HessenHausärzte nach Kammerwahl drittstärkste Kraft

Erneut haben nur gut ein Drittel von Hessens Ärzten gewählt - wohl aber einen bedeutenden Wechsel eingeläutet: Die Klinikärzte verbuchen künftig die meisten Sitze in der Delegiertenversammlung der Ärztekammer Hessen. Erklärungsversuche, warum das Wahlergebnis für Hausärzte zu wünschen übrig lässt.

Frankfurt/Main. Rund 13.600 Stimmen haben entschieden: Der Marburger Bund stellt künftig die stärkste Fraktion in der neuen Delegiertenversammlung der Landesärztekammer Hessen (LÄKH). Mit 3.940 Stimmen hat die Liste die Kammerwahl gewonnen; das entspricht 24 Sitzen in der 80 Sitze zählenden Delegiertenversammlung. Das geht aus dem vorläufigen Endergebnis der Kammerwahl hervor, das die LÄKH am Donnerstag (7. Juni) veröffentlicht hat.

Mit 3.293 Stimmen folgt die Liste Fachärztinnen und Fachärzte Hessen auf dem zweiten Platz (2013: 3.529 Stimmen); sie wird mit 20 statt bislang 22 Sitzen in dem Parlament vertreten sein. Die Hausärzte belegen mit 1.784 Stimmen und elf Sitzen den dritten Platz (2013: 2.176 Stimmen, 13 Sitze). Insgesamt standen Kandidaten von elf Listen zur Wahl, was für ein vergleichsweise zersplittertes Wahlergebnis sorgt.

  Liste Stimmen   Sitze in DV
1 Marburger Bund 3.940 24
2 Fachärztinnen und Fachärzte Hessen 3.294 20
3 Die Hausärzte 1.784 11
4 LDÄÄ (Liste demokratischer Ärztinnen und Ärzte)   1.394 8
5 ÄrztINNEN Hessen 1.074 6
6 Liste älterer Ärzte 967 5
7 Junge Ärztinnen und Ärzte 472 2
8 Liste der kleinen Fachgebiete 206 1
9 Hessenmed e.V. 174 1
10 Öffentlicher Gesundheitsdienst 168 1
11 Ärztinnen und Ärzte pro Alter 164 1

 

Der Marburger Bund hat als einzige Liste im Vergleich zur letzten Wahl 2013 gewonnen: Damals erhielten die Klinikärzte 3.514 Stimmen (21 Sitze).

„Die Zunahme der Sitze für den Marburger Bund (MB) spiegelt die Zunahme der angestellten Ärzte in den Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) und den Krankenhäusern wieder, die ihre Interessen durch den MB vertreten sehen”, erklärt Jutta Willert-Jacob, Hausärztin in Haiger, Vorstandsmitglied des hessischen Hausärzteverbands und Kandidatin der Liste 9 “Die Hausärzte”, auf Anfrage von „Der Hausarzt”. „Es bedeutet, dass sich in Zukunft vermehrt die Interessen der angestellten Ärzte und der Klinikvertreter gegen die ambulante Medizin durchsetzen werden.”

Koalition der vier größten hat nur noch knappe Mehrheit

Die Kammerwahl hat vom 24. Mai bis zum 6. Juni stattgefunden. Die Delegierten sind für fünf Jahre, also von 2018 bis 2023, im Amt. Am 25. August 2018 tritt die neue Delegiertenversammlung erstmals zusammen und wählt ihren Präsidenten sowie die weiteren Mitglieder des LÄKH-Präsidiums.

In Hessen waren 2016 laut Ärztestatistik der Bundesärztekammer (BÄK) 10.784 Ärzte ambulant, 14.030 stationär tätig.

Die Stimmverschiebung ist nach Wahlausgang zwar bedeutend, jedoch relativ gering: In der letzten Legislatur habe es im Land eine große Koalition der Listen „Die Hausärzte”, „ÄrztINNEN Hessen”, „Ältere Ärzte” und „Die Fachärzte” gegeben, erklärt Monika Buchalik, Vize-Präsidentin der LÄKH und aktiv im Deutschen Hausärzteverband. „Diese Koalition hat noch immer einen Stimmenanteil von 42 von 80 Delegiertensitzen, sprich mehr als 50 Prozent, auch wenn alle vier Listen Delegiertensitze abgeben mussten. Diese Sitze gingen in erster Linie an die kleinen Listen verloren.” Die Listen „Junge Ärztinnen und Ärzte in Hessen” und „Ärztinnen und Ärzte pro Alter” hatten sich zum ersten Mal zur Wahl gestellt. 

Hausärzte müssen stets “hellwach” sein

Mit rund 37 Prozent war die Wahlbeteiligung niedriger als im Jahr 2013; damals hatte sie bei 41 Prozent gelegen. „Nominal entspricht die Zahl der 2018 abgegebenen Stimme in etwa jener der von 2013″, erklärt jedoch die Kammer. „Da sich die Zahl der Kammermitglieder jedoch seit der letzten Kammerwahl um 3.529 Ärztinnen und Ärzte erhöht hat, ist die Wahlbeteiligung prozentual leicht gesunken.”

Der Hausärzteverband hatte im Vorfeld der Wahl explizit zur Teilnahme an der Briefwahl aufgerufen. In der Delegiertenversammlung der LÄKH müssten sich die Hausärzte „stets hellwach der Begehrlichkeiten anderer Fachgruppen erwehren”, betonte Vize-Landesverbandschef Michael Thomas Knoll im letzten Rundschreiben. „Hier sitzen nicht nur Fachärzte, die wir aus der KV kennen, sondern mit dem Marburger Bund auch Vertreter aus dem stationären Bereich.” Für wichtige Themen der nächsten fünf Jahre identifizierte Knoll einerseits die Weiterbildung, andererseits das neue Berufsbild des Physician Assistant, das es zu verhindern gelte.

„Auch wenn manchem die LÄKH als ferne Behörde erscheinen mag, entscheidet die Delegiertenversammlung doch über wichtige Themen. So etwa über die Frage, ob den Hausärzten durch neue Spezialistenberufe weitere Kompetenzen entzogen werden”, pflichtete auch Armin Beck, Vorsitzender des hessischen Landeshausärzteverbands, bei.

Erklärungsversuche für ernüchternde Zahlen

Für Buchalik fußt das ernüchternde Ergebnis für die Hausärzte dabei jedoch auch auf der bisherigen Regelung zur Wahlwerbung: „Rund ein Drittel der Kammermitglieder in Hessen haben dem Versand von Werbung durch die LÄK Hessen nicht zugestimmt und demzufolge auch keine Wahlwerbung der einzelnen Kammerlisten erhalten”, erklärt sie. „Alle Versuche, dieses Vorgehen zu verhindern, sind im Sande verlaufen. Rechtliche Grundlage hierfür ist das hessische Heilberufsgesetz, dass nach diesen Erfahrungen schleunigst geändert werden muss.”

Erschwerend, gibt Willert-Jacob zu bedenken, kamen in dieser Wahlperiode aktuell geforderte Umstellungen hinzu: etwa in Sachen Telematikinfrastruktur oder Datenschutz-Grundverordnung. Damit seien Ärzte im Praxisalltag belastet und hätten daher möglicherweise nicht die Kammerwahl präsent. „Dabei wird leider übersehen, dass gerade die Vertreter des Verbandes in den Landesärztekammern etwas gegen die erschwerten Arbeitsbedingungen unternehmen können.”

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