HausbesucheHausärzte-Chef mahnt Umdenken an

Aktuelle Zahlen zeigen: Zwar fährt ein Großteil der Hausärzte regelmäßig Hausbesuche, in Summe sinken die Abrechnungszahlen jedoch. Der Deutsche Hausärzteverband fordert bei dem Thema daher eine "180-Grad-Wende".

Berlin. Vor dem Hintergrund sinkender Hausbesuchs-Zahlen kritisiert Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, den bislang stiefmütterlichen Umgang mit der originär hausärztlichen Leistung. „Es kann nicht sein, dass Kollegen, die besonders viele Hausbesuche fahren, zum Beispiel, weil sie mehrere Pflegeheime in der Umgebung betreuen, Gefahr laufen, finanziell sanktioniert zu werden“, erklärte er am Mittwoch (23. Juni). „Diese Regelungen, bei denen die regionalen Besonderheiten häufig komplett außen vor gelassen werden, müssen dringend abgeschafft werden.“ Gerade angesichts des demografischen Wandels und der damit immer größer werdenden Zahl älterer und immobiler Patienten brauche es „massive Investitionen in die Hausbesuche“.

Die Zahl der Hausbesuche von Ärzten ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen, zeigt eine Antwort der Bundesregierung auf eine noch nicht veröffentlichte parlamentarische Anfrage der Linksfraktion, die der Redaktion von „Der Hausarzt“ vorliegt. Gab es 2009 noch 30,3 Millionen Hausarztbesuche bundesweit bei gesetzlichen Versicherten, waren es 2016 demnach nur noch 25,1 Millionen. Für 2017 liegt bisher lediglich eine Hochrechnung vor, nach der die Zahl weiter auf 24,6 Millionen gesunken ist. Die Zahlen, über die am Mittwoch das ARD-Hauptstadtstudio als erstes berichtete, hatte die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) dem Ministerium zur Verfügung gestellt.

„Kein Klempner würde für 22 Euro kommen“

„Die neuen Zahlen müssen für die Politik, die Krankenkassen und die ärztliche Selbstverwaltung der Startschuss sein, endlich die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren“, betonte Weigeldt in einer ersten Reaktion. „Hausbesuche sind, auch im Vergleich zu anderen technischen Leistungen, massiv unterbewertet.“ Die Vergütung für einen Hausbesuch während der Sprechstundenzeiten (GOP 01410) betrage aktuell knapp 22 Euro brutto – inklusive An- und Abfahrt, erinnert der Hausärzte-Chef. „Es leuchtet jedem ein, dass das vorne und hinten nicht reicht. Kein Klempner würde für dieses Geld kommen.“

Trotz allem sei es wichtig zu betonen, dass die meisten Hausärztinnen und Hausärzte nach wie vor regelmäßig Hausbesuche fahren. Vor allem im Vergleich zu den Fachärzten zeigt sich, dass Hausärzte den bedeutenden Großteil der Hausbesuche fahren, wie eine Umfrage von „Der Hausarzt“ unter den 17 Kassenärztlichen Vereinigungen zeigt.

In der schriftlichen Antwort kündigt die Bundesregierung nun erste Schritte für eine mögliche Stärkung an. So werde in die geplante Ausweitung der Mindestsprechstundenzahl von 20 auf 25 Stunden pro Woche die Hausbesuche erfasst, „sodass diese Maßnahme zur Stärkung der aufsuchenden Versorgung beiträgt“. Der Deutsche Hausärzteverband hatte die geplante Ausweitung der Sprechstundenzahl ohne Inklusion der Hausbesuche scharf kritisiert.

Angst vor Regressen schreckt ab

Als Grund für den Rückgang sieht der Gesundheitsexperte der Linkspartei, Achim Kessler, die Sorge vieler Hausärzte vor Rückzahlungen, wenn sie zu viele Hausbesuche machen. „Problematisch sind nicht die wenigen Fälle, in denen Hausärzte Rückzahlungen leisten müssen, sondern gravierend ist die Höhe der Rückzahlung. Das hat auf andere Hausärzte eine abschreckende Wirkung, möglichst wenige Hausbesuche zu machen.“ So hatten jüngst zwei Landärzte aus Nordhessen auf ihren Fall aufmerksam gemacht: Eigenen Angaben zufolge gehe es im Fall ihrer Gemeinschaftspraxis um einen Regress in Höhe von 58.000 Euro.

In der Tat heißt es auch in der Antwort der Regierung, dass sie sich die Berichterstattung bislang auf wenige Einzelfälle in Hessen beziehe. KVen und Krankenkassen müssten die Wirtschaftlichkeit der ärztlichen Leistungen prüfen, diese fällt jedoch regional unterschiedlich aus. So erfolgen in Hessen Prüfmaßnahmen bei Hausbesuchen oder Gesprächsleistungen nach den Nrn. 03230 oder 35100/35110 EBM zunächst ausschließlich auf der Grundlage hessenweiter Durchschnittszahlen. Unterschiede zwischen Stadt- und Landpraxen werden dabei nicht gemacht.

„Aus Sicht der Bundesregierung ist die Berücksichtigung von Besonderheiten der Praxisstruktur und der Behandlungsnotwendigkeiten (…) bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen grundsätzlich sinnvoll“, heißt es dazu in der Antwort.

Entlastung durch starkes Praxisteam

Um Hausbesuche auch in Zukunft als festen Bestandteil der hausärztlichen Versorgung beizubehalten, erinnert der Deutsche Hausärzteverband an weitere, bereits heute bestehende Möglichkeiten der Entlastung. So wurde mit dem VERAH®-Konzept ein Programm zur spezifischen Fortbildung von Medizinischen Fachangestellten (MFA) entwickelt. „Diese Fachkräfte können im Anschluss bestimmte Routine-Hausbesuche übernehmen und so den Arzt entlasten“, erklärt Weigeldt. „Dieses Konzept muss zukünftig noch breiter gefördert werden.“

 

Das Thema Hausbesuche ist in der Politik angekommen. Was das bedeutet, erklärt unser Abrechnungsexperte Gerd W. Zimmermann – mit einem besonders kritischen Blick auf die Prüfregelung in Hessen.

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