättigter Fettsäuren über die Nahrung auf das Risiko von Herzerkrankungen

Fragestellung des Reviews

Wir wollten herausfinden, welche Wirkungen die eingeschränkte Aufnahme von gesättigten Fettsäuren in unserer Nahrung (der Ersatz von tierischen und harten pflanzlichen Fetten durch Pflanzenöle, Brotaufstriche mit ungesättigten Fettsäuren und mehr stärkehaltige Nahrungsmittel) auf die Gesundheit hat.

Hintergrund

Gesundheitlichen Leitlinien zufolge ist es gut für unsere Gesundheit, die aufgenommene Menge an gesättigten Fettsäuren durch das Einschränken tierischer Fette zu verringern. Wir wollten sämtliche verfügbare Evidenz kombinieren, um herauszufinden, ob das Befolgen dieser Empfehlung zu einem verringerten Risiko führt, zu sterben oder eine Herz-Kreislauf-Erkrankung (Herzerkrankung oder Schlaganfall) zu bekommen.

Studienmerkmale

Wir bewerteten die Wirkung einer Verringerung der Menge an gesättigten Fettsäuren in der Nahrung über mindestens zwei Jahre auf gesundheitsbezogene Endpunkte wie Tod, Herzerkrankungen und Schlaganfall. Wir berücksichtigten nur Studien mit Erwachsenen (18 Jahre und älter). Durchgeführt wurden diese Studien mit Männern und Frauen mit und ohne Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wir schlossen keine Studien mit akut erkrankten Menschen oder schwangeren oder stillenden Frauen ein.

Hauptergebnisse

Wir fanden 15 Studien mit über 56.000 Teilnehmern. Die Evidenz ist auf dem Stand von Oktober 2019. Der Review zeigt, dass das Einschränken der gesättigten Fettsäuren zu einer Verringerung des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (einschließlich Herzerkrankungen und Schlaganfall) um 17 % führte, sich jedoch nicht auf das Sterberisiko auswirkte.

Außerdem konnte gezeigt werden, dass sich gesundheitliche Vorteile ergeben, wenn gesättigte Fette durch mehrfach ungesättigte Fette oder stärkehaltige Lebensmittel ersetzt werden. Je stärker gesättigte Fettsäuren reduziert wurden und je mehr das gesamte Serumcholesterin verringert wurde, desto größer war der Schutz vor kardiovaskulären Ereignissen.

Aktuell gesunde Menschen scheinen dabei ebenso zu profitieren wie solche mit einem erhöhten Risiko für Herzerkrankungen oder Schlaganfall (zum Beispiel Menschen mit hohem Blutdruck, hohem Serumcholesterin oder Diabetes) und Menschen, die bereits eine Herzerkrankung oder einen Schlaganfall erlitten haben. Es gab keinen Unterschied in der Wirkung zwischen Männern und Frauen.

Das heißt, wenn 56 Menschen ohne Herz-Kreislauf-Erkrankung oder 53 Menschen, die bereits eine Herz-Kreislauf-Erkrankung haben, ihren Konsum von gesättigten Fettsäuren für etwa 4 Jahre reduzieren, dann wird eine Person ein kardiovaskuläres Ereignis (Herzinfarkt oder Schlaganfall) vermeiden, welches sie sonst erlitten hätte.

Qualität der Evidenz

Es gibt umfangreiche Evidenz für die Wirkung der Reduzierung von gesättigten Fettsäuren über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren. Diese Studien liefern Evidenz von moderater Qualität dafür, dass eine verringerte Aufnahme von gesättigten Fettsäuren das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senkt.

Fazit für die Hausarztpraxis

Empfehlungen zur Ernährung können Sie in der Hausarztpraxis leicht in das ärztliche Gespräch aufnehmen. Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen, bei auffälligen Werten und gezielten Rückfragen können Sie auf die Evidenz aus dem Cochrane Review hinweisen.

Die Evidenz unterstützt eine Empfehlung zur Reduktion von gesättigten Fettsäuren, um das Risiko kombinierter kardiovaskulärer Ereignisse bei Patienten mit und ohne bestehende kardiovaskuläre Erkrankungen zu reduzieren.

Zu den praktischen Möglichkeiten, die gesättigten Fettsäuren in der Nahrung zu reduzieren, gehören die Umstellung auf fettarme Milchprodukte und der Verzicht auf Fleischfette sowie die Reduktion der Aufnahme von Lebensmitteln mit hohem Gehalt an gesättigten Fetten.

Allerdings ist die Zahl der Patienten, die ihren Lebensstil umstellen müssen, um ein kardiovaskuläres Ereignis zu verhindern, mit über 50 relativ hoch. Man kann also aus der Umstellung keine Sicherheit ableiten und muss auch die anderen Maßnahmen zur Risikoreduktion (insbesondere Nikotinabstinenz und gute Einstellung des Blutdrucks) umsetzen. •

Literatur:

  1. Hooper L, Martin N, Jimoh OF, Kirk C, Foster E, Abdelhamid AS. Reduction in saturated fat intake for cardiovascular disease. Cochrane Database of Systematic Reviews 2020, Issue 8. Art. No.: CD011737. DOI: 10.1002/14651858.CD011737.pub3. Accessed 05 October 2021.
  2. Schmidt-Haghiri M, Schelling J. Evidenz für die Hausarztpraxis. Elsevier, 2021.

Interessenkonflikte: Die Autoren haben keine deklariert.

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