Junge Ärzte„Wir können nicht MRT-Bilder mit Taxis durch die Republik schicken“

Beim Einsatz von digitalen Instrumenten im Gesundheitswesen hinkt Deutschland hinterher. Im Vorfeld des Deutschen Ärztetags haben junge Ärzte diskutiert, was Digitalisierung für sie leisten muss und welche Hürden dem im Weg stehen.

Es gibt zwei Gründe, warum die Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen nur schleppend vorankommt: Zu viele Schnittstellen zwischen den Systemen – also mangelnde Interoperabilität – und fehlende Anwenderfreundlichkeit. Das wurde beim „Dialog mit jungen Ärztinnen und Ärzten“ deutlich, zu dem die Bundesärztekammer (BÄK) im Vorfeld des Deutschen Ärztetags in Freiburg eingeladen hatte, schließlich ist Digitalisierung eines der Hauptthemen der Delegierten dieses Jahr. Viele der Ärzte in Weiterbildung und jungen Fachärzte nahmen in der Diskussion ältere Kollegen in Schutz: „Die Bedienerfreundlichkeit der Programme ist entscheidend, nicht ob der Arzt jung oder alt ist“, fasste es ein Teilnehmer zusammen.

„Digitalisierung muss sich an unsere ärztlichen und pflegerischen Bedürfnisse anpassen und nicht umgekehrt“, forderte Dr. Diane Bitzinger, die als Sprecherin des Bündnis Junge Ärzte auf dem Podium saß. Die meisten Kommentare zeigten, die IT-Firmen entwickeln am ärztlichen Alltag vorbei. Daher forderten viele Redner, die Ärzteschaft und allen voran die Bundesärztekammer müsse mit den Herstellern stärker in Dialog treten, damit die Systeme in der Praxis auch tatsächlich die erhoffte Entlastung bringen. Hier musste BÄK-Präsident Prof. Frank Ulrich Montgomery einbremsen: Die bestehenden Insellösungen kritisiere die BÄK seit 1990. Das Problem sei, dass die Hersteller im Wettbewerb stehen und daher kein Interesse daran hätten, Schnittstellen abzubauen, weil dies auch das Monopol der Firma gefährde.

Hoffnung e-Patientenakte

Große Hoffnung stecken viele junge Ärzte in die elektronische Patientenakte, die aus ihrer Sicht aber auch ambulant wie stationär einfach zugänglich sein muss. Die gewonnene Zeit könne man für das Arzt-Patienten-Gespräch nutzen. Das funktioniert aber nur, wenn der gesamte Prozess digitalisiert wird: „Ich bin frustriert, wenn ich in der Notaufnahme den Anamnesebogen erstmal fünf Minuten von Papier in den Computer tippen muss“, berichtete Wenke Wichmann, Ärztin in gynäkologischer Weiterbildung am Uniklinikum Dresden, „warum kann der Patient den Bogen nicht gleich auf einem iPad ausfüllen“.

Denkbar sei auch, dass Geräte die gemessenen Daten automatisch online in der elektronischen Akte protokollierten. Warum sollte ich hier Kreuzchen auf Papier machen, fragte eine Teilnehmerin. Eine e-Akte würde aus Sicht der Nachwuchs-Ärzte auch helfen, um Doppeluntersuchungen, gehäufte Zweitmeinungen etc. zu reduzieren. Ebenso müsse die Sicherheit des Datenaustausches gewährleistet sein, so eine weitere Forderung. „Wir müssen weg von den Insellösungen und brauchen einen sicheren Datenaustausch. Es kann doch nicht sein, dass wir weiterhin MRT-Bilder mit Taxis durch die Republik schicken“, kritisierte ein junger Arzt.

Digitalisierung verändert Kommunikation

Neue digitale Möglichkeiten für Patienten verändern auch die Anforderungen an Ärzte, waren sich alle einig. Dies fasste Dr. Mathias Fabian, Vizepräsident der Ärztekammer Baden-Württemberg, in vier Thesen zusammen:

  1. Kommunikation wird überwiegend analog bleiben: Denn vieles brauche eben doch das persönliche Gespräch.
  2. Patienten werden über mehr Information verfügen, das wird die Kommunikation verändern. Ärzte seien noch mehr gefordert, die Informationen und das Vorwissen einzuordnen.
  3. Die Wertigkeit der Informationen ist unsicher: „Bisher wissen wir, von wem die Information kommt. Bald bekommen wir Informationen auch von Wearables und Apps, von denen wir nicht wissen, wie valide oder hilfreich diese sind“, so Fabian.
  4. Wir müssen lernen, mit den Ohren zu sehen: Videotelefonie werde noch sehr selten eingesetzt, mehr laufe übers Telefon. Da man hier nicht sehen könne, müssten Ärzte sich angewöhnen, anders nachzufragen.

Digitale Vehikel für die Weiterbildung

Auch in der Weiterbildung können sich die jungen Ärzte viele digitale Anwendungen vorstellen, etwa ein elektronisches Logbuch wie die Weiterbildung. Die gute Nachricht hatte Dr. Theodor Windhorst sogleich im Gepäck: Ein eLogbuch will der Deutsche Ärztetag diese Woche noch beschließen. Hier soll auch ein bundeseinheitlicher Weiterbildungsplan angehängt sein.

Es wurde in der Diskussion aber auch deutlich: Digitale Anwendungen können nur ein Vehikel sein, um den Inhalt zu transportieren, sie können nicht ersetzen, dass man einen Eingriff selbst gemacht haben muss. „Weiterbildung heißt, man lernt Patienten selbst zu behandeln“, sagte Dr. Hans Gehle von der Ärztekammer Westfalen-Lippe. Ergänzend könne man über Videos aber zumindest auch Eingriffe sehen, die an der eigenen Klinik nur selten erfolgen, sagte Wichmann. Ein tolles Beispiel sei die Fortbildungsplattform „Gyn to go“. Sinnvoll sei es auch, generelle Fragen in der Weiterbildung zu diskutieren, die mit der Digitalisierung einhergehen, ergänzte Pascal Nohl-Deryk von der Jungen Allgemeinmedizin Deutschlands (JADE). Als Beispiele nannte er den Umgang mit Patientenanfragen über Facebook.

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