Baden-WürttembergGrün-Schwarz will wohnortnahe Pflegeangebote verbessern

Die Pflege wird zentrales Regierungsthema der neuen Legislaturperiode. Doch Baden-Württemberg will nicht auf Berlin warten – hier sollen durch eine Gesetzesnovelle Stadt- und Landkreise künftig eigene Pflege-Konferenzen einrichten dürfen. Aktuelle Zahlen zeigen: Der Bedarf ist da.

Stuttgart. Die grün-schwarze Landesregierung will wohnortnahe Pflegeangebote in Baden-Württemberg verbessern. Das Kabinett beschloss am Dienstag Eckpunkte von Sozialminister Manne Lucha (Grüne), auf deren Grundlage eine Gesetzesnovelle erarbeitet werden soll. So sollen Stadt- und Landkreise eigene Konferenzen einrichten können, in denen etwa Vertreter von Kommunen, Pflegeeinrichtungen, Pflegekassen, Pflegebedürftigen und des Pflegepersonals sitzen. Ihre Empfehlungen sollen die Pflegekassen berücksichtigen müssen.

„Beispielsweise könnte die Pflegekasse aufgefordert werden, nur noch mit solchen Investoren Verträge abzuschließen, die neben stationären Plätzen auch Tagespflegeplätze anbieten“, teilte das Ministerium mit. Immer mehr Menschen wollten so lange wie möglich in ihrer gewohnten Umgebung bleiben.

Der Gesetzentwurf sieht auch vor, dass Kommunen im Rahmen von Modellvorhaben so genannte Pflegeberatungsstellen einrichten, die sie von der Pflegekasse vergütet bekommen. Sie sollen umfangreiche Beratungen anbieten können – etwa auch zu behindertengerechten Wohnangeboten und rechtlichen Fragen.

In Baden-Württemberg gibt es zudem 59 Pflegestützpunkte, die unabhängig und kostenlos Auskünfte rund um die Pflege geben. Kommunen sollen künftig selbst die Initiative ergreifen können, neue Stützpunkte zu errichten. Bislang haben die Pflegekassen, die die Stützpunkte zumindest mitfinanzieren, ein Vetorecht bei der Einrichtung. Das soll fallen.

Hausarzt in der Schlüsselrolle

Die Zusammenarbeit von Krankenkassen, Pflegekassen und Pflegediensten soll mit dem Gesetz generell verbessert werden.

Dr. Berthold Dietsche, Vorsitzender des Hausärzteverbands Baden-Württemberg, erinnert dabei an die Schlüsselrolle der Hausärzte. „Hausärztinnen und Hausärzte sind die zentralen Ansprechpartner für die wohnortnahe Versorgung der Patienten“, sagte er auf Anfrage von „Der Hausarzt“. „So lange die Versorgungsebene der Hausärzte erhalten werden kann, ist auch eine koordinierte Patientenversorgung zwischen dem ärztlichen und dem Pflegebereich gewährleistet“.

Nach dem jüngsten Gesellschaftsreport Baden-Württemberg gibt es im Land mehr als 328.000 Pflegebedürftige (Stand 2015). Das entspricht einem Anteil von etwa drei Prozent der Bevölkerung. Laut dem Gesellschaftsreport ist die Zahl zwischen den Jahren 1999 und 2015 um 56 Prozent gestiegen. Mehr als die Hälfte der Pflegebedürftigen wird von Angehörigen gepflegt. Von diesen Angehörigen sind knapp zwei Drittel erwerbstätig.

71 Prozent der Pflegenden haben zeitliche Probleme

Unterdessen belegt auch eine noch unveröffentlichte Untersuchung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) die steigende Belastung pflegender Angehöriger. Nach der Studie betreut jeder elfte Arbeitnehmer in Deutschland zusätzlich einen pflegebedürftigen Angehörigen, wie die „Saarbrücker Zeitung“ (6. Februar) berichtet. Demnach haben 71 Prozent der betroffenen Beschäftigten zeitliche Probleme, um beide Aufgaben unter einen Hut zu bringen.

Unter den älteren Beschäftigten ab 60 Jahre kümmert sich sogar bereits jeder fünfte um pflegebedürftige Angehörige.

VERAH-Einsatz kann entlasten

Eine aktuelle Studie des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) zeigt, dass der Beratungsbedarf in der Praxis aufgrund dieser häufigen Doppelbelastung steigt: Demnach haben zwar fast drei Viertel (72 Prozent) der 1.000 Befragten großes Interesse an Informationen zur Prävention von Gesundheitsproblemen. Sowohl bei sich selbst als auch bei den gepflegten Angehörigen wird Prävention jedoch nicht aktiv gelebt – meist aus Zeitmangel.

Aus Sicht des Deutschen Hausärzteverbandes bietet vor allem der Einsatz von Versorgungsassistentinnen in der Hausarztpraxis (VERAH) Chancen zur Entlastung. Sie besuchen die Patienten in ihrem häuslichen Umfeld und können gezielt unterstützen – auch bei Fragen der Angehörigen.

Quelle: dpa/lsw

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